STEFFI NEU LÄDT ZUM KNEIPENQUIZ

ODER: LANDL(I)EBEN IM SAUERLAND…

Die Köpfe stecken zusammen, auf den Tischen liegen Zettel und Stifte, irgendwo wird noch schnell eine Antwort diskutiert und am Nebentisch ist man sich ziemlich sicher, dass man es besser weiß. Ein ganz normaler Kneipenabend? Nicht ganz. Denn heute geht es nicht nur darum, wer sein Getränk zuerst leer hat, sondern wer am Ende die meisten richtigen Antworten auf dem Zettel stehen hat. Kneipenquiz in der Sauerlandhalle in Lennestadt-Altenhundem. Und mittendrin eine Frau, deren Stimme du ziemlich sicher schon gehört hast, lange bevor du sie heute Abend vor dir siehst. Steffi Neu ist zu Gast. Normalerweise sitzt sie hinter dem Mikrofon, begleitet dich im Radio durch den Tag, spricht über das, was gerade in NRW passiert, trifft Menschen, hört Geschichten und stellt selbst die Fragen. Heute dreht sie den Spieß ein bisschen um. Beim Kneipenquiz gibt sie die Fragen vor, bringt die Köpfe an den Tischen zum Rauchen… Doch bevor sie die Fragen gestellt hat, hat sie selbst auch noch einige beantwortet:

Ich habe diese Sauerländer so lieb!

Steffi, deine Stimme begleitet die Menschen in NRW seit vielen Jahren durch den Alltag – morgens im Auto, beim ersten Kaffee, irgendwo zwischen Stau und Frühstückstisch. Erinnerst du dich noch an deine allererste Radiosendung und an das Gefühl, als das rote Licht anging?

Als ich das erste Mal eigenständig moderiert habe, war ich 22. Das war beim Lokalradio „Radio Kreis Wesel“, wo ich damals während meines Studiums ein Praktikum gemacht habe. Plötzlich saß ich da in der Sendung und hörte mich selbst sprechen – schon ein komisches Gefühl. Auf einmal hatte ich die Verantwortung für die Sendung, und wenn da im Kopf ein kleines Malheur passiert, dann war es das. Aber ich war auch unglaublich stolz. Ich wohnte im Nachbarkreis und meine Eltern erzählten mir anschließend, dass sie mich gehört hatten. Das war schon ein besonderes Gefühl.

Radio hat sich seit deinen Anfängen ziemlich verändert. Heute gibt es Podcasts, Streaming und Social Media – und trotzdem schalten jeden Tag Menschen ganz bewusst das Radio ein. Was kann Radio, was all diese anderen Formate bis heute nicht können?

Radio ist das allerschnellste Medium, das direkt ins Ohr geht. Natürlich kannst du Neuigkeiten mittlerweile auch über Social Media und andere digitale Kanäle schnell empfangen. Aber wir sind diejenigen, die ganz schnell einordnen. Und durch die Stimme, durch Wärme und menschliche Begleitung haben wir noch ein Add-on – nämlich die Möglichkeit, nah zu sein.

Du hast in deiner Karriere mit unglaublich vielen Menschen gesprochen. Welche Begegnung hat dich besonders überrascht oder ist dir bis heute im Kopf geblieben – vielleicht gerade, weil sie ganz anders verlief als erwartet?

Es gibt ganz viele Begegnungen, an die ich mich sehr gern erinnere. Die ganzen Popstars haben mir allerdings nie viel bedeutet, ich habe nie so einen Fankult entwickelt. Ich war sogar ziemlich doof: Bei 1Live war damals Robbie Williams zu Gast. Der saß in diesem kleinen Café und klimperte auf seiner Gitarre herum, während ich am Spülen war. Ich habe ihn tatsächlich überhaupt nicht erkannt. Er fragte mich, wer ich bin, wie es mir geht und was ich mache, und ich sagte nur: „I’m Steffi and I’m doing my dishes.“ Ich bin mir bis heute nicht einmal sicher, ob das so im Englischen richtig war … Also Hysterie gab es bei mir nie. Was mich beeindruckt, sind Menschen, die eine Botschaft haben. Das berührt mich viel mehr als Menschen, die diesen ganzen Glitzer um sich herum haben.

Wer so lange live moderiert wie du, erlebt zwangsläufig Momente, in denen plötzlich gar nichts mehr nach Plan läuft. Welche Radiopanne kannst du heute mit einem ziemlich breiten Grinsen erzählen?

