ÖKOLOGISCH ANGEBAUTE WEIHNACHTSBÄUME AUS DEM SORPETAL

ODER: WENN SCHON „ÖKO-LIFESTYLE“, DANN AUCH BITTE KONSEQUENT!

Bio-Gemüse, vegane Kosmetik, Öko-Klamotten und Steinzeit-Food – wohin der Trend geht, ist klar! Doch wer bitte hat dabei an den Weihnachtsbaum gedacht? Ich wette, die wenigsten… Dabei ist er doch unbestrittenes Zentrum unserer zum schönsten Fest des Jahres dekorierten Wohnzimmer. Und: da es ein Baum ist, hat er natürlichen Ursprung. Er soll durch sein immergrünes Nadelkleid Leben symbolisieren, logisch!

In den letzten Jahren setzte ein ungewöhnlicher Trend ein, nämlich, man setzt jedes Jahr die gleichen Plastikkränze mit lamettaähnlichen Nadeln übereinander und kann dabei sogar noch flexibel die Höhe gestalten… Passt irgendwie nicht ganz zum traditionellen (Weihnachts-)Baum.

Eine zweite Entwicklung, die beobachtet werden konnte: Der Weihnachtsbaum zum Dumping-Preis. Erstmals haben auch Discounter echte Bäume im Angebot gehabt. Und wie bei all ihren Produkten zählt vor allem eins: der Preis. Möglich gemacht hat das u.a. der Orkan Kyrill, der Anfang 2007 auch im Sauerland tobte. Zahlreiche Wälder wurden zerstört und die neu entstandenen Freiflächen von großen Betrieben für den Weihnachtsbaumanbau fit gemacht. Die zahlreichen damals gepflanzten Exemplare kommen nun allmählich an ihr Verfallsdatum: Da ein Baum in acht bis zehn Jahren seine ideale Länge erreicht und anschließend zu groß wird, mussten nun riesige Flächen abgeholzt und auf den Markt gebracht werden. Angebot steigt – Preis sinkt, auch logisch!

Da das alles der Grundidee von „Oh Tannenbaum“ nicht wirklich entgegen kommt, habe ich nach weiteren Weihnachtsbaumalternativen gesucht und bin fündig geworden: Ökologisch angebaute Nordmanntannen aus dem Sauerland!

Noch nie davon gehört? Ich vorher auch nicht! Daher habe ich mich auf den Weg ins Sorpetal zwischen Schmallenberg und Winterberg zur Familie Spiekermann gemacht, um der Sache näher auf den Grund zu gehen…

Herr Spiekermann, Ihre Weihnachtsbäume stammen aus „ökologischem Anbau“. Was genau kann ich mir darunter vorstellen?

Wir arbeiten komplett ohne Herbizide und Insektizide. Deren Aufgabe, nämlich das Gras und Unkraut kurz und die Bäume so frei von Insekten zu halten, übernehmen unsere sieben Shropshire-Schafe. Eigentlich eine perfekte Zusammenarbeit, aber nicht immer ganz störungsfrei: Ich hatte auch schon mal eine Herde, die auch die Bäume angefressen hat. Das ist ja nun nicht Sinn der Sache! Deswegen habe ich die Tiere weitergegeben und mir neue angeschafft. Seitdem läuft alles optimal.

Wie genau unterscheiden sich Ihre Bäume von den handelsüblichen? Kann der Laie den Unterschied am Verkaufsstand erkennen?

Mit dem bloßen Auge ist der Unterschied auch für den Fachmann nicht erkennbar. Dafür müssen Proben entnommen und untersucht werden. Der Kunde kann sich beim Verkäufer über die Art und Weise des Anbaus erkundigen oder gezielt entsprechende Betriebe und Verkaufsstände aufsuchen.

 Für mich ist die Idee des „Bio-Weihnachtsbaums“ völlig neu. Wie sind Sie dazu gekommen?

In den ersten Jahren habe ich meine Bäume auch gespritzt. Nicht nur schädlich für Mensch und Umwelt, sondern auch teuer und aufwendig: Man muss regelmäßig eine Art Führerschein dafür machen. Als ich dann eines Tages mit Atemmaske durch meine Sauerländer Wälder ging, stellte ich fest, dass das nicht der richtige Weg sein konnte. Also habe ich mich informiert und das Ganze ausprobiert.

Sind Sie eher ein „Einzelkämpfer“ oder gibt es bereits viele Höfe, die nach diesem Prinzip arbeiten?

Es gibt durchaus einige Betriebe, die genauso arbeiten – auch in der Umgebung. Für die großen Baumlieferanten, die auf Masse setzen, lohnt sich diese Arbeitsweise aber kaum. Neben den üblichen Beschneidungen, die für ein ideales Wachstum sorgen und ab dem dritten Jahr anfallen, mähen wir unser Gelände zwei Mal jährlich – die Schafe schaffen dann doch nicht alles allein… So habe ich jedem Baum bis zur Abholzung vierzig Mal „die Hand gegeben“. Wenn man das wie ich als Hobby betreibt, muss man schon eine echte Leidenschaft dafür haben!

In diesen Tagen werden alle Bäume, egal welcher Herkunft, ungeschmückt, fast lieblos, an die Straße gelegt, damit sie (dankenswerterweise) für die Osterfeuer eingesammelt werden. Trotzdem schade um sie, wenn man bedenkt, wie viel Arbeit in ihnen steckt!

Nichtsdestotrotz, nach dem Fest ist vor dem Fest… Für das nächste wünsche ich mir, dass mehr „gesunde“ Bäume in den Wohnungen stehen. Derzeit sind es wohl nur ein Prozent der rund 28 Millionen in Deutschland verkauften Exemplare, doch die Zahl  der Verkaufsstellen steigt. Ein Versuch ist es wert, kosten die Bäume der Familie Spiekermann doch kaum mehr als die handelsüblichen.

Wem dieser kurze Einstieg in die weihnachtliche Forstwirtschaft nicht genügt, der ist herzlich zu einem Urlaub in der Ferienwohnung oder der Pension der Familie Spiekermann eingeladen!

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Familie Spiekermann, Mittelsorpe 9, 57392 Schmallenberg                                                            http://www.spiekermann-mittelsorpe.de

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