„PUREFLY“ GEHT NEUE WEGE

ODER: VOM SAUERLAND IN DIE WELT…

Du nimmst ein Stück Seife in die Hand. Schon bevor der erste Tropfen Wasser sie berührt, steigt dir ein feiner Duft nach Lavendel, Zitrusfrüchten oder Blüten in die Nase. Die Oberfläche fühlt sich angenehm glatt an, kleine Blütenblätter oder Kräuter verleihen ihr eine ganz besondere Optik. Sofort merkst du, dass du hier kein beliebiges Pflegeprodukt in den Händen hältst. Handgemachte Naturkosmetik erzählt ihre ganz eigene Geschichte. Sie steht für natürliche Zutaten, für echte Handarbeit und für Menschen, die sich bewusst Zeit nehmen, etwas mit Liebe entstehen zu lassen… Genau diese Leidenschaft begleitet Didem Yalcin aus Halver seit vielen Jahren. In ihrer kleinen Manufaktur „Purefly“ entstehen in sorgfältiger Handarbeit Seifen, Badezusätze und weitere Naturkosmetik, die nicht nur pflegen, sondern auch ein kleines Stück Entschleunigung in den Alltag bringen. Jedes Produkt ist ein Unikat und trägt ihre Handschrift. Mit viel Geduld entwickelt sie Rezepturen, kombiniert natürliche Inhaltsstoffe und gießt jede Seife von Hand:

Ein neues Kapitel

Dass Didem heute Seifen siedet, war ursprünglich überhaupt nicht geplant. Die gebürtige Türkin ist in Ankara aufgewachsen und kam 2005 nach Deutschland, um an der RWTH Aachen ihr Masterstudium aufzunehmen. Später arbeitete sie vier Jahre lang als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Siegen. Dort lernte sie auch ihren Mann kennen, mit dem sie schließlich nach Kierspe-Bollwerk zog… Die Idee für „Purefly“ entstand allerdings nicht im Hörsaal oder im Labor, sondern im Badezimmer. Ihr Mann litt unter Schuppen und nutzte industriell hergestellte Shampoos. Sie halfen zwar, doch sobald er sie absetzte, kehrte das Problem zurück. Gemeinsam probierten sie Olivenöl und ätherische Öle aus. Das funktionierte gut, war auf Dauer aber sehr kostspielig. Also fasste Didem einen Entschluss. Warum nicht einfach selbst Seife herstellen?

Für sie war das kein Sprung ins kalte Wasser. Durch ihre Arbeit im Labor kannte sie sich mit pH-Werten und den Grundlagen chemischer Prozesse bestens aus. Das Wissen über die Seifensiederei brachte sie sich selbst bei. Angefangen hat alles mit einem kleinen Kochtopf und einem Handmixer in der heimischen Küche. Immer neue ätherische Öle wurden ausprobiert, immer neue Rezepturen entwickelt. Mit der Zeit stapelten sich die fertigen Seifen auf dem Dachboden.

Irgendwann begann Didem, ihre Seifen zu verschenken. Die Rückmeldungen waren eindeutig: Wer einmal ein Stück bekommen hatte, wollte Nachschub. Aus einem kleinen Herzensprojekt entstand schließlich im Jahr 2022 ihre eigene Manufaktur. Auch der Name erzählt ihre Geschichte. „Pure“ steht für Reinheit und natürliche Inhaltsstoffe. „Fly“ erinnert an den Schmetterling, den Didem sogar als Tattoo trägt. Für sie symbolisiert er Leichtigkeit, Freiheit und Veränderung. Genau dieses Gefühl möchte sie mit ihren Produkten weitergeben.

Aus dem Universitätslabor wurde nach und nach ihr eigenes Seifenatelier. Reagenzgläser wichen kleinen Fläschchen voller ätherischer Öle, wissenschaftliche Formeln wurden zu individuellen Rezepturen und aus einer Physikingenieurin wurde eine leidenschaftliche Seifensiederin.

Seit zwei Jahren kannst du Didem auch in ihrem Laden in Halver besuchen. Dort findest du ihre Naturkosmetik, kannst die verschiedenen Düfte kennenlernen und sogar selbst kreativ werden. Doch dieses Kapitel wird schon bald enden. Warum, verrate ich dir gleich:

Jetzt schnell sein!

Bis eine Seife fertig ist, steckt erstaunlich viel Handarbeit dahinter. Die Grundlage bilden sechs hochwertige Öle und Buttern. Olivenöl, Rhizinusöl, Mandelöl, Kokosöl, Sheabutter und Kakaobutter werden vorsichtig geschmolzen. Didem arbeitet im sogenannten Kaltverfahren bei rund 40 Grad. Dadurch bleiben viele wertvolle Bestandteile der Öle erhalten.