Schlimm wird es, wenn das Pult einfriert und kein Ton mehr herauskommt. Oder wenn man seinen Einsatz verpasst … Erst neulich habe ich während der Musik mit einem Kollegen gequatscht. Ich dachte, es kämen noch zwei Lieder, dabei war es nur noch eins. Und wenn du eine bestimmte Zeit lang nichts über den Sender gehen lässt, springt eine Not-Melodie an. Plötzlich lief also völlig ohne Not diese Melodie. Ich konnte mich dann nur entschuldigen, während gleichzeitig tausend Knöpfe gedrückt werden mussten. Aber so etwas passiert eben. Genau deswegen sollte man immer hochkonzentriert und präsent sein.

Heute sitzt du nicht im Radiostudio, sondern stehst beim Kneipenquiz in Lennestadt vor einem Publikum. Ist das für dich einfach Radio mit Blickkontakt – oder fühlt sich so ein Abend komplett anders an?

Der Unterschied ist: Ich sende nicht nur, sondern ich empfange auch. Es geht in beide Richtungen. Und genau daraus entsteht Energie. Ich gebe die Energie von oben herunter, und wenn die dann geballt zurückkommt, sind wir am Ende alle geflasht davon. Am Anfang des Abends ist da ein weißes Blatt Papier – und am Ende ein buntes Krickelkrakel-Bild.

Und drehen wir die Rollen einmal um: Du sitzt selbst mit Freunden am Quiztisch, vor dir Zettel, Stift und vielleicht ein Getränk. Bei welcher Kategorie würden alle sofort sagen: Steffi, die Frage gehört dir – und wann würdest du dich lieber ganz unauffällig hinter deinem Glas verstecken?

Bei Fragen zu Musik bin ich ganz vorne mit dabei. Es gibt dieses „Hitster“-Spiel, bei dem man Songs den entsprechenden Jahren zuordnen muss, und da bin ich fast unschlagbar. Ab 1995 weiß ich oft noch, mit welchem Gefühl ich was im Radio gespielt habe – und dann liege ich fast immer richtig. Wenn es um Erdkunde geht, möchte ich mich dagegen eher verstecken. Deswegen war ich heute auf der Anreise auch völlig überrascht, dass ich zwei Stunden von Rietberg, wo ich vorher noch einen Termin hatte, bis nach Altenhundem gebraucht habe.

Von deiner Heimat am Niederrhein ins Sauerland ist es zwar keine Weltreise – landschaftlich fühlt es sich manchmal trotzdem fast so an. Dort viel Weite, hier ziemlich schnell der nächste Berg. Was geht dir durch den Kopf, wenn du ins Sauerland kommst?

Das ist für mich Urlaub! Meine Familie und ich sind wirklich viel hier, demnächst im November und im Dezember wieder jeweils für eine Woche. Wir sind echte Schmallenberg-Fans! In der ersten Januarwoche werden mein Mann und ich uns außerdem eine kleine Auszeit nehmen, und zwar in einer ganz kleinen Holzhütte im Wald in Neuastenberg. Wenn ich diese Bäume und Berge sehe, wenn ich durch diese kleinen Ortschaften fahre, die immer diese Struktur mit Kirche und ein paar Häusern haben, dann stellt sich bei mir sofort ein ganz entspanntes Gefühl ein. Ich habe diese Sauerländer so lieb – vor allem, wenn sie eskalieren und feiern. Wenn du dich nicht ganz dusselig anstellst, bist du ganz schnell mittendrin!

Du bist selbst ein echtes Landkind und genau darum geht es auch in deinem Buch „Landl(i)eben“. Was ist dieses besondere Gefühl, das einen mit dem Land verbindet und das man einem überzeugten Großstadtmenschen nur schwer erklären kann?

Wenn du das Bedürfnis hast, ein paar Reizen – Lärm, Licht, Stimmen, Hupen, Stress – aus dem Weg zu gehen, ist das auch einem Städter schnell erklärt. Mich zumindest stressen diese unglaublich vielen Einflüsse. Ich bin zwar unglaublich gern in Köln, habe dort aber eine kleine Bleibe, in der ich in Ruhe arbeiten kann, während um mich herum der Trubel herrscht. Auf dem Land habe ich diese Ruhe überall. Außerdem schätze ich die Verbindlichkeit der Menschen sehr. Wir kennen uns teilweise schon so lange und brauchen uns auch, weil es da eben nicht unendlich viele andere gibt. Da können wir es uns gar nicht leisten, uns zu enttäuschen, sitzen zu lassen oder gegenseitig zu verletzen…

Dazu gehört aber eben auch der Nachbar, der schon weiß, wer vor deiner Haustür geparkt hat, bevor du selbst nach Hause kommst. Wie viel Nähe braucht gutes Landleben und wann wird sie auch mal anstrengend?

