MORITZ NETENJAKOB ZWISCHEN GROSSEM HUMOR UND FEINEN POINTEN

ODER: LIVE IN WENHOLTHAUSEN…

Du sitzt da, lachst und merkst plötzlich – das ist eigentlich viel zu nah dran am echten Leben… Genau dieses Gefühl zieht sich durch den Humor von Moritz Netenjakob. Seine Pointen treffen oft genau da, wo du dich selbst ein kleines bisschen wiedererkennst. Mal leise, mal bissig, aber immer mit einem Blick fürs Detail. Vielleicht hast du seine Arbeit schon irgendwo erlebt, ohne es direkt zu wissen. In Serien, in Dialogen, in Momenten, die einfach hängen bleiben. Und jetzt kommt genau dieser Humor auf die Bühne. Live, direkt und ohne Umweg. Am 26. April um 18 Uhr ist er zu Gast in der Schützenhalle Wenholthausen – auf Einladung des Kulturverein 91 Wenholthausen e.V. und des Tintenfass Eslohe. Ein Abend, bei dem du nicht nur lachst, sondern auch merkst, wie viel Beobachtung, Timing und Gefühl hinter gutem Humor stecken:

Humor ist Spaß und harte Arbeit

Herr Netenjakob, Sie haben unzählige Formate geprägt – von Switch bis Stromberg: Gibt es für Sie so etwas wie „deutschen Humor“ oder ist das nur ein besonders gut gepflegtes Klischee?

Loriot war für mich deutscher Humor, weil er unsere nationalen Eigenheiten so genial aufs Korn genommen hat. An und für sich ist Humor aber universell, und durch die Globalisierung werden die Unterschiede zwischen den Nationen kleiner. Deutsche Comedians wachsen heute mit Netflix auf, da werden sie mehr von amerikanischen Vorbildern geprägt als von deutschen … Das Klischee besagt ja, dass wir Deutschen völlig humorlos sind. Ich habe mal ein Seminar an der Universität der Künste in Berlin gegeben; das war eine weltweite Meldung, dass ausgerechnet in Deutschland an der Uni Comedy gelehrt wird… Als hätten die Taliban den Genderstern eingeführt. Aber das Klischee stimmt ja nicht, es gibt guten Humor hierzulande. Natürlich auch viel Mist, aber das ist in Amerika nicht anders.

Ihre Dialoge wirken oft mühelos – wie viel harte Arbeit steckt hinter einem scheinbar spontanen Lacher?

Das ist bei jedem Gag unterschiedlich. Manche kommen spontan, an anderen feile ich eine halbe Stunde oder gar länger. Ob ein Gag wirklich funktioniert, stellt sich oft erst mit Publikum heraus. Wenn die Leute nicht lachen, muss ich überlegen: Habe ich den Gag falsch gesetzt? Braucht’s noch eine Pause vor der Pointe? Oder muss ich den Text ändern? Humor ist Spaß und sehr harte Arbeit zugleich.

Ihre Stärke ist die Beobachtung des Alltäglichen: Welche menschliche Eigenart würden Sie am liebsten aus dem gesellschaftlichen Drehbuch streichen?

Wenn Menschen denken, die Wahrheit für sich gepachtet zu haben, und andere Meinungen abwerten – darauf kann ich gerne verzichten. Allerdings nur in der Realität. In einem Theaterstück werden das oft die lustigsten Charaktere.

Bei „Extrawurst“ wird aus einer Kleinigkeit ein gesellschaftlicher Flächenbrand: Ist unsere Zeit empfindlicher geworden – oder nur ehrlicher?

Empfindlichkeit und Ehrlichkeit sind gute Eigenschaften, und wir brauchen sie für eine gesunde Gesellschaft. Allerdings führt Überempfindlichkeit genauso ins Verderben wie übertriebene Ehrlichkeit. Wir müssen da die Mitte finden, und das ist gar nicht so einfach.

Was ist schwieriger: Über etwas zu lachen, das uns trennt – oder über etwas, das uns alle betrifft?

Ich glaube ja, dass wir Menschen uns viel ähnlicher sind, als uns die Spalter und Hetzer glauben machen wollen. Ich gehe davon aus, dass wir im Kern immer über uns selbst lachen.

Sie haben eng mit Christoph Maria Herbst gearbeitet: Schreiben Sie manchmal schon mit seiner Stimme im Kopf – oder überrascht er Sie immer noch?

