„GOODBYE SAUERLAND PART V“ – TANJA IN TIROL

ODER: DER BERG RUFT…

Es wird mal wieder Zeit, in die Ferne zu schweifen… Wir waren in Brasilien, Australien, Alaska und auf Kreta – nun geht es in die Berge, und zwar zu Tanja Sorko, die von Arnsberg-Oeventrop nach Tirol ausgewandert ist. Berge haben wir doch auch hier reichlich!? Stimmt, doch mit Dreitausendern kann das Sauerland nun mal nicht aufwarten. Macht ja nichts, denn Tanja zeigt uns ihre neue Heimat und erklärt ganz nebenbei, dass die Tiroler doch auch jede Menge mit den Sauerländern gemeinsam haben:

Ich weiß sehr zu schätzen, wo ich hier gelandet bin

Tanja, ursprünglich stammst du aus Oeventrop, nun lebst du schon seit fast zwanzig Jahren in Tirol. Was hat dich in die österreichischen Alpen verschlagen?

Ganz klassisch – die Arbeit! Ich habe 2004 meine Ausbildung zur Physiotherapeutin in Bestwig abgeschlossen, und zu dem Zeitpunkt war es für frisch gebackene Physios sehr schwer, eine Stelle zu finden. Und so habe ich mich immer weiter weg beworben, bis ich durch Zufall gesehen habe, dass an der Uniklinik in Innsbruck Stellen frei sind, und hab mich kurzerhand beworben. Und jetzt bin ich seit 2005 in Tirol! Aber Tirol war mir zum Glück nicht fremd, ich kannte quasi nichts anderes. Wir sind jeden Winter und jeden Sommer hier gewesen, zum Skifahren und Wandern. Doch dass ich wirklich hier hängen bleibe war nicht der Plan; ursprünglich hatte ich vor, nach einem Jahr wieder in die Heimat zurückzukehren…

Also war es gar nicht geplant, dass du komplett auswanderst!? Warum bist du dann trotzdem geblieben?

Nein, das war es nicht! Aber wie es dann halt so kommt… Auch ganz klassisch! Man lernt jemanden kennen, und inzwischen bin ich hier verheiratet und habe einen vierjährigen Sohn! Zudem bin ich seit inzwischen zehn Jahren selbstständig und habe meine eigene Praxis. Mein Lebensmittelpunkt ist jetzt einfach Tirol, aber ich genieße es auch und weiß es sehr zu schätzen, wo ich hier gelandet bin!

Im Sommer Wandern, im Winter Ski-Fahren – auch bei Urlaubern ist die Region sehr beliebt. Was konntest du schon außerhalb der Touristen-Pfade entdecken, hast du vielleicht sogar ein paar echte Geheimtipps für den nächsten Österreich-Urlaub?

Ooh, da gibt es natürlich so Einiges! Es gibt einfach so viele schöne Fleckchen, da kann ich mich kaum entscheiden. Als „Einheimische“ meidet man natürlich die überlaufenen „Touri“-Orte. Ein Geheimtipp im Allgemeinen sind sicherlich die Seitentäler der großen, bekannten Täler, wie das Ötz- oder Stubaital. Dort findet man noch Ruhe und ist auch öfter mal alleine unterwegs. Ich liebe es, im Sommer eine Woche lang von Hütte zu Hütte zu wandern, nur mit dem Nötigsten im Rucksack. Das sind einfach wunderschöne Erlebnisse, Sonnenaufgänge auf knapp 3000 Metern, stundenlanges Gehen ohne ein Wort zu reden… Da kommt man wirklich mal runter und vergisst den Alltagsstress.

Im Winter liebe ich es natürlich, Ski zu fahren, wobei ich die letzten Jahre fast nur noch Skitouren gegangen bin – in den Skigebieten ist es mir einfach zu voll geworden! Und was gibt’s Schöneres, nach einem stundenlangen Aufstieg auf dem Gipfel zu stehen und in die Landschaft zu blicken!?

Auch Innsbruck als Hauptstadt des Bundeslandes Tirol ist ein echter Touristen-Magnet. Liegt es an der Kombination aus historischen Bauwerken und moderner Architektur? Was fasziniert dich an dieser Stadt?

Innsbruck hat seinen ganz eigenen Charme! Sicherlich liegt es an der Mischung aus historischen und modernen Bauwerken, aber ich glaube, was Innsbruck ausmacht, ist einfach die Lage! Direkt am Fuße der Nordkette gelegen, die imposant über der Stadt ragt. Mit der Nordkettenbahn ist man innerhalb von zwanzig Minuten aus der Stadt raus und befindet sich im alpinen Hochgelände! Oder man geht direkt zu Fuß los und ist ein einer halben Stunde auf einer der zahlreichen Almen. Innsbruck ist eine Sportstadt; jeder, der irgendwie eine freie Minute hat, geht rauf auf den Berg, sei es im Sommer oder Winter! Im Frühjahr ist es immer recht witzig, wenn man durch die Stadt geht, und an einer Ampel stehen Mountainbiker und Skifahrer in voller Montur nebeneinander – das gibt’s wahrscheinlich nur hier! Zudem ist Innsbruck eine Studentenstadt, daher ist immer irgendwo was los, es gibt viele Cafés, Bars und gute Restaurants. Langweilig wird es hier selten. Und was ich sehr zu schätzen weiß, ist die Nähe zu Italien. In einer halben Stunde bin ich über den Brenner in Südtirol, und man kann wunderbar für ein paar Stunden das Dolce Vita genießen!