Ich glaube, genau das ist der Grund, warum auch einige Menschen, mit denen ich für mein Buch gesprochen habe, nicht mehr zurück aufs Land wollen. Ihnen ist es zu anstrengend, permanent bewertet zu werden. Das ist der große Nachteil – fast schon analoges Social Media … Da braucht man ein dickes Fell und darf sich nicht zu sehr darum scheren, was andere sagen. Auch das ist eine Haltung, die irgendwann akzeptiert wird.

Am 1. April 2027 kommst du mit „Landl(i)eben“ nach Wenholthausen zurück ins Sauerland. Das klingt eigentlich nach einer ziemlich passenden Kulisse für dieses Buch. Worauf dürfen sich die Menschen an diesem Abend freuen – und wie viel klassische Lesung steckt überhaupt in einem Abend mit Steffi Neu?

Lesung ist eigentlich die völlig falsche Überschrift für diesen Abend. Es müsste eher „Erzählung“ heißen. Denn ich werde keinen einzigen Satz aus dem Buch vorlesen. Ich habe es nur dabei, um zu zeigen, dass es das gibt. Ich erzähle, wie ich vorgegangen bin, wen ich dafür getroffen habe und welche Botschaften darin stecken. Ich schreibe, wie ich spreche. Wenn ich das einfach vorlese, kann ich die Menschen nicht anschauen – dann schlafen die am Ende ein und ich merke es nicht einmal. Oder ich lese so viel vor, dass sie das Buch anschließend gar nicht mehr kaufen müssen. Es wird gelacht, es wird Nachdenkliches geben und wir werden auch miteinander ins Gespräch kommen …

Doch bevor der April kommt, wartet im Dezember wieder das „WDR 2 Weihnachtswunder“ auf dich – 107 Stunden im Glashaus, dieses Mal in Mönchengladbach. Wenig Schlaf und draußen Menschen, die mit manchmal ganz kleinen Ideen unglaublich viel bewegen. Was machen diese fünf Tage inzwischen mit dir – und gibt es einen Moment, an dem auch du trotz all deiner Radioerfahrung einfach nur dastehst und denkst: Ich bin sprachlos?

Es ist tatsächlich ein Jakobsweg für die Seele. Dieser Weg, den wir da gehen, ist unfassbar anstrengend. Er läutert dich, lässt dich demütig werden, macht dich traurig, aber auch fröhlich und sogar albern. Es ist eine Achterbahn der Gefühle, ein emotionales Wimmelbuch, das wir uns vorher gar nicht ausmalen können. Wenn du dorthin gehst, muss deine innere Festplatte leer sein und dein Herz voll – und vor allem offen, damit du jeden Menschen so annimmst, wie er ist, mit der Idee, die er hatte. Es kommt nicht auf die Höhe der Spendensumme an, sondern auf die Gemeinschaft, die die Menschen auf dem Weg dorthin erlebt haben. Die Spende abzugeben, ist ja oftmals nur das Finale von Dingen, die schon Monate vorher passiert sind. Ich bekomme jetzt schon beim Erzählen Gänsehaut, weil mich das so erfüllt. Und ja, dann bin ich auch manchmal einfach nur sprachlos!

Für heute geht Steffi Neus Sauerland-Besuch in Lennestadt zu Ende. Die nächsten stehen aber längst im Kalender. Am 1. April 2027 kommt sie mit „Landl(i)eben“ nach Wenholthausen. Und vielleicht ist genau das der richtige Ort für diesen Abend. Ein Dorf mitten im Sauerland, eine Frau vom Niederrhein und jede Menge Geschichten über das Leben dort, wo die Wege manchmal weiter, die Begegnungen dafür umso näher sind. Der Niederrhein bringt die Geschichten mit. Das Sauerland die Kulisse. Den Rest erzählt Steffi Neu.

https://steffi-neu.de

https://steffiskneipenquiz.de

https://www.instagram.com/st_neu

Tickets für Wenholthausen gibt’s hier: https://www.universe.com/events/landl-i-eben-buchlesung-mit-steffi-neu-tickets-Z90R8V oder im Tintenfaß Eslohe, Hauptstraße. 67, 59889 Eslohe

Die Fotos mit Ausnahme des Titelbildes und des Fotos von Steffi zwischen den Tischen in der Sauerlandhalle wurden mit freundlicher Unterstützung von Steffi Neu zur Verfügung gestellt.

Hinterlasse einen Kommentar