Parallel stellt sie die Lauge her. Treffen beide Komponenten aufeinander, beginnt die chemische Reaktion der Verseifung. Erst wenn der Seifenleim die richtige Konsistenz erreicht hat, kommen die ätherischen Öle hinzu. Genau hier entscheidet sich später auch der Charakter jeder einzelnen Seife.

Bis die heutigen Rezepturen entstanden sind, hat Didem unzählige Varianten getestet. Bevor sie ihre Produkte verkaufen durfte, ließ sie jede Rezeptur professionell prüfen und zertifizieren. Heute bietet sie sechs verschiedene Sorten an. Mal sorgt Aktivkohle mit Minze für ein frisches Hautgefühl, mal treffen Patchouli und Rose aufeinander oder Hafermilch schenkt besonders sanfte Pflege. Auf künstliche Farb- und Duftstoffe verzichtet sie dabei komplett.

Besonders spannend finde ich ihren Blick auf Düfte. Gerüche sind eng mit Erinnerungen verbunden. Während Lavendel auf den einen beruhigend wirkt, erinnert er den anderen vielleicht an einen Krankenhausaufenthalt oder einen Menschen aus der Vergangenheit. Unser Gehirn speichert Düfte dauerhaft ab. Nicht umsonst gibt es den Satz „Ich kann dich nicht riechen“. Deshalb rät Didem immer dazu, sich Zeit zu nehmen, an den Seifen zu schnuppern und ganz in Ruhe herauszufinden, welcher Duft sich für dich richtig anfühlt.

Wenn du selbst einmal ausprobieren möchtest, wie Naturkosmetik entsteht, hast du dazu noch die Gelegenheit. In kleinen Gruppen bietet Didem vier verschiedene Workshops an. Du kannst Kerzen aus Sojawachs gießen, Seifen wie Didem selbst sieden und dabei sogar mit Lauge arbeiten oder deine ganz persönliche Duftseife kreieren. Dafür stehen 24 verschiedene ätherische Öle bereit, die du nach Lust und Laune kombinieren kannst. Anschließend wird die Seife mit Trockenblumen dekoriert. Außerdem zeigt sie dir, wie Bodybutter, Badesalz, Lippenbalsam oder festes Deo selbst hergestellt werden. Die Gruppen bleiben bewusst klein, damit sie sich für jeden Teilnehmer ausreichend Zeit nehmen kann.

Doch während in Halver noch fleißig Seifen gegossen werden, laufen im Hintergrund bereits die Vorbereitungen für einen großen Neuanfang: Im November wandern Didem und ihr Mann an die türkische Westküste aus. Mehr Sonne, die Nähe zur Familie und die Sehnsucht nach ihrer Heimat haben den Wunsch schon lange wachsen lassen. Die Entscheidung fiel am Ende dennoch überraschend schnell. Denn den perfekten Zeitpunkt gibt es sowieso nie…

Sie nimmt nicht einmal ihre Möbel mit. Statt möglichst viel mitzunehmen, möchte sie bewusst leicht in ihr neues Leben starten. Wie ihr beruflicher Weg in der Türkei aussehen wird, weiß sie heute noch nicht. Sie möchte offen sein für alles, was kommt. Deshalb sucht sie nun jemanden, der ihre Herzensangelegenheit weiterführt. Das Geschäft, der Name „Purefly“, die Homepage, das komplette Equipment und vor allem ihr über Jahre aufgebautes Know-how können übernommen werden. Wer schon immer davon geträumt hat, sich mit handgemachter Naturkosmetik selbstständig zu machen, bekommt hier eine Gelegenheit, die so schnell wohl nicht wiederkommt.

Bis Ende Oktober bleibt dir aber noch genügend Zeit, Didem persönlich kennenzulernen. Der Laden in Halver und der Onlineshop sind weiterhin geöffnet, ebenso finden alle geplanten Workshops statt. Die Termine findest du auf ihrer Homepage.

Und eines kann ich dir jetzt schon versprechen. Weil ich meine Serie „Goodbye Sauerland“ so liebe, werde ich Didem nach ihrer Auswanderung natürlich nicht aus den Augen verlieren. Ich bin selbst gespannt, wie ihr neues Leben an der türkischen Westküste beginnt – und werde ganz bestimmt noch einmal bei ihr nachfragen. Denn manche Geschichten enden nicht mit einem Abschied. Sie fangen dort erst richtig an.

PureFlySoap Seife, Didem Oksaksin Yalcin, Mittelstraße 19 58553 Halver

https://www.pureflys.com

https://www.instagram.com/pureflys

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