ODER: WENN DAS LEBEN DIE BESTEN GESCHICHTEN SCHREIBT…
Im Sauerland wird ja bekanntlich nicht lange um den heißen Brei geredet. Hier ist ein Schützenfest noch ein Schützenfest, ein ordentliches Bier ein ordentliches Bier und wenn einer einen guten Spruch raushaut, dann darf auch mal herzhaft gelacht werden. Schließlich muss man nicht immer alles so bierernst nehmen. Schon gar nicht sich selbst! Und genau da wird es interessant. Denn manchmal reicht ein ganz gewöhnlicher Moment aus dem Alltag, um daraus eine ziemlich komische Geschichte zu machen. Du musst nur genau hinschauen, ein bisschen um die Ecke denken und den Mut haben, das Ganze vor wildfremden Menschen zu erzählen. Sophie Henrie aus Menden macht genau das. Die Comedienne bringt mit ihrem Humor frischen Wind auf die Bühne und zeigt, dass man für gute Unterhaltung nicht unbedingt in die große Stadt fahren muss. Manchmal kommt sie nämlich direkt aus dem Sauerland:
Hier bekommt mich nichts mehr weg!
Sophia, du kommst ursprünglich gar nicht aus dem Sauerland. Was hat dich bewogen, ins schönste Fleckchen Deutschlands zu ziehen?
Ich bin tatsächlich fürs Studium ins Sauerland gekommen und habe nach ein paar Jahren gedacht: Nee, hier will ich nicht mehr weg! Mir gefällt es hier so gut, ich habe viele Freundschaften geschlossen, habe ein Pferd und einen Hund und wohne gerne ländlich. Inzwischen bin ich sehr mit der Region verbunden. Hier fühle ich mich zugehörig und hier bekommt mich auch nichts mehr weg!

Du bist erst relativ spät mit Comedy gestartet. Erinnerst du dich noch an den Moment, in dem du zum ersten Mal gedacht hast, dass du dich jetzt wirklich auf eine Bühne stellen und versuchen möchtest, fremde Menschen zum Lachen zu bringen?
Es gab nicht diesen einen Moment, sondern ich habe das gefühlt schon immer in mir gehabt. Schon in der Schulzeit dachte ich, dass ich das irgendwann einmal ausprobieren möchte. Als dann auch noch andere sagten, dass ich das unbedingt mal auf der Bühne erzählen müsste, war der Plan geboren. Allerdings musste ich erst 30 Jahre alt werden, um mich wirklich bereit dafür zu fühlen, auf eine Bühne zu gehen. Ich habe dann zunächst ein paar Freunden davon erzählt, damit es für mich noch realer wird. Schließlich habe ich zusammen mit dem Comedian Hannes Höfer den Entschluss gefasst, dass wir das gemeinsam machen und zusammen zum ersten Mal auf die Bühne gehen.

Viele Menschen sind im Freundeskreis wahnsinnig lustig. Vor einem Raum voller Fremder sieht die Sache plötzlich ganz anders aus. Was war für dich am Anfang schwieriger – überhaupt auf die Bühne zu gehen oder herauszufinden, was dort wirklich funktioniert?
Auf die Bühne zu gehen, war nach der Entscheidung dazu tatsächlich nicht schwierig. Allerdings musste ich etwas anderes für mich herausfinden: Am Anfang dachte ich, dass gute Texte ausreichen. Inzwischen weiß ich, dass gute Texte zwar ein guter roter Faden für mich selbst sind, aber eben nicht alles. Viel wichtiger ist die Persönlichkeit, die man auf die Bühne bringt. Es geht darum, sich selbst zu zeigen und zu öffnen. Je mehr ich das mache, desto mehr erreiche ich auch das Publikum.
Du machst das Sauerland immer wieder zum Thema. Wie viel Comedy steckt für dich ganz automatisch in der Region und in den Menschen, die hier leben?
Hier steckt an jeder Ecke ganz viel Comedy. Das Sauerland und die Menschen hier sind ja schon ziemlich besonders, und das im besten Sinne! Das Leben auf dem Dorf oder in einer Kleinstadt bringt unglaublich viel Charme mit sich. Und darin steckt eben auch jede Menge Komik, immer mit einem Augenzwinkern.

Gibt es typische Sauerländer Eigenheiten, bei denen du inzwischen sofort denkst, dass daraus eigentlich eine Nummer werden könnte?
Da brauche ich gar nicht weit zu schauen, das fängt direkt in meiner Nachbarschaft an. Ich wohne in einem Haus, in dem auch ältere Menschen leben, und da passieren eigentlich jeden Tag komische Sachen. Zum Beispiel werden die Wäscheleinen auf die verschiedenen Wohnungen aufgeteilt, obwohl sie alle gleich aussehen. Da denke ich manchmal schon, dass genau das der Kern einer Geschichte sein könnte.

Wenn du über deine Nachbarn, Dating oder persönliche Erlebnisse sprichst, kennen dich hier natürlich auch viele Menschen persönlich. Überlegst du manchmal zweimal, ob eine Geschichte wirklich auf die Bühne darf?
Nee, eigentlich nicht. Ich glaube schon, dass ich das richtige Gespür dafür habe, niemanden bloßzustellen. Es ist ja immer nur der Kern einer Geschichte, der etwas Wahres enthält. Drumherum konstruiere ich dann noch einiges, sodass ich bisher auch noch niemandem persönlich auf die Füße getreten bin. Und meine Comedy ist auch wirklich nichts, was andere kleinmacht oder lächerlich dastehen lässt!