Wir Sauerländer gelten ja gelegentlich für Außenstehende als etwas eigentümliches Völkchen. Wie ist das mit den Tirolern? Konntest du schnell neue Bekanntschaften knüpfen?

Oha… Das ist auch so eine Geschichte, darüber könnte ich wahrscheinlich ein Buch schreiben! Der Tiroler und der Deutsche… Das ist eine sehr eigene Beziehung! Denn eigentlich können die Tiroler die Deutschen so gar nicht leiden – da gibt eine sehr gute Filmreihe „Die Piefke Saga“, jeder Tiroler kennt und liebt sie. Das merkt man schon daran, dass wir hier als „Piefke“ oder „Deitsche“ bezeichnet werden. Entwickelt hat sich diese Hass-Liebe aus dem jahrelangen Tourismus und dem teilweise auch nicht so sympathischen oder überheblichen Auftreten meiner Landsleute. Teilweise erlebt man schon recht heftige Geschichten – ich hatte schon mal einen Patienten, der nicht von mir behandelt werden wollte, weil ich Hochdeutsch rede! Der durfte aber dann auch gleich wieder gehen! Man lernt, damit umzugehen und inzwischen gibt’s einfach einen Spruch zurück! Aber ich glaube, nach all den Jahren kennen mich die Leute und wissen, dass wir eigentlich ja ganz nett sind! Oder ich passe gerade als Sauerländerin gut hierhin, denn irgendwie sind wir uns da mit den Tirolern ziemlich ähnlich! Aber witzigerweise ist die erste Freundin, die ich hier damals gefunden habe, auch eine Deutsche – irgendwie verbindets doch!

Tirol ist besonders auch für sein Brauchtum bekannt. Hast du dich schon im Jodeln oder Schuhplatteln versucht?

Oh nein, da halt ich mich besser raus! Ich habe zwar seit Jahren ein Dirndl im Schrank hängen, aber das ist wahrscheinlich inzwischen schon mit dem Kleiderbügel verwachsen… 😉

Auf deinem Instagram-Account habe ich gesehen, dass du alles andere als traditionell eingerichtet bist. Täuscht das, oder spielt Design und Deko in deinem Leben ebenfalls eine bedeutende Rolle?

Das stimmt absolut! Ich habe mich immer schon für Design und Architektur interessiert, und mein Mann ist Architekt (und ich tu einfach so, als wäre ich es auch 😉). So kann ich mich privat und in den eigenen vier Wänden so richtig ausleben. Traditionelle Einrichtung gefällt mir zwar auch gut, aber es muss zum jeweiligen Ort passen, und das wäre bei uns einfach nicht der Fall. Mein Mann sagt dann immer so nett „Das jodelt zu viel“!

Berge hast du in Tirol reichlich – gibt es trotzdem etwas, was du an deiner alten Heimat vermisst?

Natürlich vermisse ich meine Familie und meine Freunde. Und tatsächlich auch die Natur. Die Hügel und die Wälder. Das „Sauerländisch“. Die Dinge, die man erst so richtig zu schätzen weiß, wenn man sie nicht mehr regelmäßig hat…

Ist ein Besuch im Sauerland geplant? Und was machst du als erstes, wenn du wieder in Oeventrop bist?

Natürlich, und sogar ganz bald! Ich werde meine Familie besuchen und meine zwei besten Mädels in Altenhellefeld und Kreuztal. Meistens planen wir nicht all zu viel, sonst artet das Ganze nur in Stress aus! Was wir aber jedes Mal machen, ist eine ausgiebige Shoppingtour in diversen Designoutlets bei uns im Ort und in Hüsten… Und ich freue mich jetzt schon riesig auf Muttis Sauerbraten!

Ist die Urlaubslust geweckt? So lange ist es bis zu den Sommerferien nicht mehr hin… Und für die Zwischenzeit laden ja auch unsere Berge zu einer kleinen Wanderung ein, vielleicht ja als Vorbereitung für den Marsch auf die Dreitausender!?

Du machst es dir lieber zuhause schön? Dann kannst du hier noch ein paar Anregungen bekommen – du erinnerst dich, da war ja noch was mit Tanjas Deko-Liebe:

https://www.instagram.com/kleine_schoenig_keiten/

Die Fotos wurden mit freundlicher Unterstützung von Tanja Sorko (Fotografin der beiden Ski-Fotos: Mirja Geh Photography) zur Verfügung gestellt.

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