SERIE „MATERIAL“: BETON MAL GANZ ANDERS…

ODER: WIE LEBENSECHTE BETONFIGUREN ENTSTEHEN

Als ich am Atelier in Arnsberg ankam, staunte ich nicht schlecht, als ich sah, dass zwei Männer eine lebensgroße Betonfigur auf einen Anhänger luden. Ich war schließlich mit Arno Mester verabredet, nicht mit Popeye nach einer großen Portion Spinat.

Arno Mester hat einen Beruf erlernt, den es heute gar nicht mehr so gibt: Schaufensterdekorateur. Ein Team von zwanzig Leuten hat sich in einem einzigen Kaufhaus um die ansprechende Präsentation der Waren und die Gestaltung der Schaufenster gekümmert. Kaum vorstellbar, wie schön das Ganze ausgesehen haben muss!

Nachdem Herr Mester mit den unterschiedlichsten Materialien gearbeitet hatte, kam er über den Umweg „Pappmaché“ vor zwanzig Jahren zum Beton. Er experimentierte – angefangen beim „Baustellenmörtel“ – mit verschiedenen Zusammensetzungen des Materials, bis er schließlich fündig wurde: Ein Spezialbeton, der aufgrund der Beimischung von Quarzsand viel feiner ist und eigentlich von Stuckateuren verwendet wird. Ich muss wohl nicht näher ausführen, dass Beton aufgrund seiner natürlichen Beschaffenheiten wetterbeständig und stabil ist… Und schwer!

Warum konnte nun Herr Mester die Figur, die aus massivem Beton wohl mehrere hundert Kilo wiegen müsste, so leicht transportieren? Das wird durch das Geheimnis ihrer Entstehung klar:

Betonkunst für Profis

Schritt 1: Aus Pappe wird ein Entwurf des Körpers in Lebensgröße gefertigt. Dazu muss schon die spätere Haltung und Gestik bedacht werden.

Schritt 2:  Durch die Übertragung des Entwurfs auf Styropor gewinnt die Figur erste Gestalt.

Schritt 3: Vom Gesicht, den Händen und weiteren charakteristischen Merkmalen der abzubildenden Person wird ein Gipsabdruck gefertigt und anschließend mit Beton ausgegossen.

Schritt 4: Der Styroporkörper wird mit Maschendraht ummantelt. So kann beispielsweise auch schon der Faltenwurf der Kleidung festgelegt werden.

Schritt 5: Beton wird angerührt und zunächst in Verbindung mit Glasfasern aufgetragen, damit er nicht durch die Maschen tropft und eine stabile Schicht entsteht.

Schritt 6: Eine feine Betonschicht wird aufgetragen, um eine gleichmäßige Oberfläche zu erreichen. Beide Betonschichten sind jetzt etwa zwei Zentimeter dick. Dafür wurden insgesamt ca. 60 Kilo Beton verarbeitet. Kleine Verschönerungsarbeiten können aufgrund der Flexibilität des Materials auch noch am Folgetag vorgenommen werden

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So sieht die fertige Figur aus. Diese hier ist übrigens eine ganz besondere, wird sie doch im kommenden Jahr mit sechs anderen auf dem Grund des Sundhäuser Sees in Thüringen versenkt. Diese Betonfigurengruppe soll die dort bestehende Unterwasserstadt „Nordhusia“ ergänzen und ein weiteres Taucherlebnis schaffen. Ideengeber dazu ist der Künstler Jason DeCaires Taylor, der vor Lanzarote einen Unterwasser-Skulpturenpark geschaffen hat.

Betonkunst für Anfänger und Fortgeschrittene

Zwei gute Nachrichten: 1.) Jeder kann die Gestaltung mit Beton erlernen. 2.) Arno Mester gibt sein Wissen und Können weiter.

Regelmäßig finden Workshops in seinem Atelier ins Arnsberg statt. Zu verschiedenen Themen gestalten die Teilnehmer ihr eigenes Exponat und können trotz aller Hilfestellungen ihrer persönlichen Kreativität freien Lauf lassen.

Um auch auswärtigen Interessierten die Teilnahme ermöglichen zu können, finden die Workshops meist am Block (Freitagnachmittag/Samstag) statt.

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Betonkunst für uns alle

Auch auf diversen Bastelseiten scheint Beton ein beliebtes Material geworden zu sein.

Für die simpelste Variante der Betonkunst benötigt man Fruchtzwergbecher (die großen!), Bastelbeton und auf das Vorhaben abgestimmtes Dekorationsmaterial (Holzkugeln, Federn etc.). Einfach die Masse anrühren, im Becher trocknen lassen und mit Deko gestalten. Was hier noch ein Engel ist, kann bestimmt bald schon ein Clown oder Osterhase sein. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt 😉

 

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Arno Mester, Damberg 4, 59823 Arnsberg

http://www.arno-mester-betonskulpturen.de

 

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