Wenn ich eine Rolle für Christoph schreibe, habe ich sofort seine Stimme im Kopf. Aber er überrascht mich trotzdem permanent. Neulich hat er spontan „Beaker“ aus der Muppet Show imitiert, da habe ich auf dem Boden gelegen vor Lachen.

Wenn Sie einen Dialog für Hape Kerkeling schreiben: Schreiben Sie dann für die Figur – oder für das Phänomen Kerkeling?

Als ich die Dialoge für Heribert, den Präsidenten des TC Lengenheide geschrieben habe, der dann von Hape Kerleling gespielt wurde, war die Besetzung noch völlig unklar. Ich hatte beim Schreiben Reiner Calmund im Kopf. Also, er sollte das natürlich nicht spielen, aber in meinem Kopf hat Heribert wie Reiner Calmund geredet. Ich war dann verblüfft, wie perfekt Hape die Rolle verkörpert hat. Er ist einfach ein ganz Großer, und ich bin sehr stolz, dass er in unserem Film mitspielt.

Gibt es einen Moment aus Ihrer Karriere, bei dem Sie dachten: Das ist zu absurd – das glaubt uns keiner … und dann wurde es ein Hit?

Nein, aber oft ist die Realität so bescheuert, dass ich sie im Text abmildern muss, damit es glaubwürdig bleibt.

Sie stehen selbst auf der Bühne: Ist es befreiender, Pointen selbst zu liefern – oder sie anderen in den Mund zu legen?

Ich mag beides. Aber Soloprogramme schreibe ich nicht mehr für andere, weil ich bei jedem guten Gag denke: Och, den könntest du eigentlich auch selbst bringen.

Ihr Humor ist oft fein, manchmal bitterböse: Wo verläuft für Sie die Grenze zwischen Satire und Zynismus?

Beim Zynismus fehlt die Liebe zu den Menschen, die man verarscht. Da ist für mich die Grenze. Ich liebe alle meine Figuren, auch die bösen.

Was darf Humor Ihrer Meinung nach nicht verlieren – selbst wenn sich die Zeiten ändern?

Liebe. Liebe ist der Kern unserer Existenz. Und wenn sie fehlt, ist es nicht mehr lustig. Das heißt aber nicht, dass man keine bösen Gags bringen darf. Gerade böser Witz zieht oft seine Kraft aus einer moralischen Empörung, die auf einer grundsätzlichen Menschenliebe beruht.

Wenn Ihr Leben eine Folge von Pastewka wäre: Wie würde der Episodentitel des Abends in Wenholthausen lauten?

Da bei „Pastewka“ immer alles schief geht, hoffe ich inständig, dass der Abend in Wenholthausen nicht „Pastewka“-tauglich wird …

Sie kommen in die Schützenhalle – haben Sie schon eine Pointe über Sauerländer vorbereitet oder entsteht die erst live?

Die Sauerländer dürfen sich darauf freuen, dass ich mich zwar über diverse andere Regionen Deutschlands lustig mache, aber tatsächlich nicht über das Sauerland. In Geilenkirchen hat sich der Veranstalter explizit bei mir bedankt, weil ich wohl der erste Comedian war, der keinen Gag mit dem Wort „geil“ gemacht hat.

Was müsste in Wenholthausen passieren, damit Sie auf der Heimfahrt durchs Sauerland denken: Genau dafür mache ich das?

Das, was zum Glück fast immer passiert: Dass hinterher Leute kommen und sagen, sie hätten schon sehr lange nicht mehr so gelacht.

Und vielleicht merkst du beim Lesen schon, wie sich dieser Humor anfühlt: klug, nah dran am Leben und genau zwischen Lachen und Nachdenken. Genau das erwartet dich auch live. Am 26. April in Wenholthausen kannst du Moritz Netenjakob genau so erleben – direkt, spontan und mit ganz viel Gespür für die kleinen, großen Momente. Wenn du dir diesen Abend nicht entgehen lassen willst, solltest du dir rechtzeitig Tickets sichern oder an der Abendkasse vorbeikommen… Denn eins ist ziemlich sicher: Mit einem breiten Grinsen nach Hause zu gehen, ist hier fast garantiert.

https://moritz-netenjakob.de/

Die Fotos wurden mit freundlicher Unterstützung von Moritz Netenjakob (Fotografen: Bettina Flittner, Britta Schüßling, Sebastian Blutau) zur Verfügung gestellt.

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