„KAFFEE HONESTO“ ÖFFNET SEINE TÜREN

ODER: FAIRER KAFFEE BEKOMMT EIN ZUHAUSE…

Wie riecht für dich ein guter Morgen? Vielleicht nach frischem Brot. Vielleicht nach Regen, wenn das Fenster noch offen steht. Oder – so geht es zumindest vielen von uns – nach einer frisch gebrühten Tasse Kaffee. Du hältst die warme Tasse in den Händen, atmest den Duft ein und der erste Schluck fühlt sich ein bisschen wie Ankommen an. Ganz selbstverständlich. Aber hast du dich schon einmal gefragt, welchen Weg dieser Kaffee eigentlich hinter sich hat? Wie viele Hände jede einzelne Bohne berührt haben? Wie viel Geduld, harte Arbeit und Leidenschaft nötig sind, bevor aus einer kleinen Kaffeekirsche genau der Kaffee wird, der heute Morgen auf deinem Tisch steht? Ich ehrlich gesagt viel zu selten… Genau das möchten Raffaele Iuliucci, Christian Heßmann und Roman Schauerte ändern. Mit ihrem neuen Laden „Kaffee Honesto“ in Schmallenberg wollen die drei Freunde nicht einfach nur Kaffee verkaufen. Sie möchten dir die Geschichte hinter jeder Bohne erzählen. Eine Geschichte über Menschen, über Fairness und darüber, warum guter Kaffee so viel mehr ist als ein schneller Wachmacher. Und genau deshalb beginnt diese Geschichte auch nicht im Sauerland:

Die Geschichte hinter jeder Bohne

Sie beginnt Tausende Kilometer entfernt. Zwischen grünen Berghängen, dichtem Nebel und Kaffeeplantagen in Guatemala. Doch bevor wir dorthin reisen, solltest du die drei Männer kennenlernen, die diese Geschichte überhaupt erst möglich gemacht haben. Raffaele ist dir wahrscheinlich als Inhaber des „Bacio“ bekannt. Dort lebt er seit Jahren seine Leidenschaft für guten Kaffee und ist auch über die Grenzen des Sauerlands hinaus als erfolgreicher Barista unterwegs. Christian wiederum röstet auf dem „Birkenhof“ seit inzwischen 15 Jahren Kaffee und kennt jede Bohne beinahe persönlich. Und Roman? Der arbeitet als Kameramann für Film und Fernsehen und erzählt Geschichten mit bewegten Bildern. Drei völlig unterschiedliche Lebenswege. Und doch verbindet sie dieselbe Leidenschaft. Richtig guter Kaffee…

Eigentlich fing alles mit einem Drehbuch an. Raffaele hatte eine Abenteuergeschichte geschrieben, die in der Welt des Kaffees spielt. Er schickte sie Roman mit der Bitte, einmal drüberzuschauen. Wenig später trafen sich die beiden zufällig beim Joggen. Manchmal sind es eben genau diese zufälligen Begegnungen, aus denen etwas richtig Großes entsteht. Raffa erzählte von seiner Idee, gemeinsam mit Christian nach Mittelamerika zu reisen, um mögliche Drehorte anzuschauen. Roman hörte zu, dachte einen Moment nach und sagte schließlich einen Satz, der alles veränderte: „Ich komme mit.“ Nicht für einen Spielfilm. Sondern für einen Dokumentarfilm. Für einen Film über die Menschen. Über ihre Arbeit. Über ihren Alltag. Und über den Ursprung unseres Kaffees.

Im Januar machten sich die drei schließlich auf den Weg nach Guatemala. Dort wurde aus einer Reise eine Erfahrung, die sie bis heute nicht loslässt. Natürlich wusste Raffaele schon vorher, wie aufwendig Kaffee angebaut wird. Schließlich beschäftigt er sich seit Jahren damit. Doch zwischen Wissen und Erleben liegen manchmal Welten…

Plötzlich standen sie mitten auf den Plantagen. Sie begegneten Familien, die mit unglaublicher Hingabe jede einzelne Kaffeekirsche von Hand pflücken. Menschen, die investieren, hoffen und hart arbeiten – und trotzdem oft kaum von ihrer Ernte leben können. Sie trafen Großgrundbesitzer ebenso wie Familien, die nicht wissen, was sie ihren Kindern am nächsten Tag zu essen geben sollen. Diese Gegensätze haben die drei tief bewegt. Und vielleicht verändern sie auch deinen Blick auf Kaffee. Denn Kaffee ist längst keine Selbstverständlichkeit mehr. Immer mehr Länder – besonders in Asien – entdecken hochwertigen Kaffee für sich und kaufen ganze Ernten auf. Gleichzeitig bringt der Klimawandel viele Kaffeeplantagen an ihre Grenzen. Die Erträge sinken, neue Sorten müssen gezüchtet werden, damit die Pflanzen überhaupt überleben können. Das dauert Jahre.

Für Raffaele, Christian und Roman stand nach ihrer Reise jedenfalls fest, dass fairer Handel mehr bedeutet als ein Siegel auf einer Verpackung. Es geht um Beziehungen. Um Vertrauen. Darum, Menschen nicht aus den Augen zu verlieren, obwohl Tausende Kilometer zwischen ihnen liegen. Genau das erleben sie beim „Projekt Lampocoy“, das sie begleiten. Dort entstehen echte Freundschaften. Es wird telefoniert, geschrieben, nachgefragt und immer wieder gemeinsam nach vorne geschaut. Nicht einfach Kaffee. Sondern ehrlicher Kaffee. Kaffee Honesto.