Wie viel von der Sophia auf der Bühne ist tatsächlich die Sophia, die Freunde und Familie kennen – und an welcher Stelle beginnt die Kunstfigur?
Da steckt schon sehr viel von der privaten Sophia drin. Allerdings bin ich privat doch etwas zurückhaltender, schüchterner und manchmal auch introvertierter. Umso schöner ist es für mich, dass ich auf der Bühne auch mal die Sau rauslassen kann. Privat muss ich nicht unbedingt im Mittelpunkt des Raumes oder eines Gesprächs stehen. Auf der Bühne bin ich das dann aber ganz gerne…

Du warst bei „NightWash“ und Atze Schröders „Meisterklasse“ auf der Bühne. Das sind für viele Nachwuchs-Comedians ziemlich große Adressen. Wie hast du jeweils den Moment erlebt, als klar war, dass du dort auftreten wirst?
Man stellt sich vorher immer vor, dass irgendwann diese eine Nachricht kommt, die einen Auftritt ankündigt, der alles für einen verändert. Irgendwann merkt man aber, dass es gar nicht dieser eine Auftritt ist, der einen verändert, sondern die Mischung aus ganz vielen Auftritten. Natürlich habe ich mich gefreut, dabei sein zu dürfen und den nächsten Schritt zu gehen. Aber ich freue mich eben auch immer auf die kleinen Shows.
Was passiert kurz vor so einem Auftritt hinter der Bühne? Bist du dann konzentriert und möchtest deine Ruhe haben oder hilft dir gerade der Austausch mit den anderen Comedians gegen die Nervosität?
Ich war tatsächlich noch nie nervös oder aufgeregt vor einem Auftritt. Zum Glück! Meistens quatscht man mit den anderen Comedians und blödelt ein bisschen herum. Mein Ritual ist es, ein paar Minuten vor dem Auftritt immer ein wenig auf und ab zu laufen. Das sieht vielleicht so aus, als wäre ich nervös, aber eigentlich mache ich das, um mich wach zu machen und meinem Körper zu signalisieren, dass wir gleich auf die Bühne gehen und dafür volle Energie brauchen.

Hat sich dein Humor verändert, seit du professionell auf Bühnen unterwegs bist? Kannst du privat überhaupt noch einfach einen Witz machen oder läuft im Hinterkopf sofort die Prüfung mit, ob er auch vor Publikum funktionieren könnte?
Privat denke ich gar nicht darüber nach, wenn ich Witze mache, weil es da ja auch einfach so viel Situationskomik gibt. Was sich ein bisschen verändert hat, ist, dass mein Umfeld inzwischen oft meint, ich müsste etwas unbedingt auf der Bühne erzählen, wenn es besonders lustig war. Und dann mache ich mir manchmal tatsächlich Notizen dazu.

Angenommen, du dürftest dir für einen Abend drei bekannte Comedians aussuchen und mit ihnen gemeinsam eine Show im Sauerland spielen – wen würdest du einladen?
Auf jeden Fall Hannes Höfer! Er ist nicht nur mein Podcast-Partner und ein echt guter Freund, sondern ich schätze ihn auch als Comedian sehr. Und dann würde ich gerne noch zwei Frauen mitnehmen, weil die Branche doch schon sehr männerdominiert ist. Da wäre zum einen Lauje Klein, eine Nachwuchs-Comedian, die ich total sympathisch und richtig lustig finde, und dann noch Carolin Kebekus.
Apropos Podcast: „Irgendwo im Nirgendwo“ kann man ja auf den bekannten Streaming-Plattformen hören und inzwischen sind schon 85 Folgen zusammengekommen. Worum genau geht es dabei?
Wir haben den Podcast gestartet, um die Leute auf unserer Reise ein bisschen mitzunehmen – von absoluten Newcomern zu hoffentlich irgendwann ganz großen Stars! [lacht] Wir geben also Einblicke in die Comedy-Szene und erzählen, wie sich unser Leben dadurch verändert, dass wir auf die Bühne gehen. Das läuft jetzt seit anderthalb Jahren und seitdem ist einiges passiert.
Wenn du fünf Jahre vorspulst: Wo möchtest du mit deiner Comedy dann stehen – eigenes Programm, große Tour, Fernsehen oder am liebsten von allem ein bisschen?
Mein ganz großer Wunsch ist es, ein Soloprogramm zu haben und damit irgendwann auf Tour zu gehen. Dass die Leute wirklich Tickets nur für mich gekauft haben – in dieses Gefühl kann ich mich noch gar nicht so richtig hineindenken. Aber genau das ist mein Traum. Ich kann mir natürlich auch Fernsehen vorstellen, aber ganz oben steht für mich das Liveprogramm auf der Bühne.

Du möchtest Sophie Henrie selbst einmal live erleben? Dann hör doch mal in ihren Podcast „Irgendwo im Nirgendwo“ rein oder schau auf ihrem Instagram-Kanal vorbei. Dort erfährst du auch, wann und wo sie das nächste Mal auf der Bühne steht…