Roman hielt all diese Eindrücke mit seiner Kamera fest. Daraus entstand der Dokumentarfilm „Kaffeefahrt“. Falls du ihn noch nicht gesehen hast, gönn dir diese zwanzig Minuten. Wirklich. Ich verspreche dir: Danach wirst du deine nächste Tasse Kaffee mit anderen Augen betrachten.

Und jetzt lies unbedingt weiter. Denn der Film war eigentlich erst der Anfang. An einem Abend auf ihrer Reise saßen die drei noch zusammen. Auf dem Tisch stand nicht nur Kaffee, sondern auch guter Rum aus Guatemala. Es wurde gelacht, gescherzt und ein bisschen herumgesponnen. Kennst du diese Abende, an denen plötzlich Ideen entstehen, die sich erst völlig verrückt anhören? Genau so einer war das:

Wenn Kaffee Menschen verbindet

Eigentlich war es nur ein Gedanke. Oder vielleicht sogar nur ein Witz. Doch gemeinsame Abenteuer verändern Menschen. Die drei merkten schnell, wie gut sie sich ergänzen. Jeder brachte etwas anderes mit, aber gemeinsam ergab alles plötzlich Sinn. Und dann kam die Premiere ihres Films im „Kunsthaus Alte Mühle“. Der Saal war voll. Die Resonanz überwältigend. Die Menschen wollten mehr erfahren. Mehr über Kaffee. Mehr über die Menschen dahinter. Mehr über diese besondere Reise. Als dann kurze Zeit später das Ladenlokal direkt neben dem „Bacio“ frei wurde, war die Entscheidung fast schon gefallen. Aus einer Idee wurde ein Plan. Und aus einem Plan wird jetzt „Kaffee Honesto“.

Im neuen Laden findest du ausschließlich hochwertige, handgepflückte Kaffees aus internationalen Kaffeeprojekten. Christian bringt seine 15-jährige Erfahrung als Röster mit, Raffaele seine Expertise als Barista-Meister. Gemeinsam haben sie über viele Jahre ein Netzwerk aufgebaut, das den direkten Kontakt zu Produzenten in verschiedenen Ländern ermöglicht. Immer sieben Herkunftsländer sollen vertreten sein. Mal wartet Kaffee aus Ruanda auf dich, mal aus Papua-Neuguinea. Welche Sorten erhältlich sind, entscheidet letztlich auch die jeweilige Ernte.

Der Rohkaffee kommt über einen Importeur aus Hamburg direkt ins Sauerland. Weitere Zwischenhändler gibt es nicht. Auf dem „Birkenhof“ wird er geröstet, sorgfältig abgefüllt und landet schließlich in den Regalen von „Kaffee Honesto“. Dabei wurde mir beim Gespräch eine Zahl besonders bewusst: Schon der Rohkaffee kostet zwischen acht und zehn Euro pro Kilogramm. Hinzu kommen Röststeuer, das eigentliche Rösten, Verpackung, Transport und Mehrwertsteuer.

Seitdem schaue ich im Supermarkt irgendwie anders auf die Preisschilder. Denn wenn ein Kilo Kaffee dort zehn Euro kostet, frage ich mich automatisch: Wie soll das eigentlich funktionieren? Wenn du gesehen hast, wie viel Arbeit hinter jeder Bohne steckt, stellst du dir diese Frage wahrscheinlich auch. Ja, fair gehandelter Kaffee kostet etwas mehr. Aber vielleicht schmeckt er gerade deshalb noch ein kleines bisschen besser. Weil du weißt, was dahintersteckt.

Im Laden darfst du übrigens erst einmal entdecken. Probieren. Fragen stellen. Verschiedene Röstungen vergleichen. Ob hell oder dunkel geröstet, ob kräftig oder fruchtig – du findest gemeinsam mit den dreien den Kaffee, der zu dir passt. Du kannst dir sogar deinen ganz persönlichen Blend aus verschiedenen reinsortigen Kaffees zusammenstellen lassen. Oder erst einmal mit einer kleinen 250-Gramm-Packung starten.

Und wenn du noch tiefer eintauchen möchtest, bist du ebenfalls genau richtig. Raffaele bietet weiterhin Workshops und Beratungen an – etwa rund um Siebträgermaschinen oder die perfekte Zubereitung. Denn eines habe ich bei diesem Besuch gelernt: Kaffee ist keine Nebensache. Kaffee ist ein Handwerk. Und manchmal sogar eine Lebenseinstellung.

Am Donnerstag ab 14 Uhr öffnet „Kaffee Honesto“ seine Türen. Freu dich auf handgebrühten Kaffee, kleine Snacks, Musik und viele gute Gespräche. Vor allem aber auf drei Menschen, die dich mit ihrer Begeisterung wahrscheinlich genauso anstecken werden wie mich.

Und was ist eigentlich aus dem Drehbuch geworden? Und wird es nach dem Dokumentarfilm noch eine Fortsetzung geben? Ich weiß es nicht. Aber irgendwie habe ich das Gefühl, dass diese Geschichte gerade erst begonnen hat…

Kaffee Honesto, Raffaele Iuliucci, Christian Heßmann und Roman Schauerte, Schützenplatz 5, 57392 Schmallenberg

https://www.instagram.com/kaffeehonesto

Die Fotos aus Guatemala wurden mit freundlicher Unterstützung von Roman Schauerte zur Verfügung gestellt.

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