ODER: MANCHMAL IST NICHT DIE REISE DAS SCHÖNSTE ZIEL…
Ein Zug rollt langsam in den Bahnhof ein. Türen öffnen sich, Koffer klackern über den Bahnsteig, kurz darauf ertönt das Signal zur Abfahrt. Wenige Augenblicke später setzt sich der Zug wieder in Bewegung und verschwindet zwischen den grünen Hügeln des Lennetals. Du schaust ihm noch einen Moment hinterher, nimmst einen Schluck Kaffee oder genießt den ersten Bissen deines Essens. Denn du sitzt nicht auf dem Bahnsteig, sondern an einem ganz besonderen Platz… Im ehemaligen Bahnhofsgebäude von Grevenbrück ist aus einem Ort des Ankommens und Weiterreisens ein Ort zum Genießen geworden. Der „EssBahnhof“ verbindet leckeres Essen mit einer Atmosphäre, die du so nur selten findest. Während draußen Züge kommen und gehen, nimmst du drinnen ganz bewusst das Tempo heraus. Eva und Michael Knoche haben einen Ort geschaffen, der den Charme des historischen Bahnhofs bewahrt und ihn mit gutem Essen, stilvollem Ambiente und dem wohl schönsten Blick auf die Gleise verbindet:
Ein Ort, an dem nicht nur Züge ankommen
Wenn du heute durch das historische Bahnhofsgebäude gehst, merkst du schnell, dass hier längst nicht mehr nur Reisende auf den nächsten Zug warten. Wo früher Fahrkarten gekauft wurden und der Blick ungeduldig zur Anzeigetafel wanderte, ist heute ein Ort entstanden, an dem du gerne etwas länger bleibst. Der „EssBahnhof“, der „KulturBahnhof“ und der „MuseumsBahnhof“ teilen sich das historische Gebäude und machen aus dem ehemaligen Bahnhof einen Treffpunkt für Genießer, Kulturfreunde und Neugierige. Auf drei Etagen ist Leben eingezogen – nur eben auf eine andere Art als noch vor hundert Jahren.

Und sogar der schönste Tag im Leben kann hier seinen Anfang nehmen. Im Bahnhofsgebäude befindet sich ein liebevoll eingerichtetes Trauzimmer als Außenstelle des Standesamtes. Vielleicht gibst du dir hier eines Tages selbst das Ja-Wort. Und das Beste daran? Zur Feier musst du nicht einmal weit laufen. Familie und Freunde warten schon ein paar Schritte weiter im „EssBahnhof“.




Dabei hat das Gebäude selbst schon eine beeindruckende Reise hinter sich. Bereits 1862 wurde der Bahnhof im sogenannten Tudorstil erbaut. Das kleine Uhrentürmchen erinnert noch heute an seine Anfänge. Im Laufe der Jahrzehnte wurde das Gebäude immer wieder erweitert. Wenn du genauer hinschaust, kannst du an den unterschiedlichen Baumaterialien sogar erkennen, aus welcher Zeit die einzelnen Gebäudeteile stammen. Seit 1991 steht der Bahnhof unter Denkmalschutz. Zwischen 2007 und 2013 wurde er aufwendig kernsaniert und erhielt eine völlig neue Aufgabe. Heute ist der barrierefreie „KulturBahnhof“ aus Grevenbrück längst nicht mehr aus dem kulturellen Leben Lennestadts wegzudenken.

Auch Eva und Michael Knoche sind hier nicht zufällig gelandet. Michael lernte zunächst das Metzgerhandwerk, bevor er Koch wurde. Gemeinsam führten die beiden sieben Jahre lang die Gastronomie an der Stadthalle Attendorn. Als der damalige Betreiber Rolf Schauerte den „EssBahnhof“ aufgab, stiegen Eva und Michael ein und bewarben sich bei der Stadt Lennestadt. Mit Erfolg. Im März 2019 hielt ihr persönlicher Zug schließlich in Grevenbrück.

Ganz ausgestiegen sind sie damals allerdings noch nicht. Eine Zeit lang fuhren sie gewissermaßen zweigleisig. Während im „EssBahnhof“ bereits die ersten Gäste Platz nahmen, waren sie über den Karneval 2020 weiterhin in Attendorn im Einsatz. Die Verbundenheit zu den Attendorner Karnevalsgesellschaften war einfach zu groß, um sie mitten in der Session im Stich zu lassen. Erst danach hieß es endgültig: Volle Fahrt voraus für Grevenbrück.

Im „EssBahnhof“ selbst mussten gar nicht viele Weichen neu gestellt werden. Das Restaurant bestand zu diesem Zeitpunkt erst seit fünf Jahren. Trotzdem brachten Eva und Michael ihre eigene Handschrift ein. Die Bühne im Bistro verschwand, denn der Schwerpunkt sollte sich verändern. Während der Vorgänger den Bahnhof eher als Musikkneipe nutzte, rückte nun das Restaurant in den Mittelpunkt.

Der „KulturBahnhof“ blieb dabei selbstverständlich auf Kurs. Unter der Regie der Stadt Lennestadt – vertreten durch Martin Steinberg – finden hier regelmäßig Konzerte, Lesungen, Vorträge und viele weitere Veranstaltungen statt. Immer in enger Abstimmung mit Eva und Michael, denn schließlich teilen sich Kultur und Gastronomie dieses besondere Gebäude.





Und wenn du schon einmal da bist, solltest du dir auch den „MuseumsBahnhof“ nicht entgehen lassen. Die aktuelle Ausstellung „Fahrt Richtung Zukunft“ passt wohl an kaum einen anderen Ort besser. Im Dachgeschoss begibst du dich auf eine Reise durch die Geschichte der Ruhr-Sieg-Strecke und erfährst gleichzeitig, welche Herausforderungen den öffentlichen Nahverkehr heute und morgen beschäftigen.
Hier fährt Qualität mit
Kaum hast du deinen Platz gefunden, schweift dein Blick immer wieder nach draußen. Ein Regionalexpress rollt ein, Menschen steigen aus, andere fahren weiter. Kurz schließen sich die Türen, der Zug setzt sich langsam wieder in Bewegung. Drinnen dagegen fühlt sich alles ein bisschen entschleunigter an. Du lehnst dich zurück, stößt mit deinem Gegenüber an und wartest auf das Essen. Genau dieser Kontrast macht den „EssBahnhof“ so besonders. Draußen herrscht ständig Bewegung – drinnen darfst du einfach ankommen.

Dabei findest du garantiert den passenden Platz. Zwei gemütliche Gasträume laden zum Essen ein, im Bistro mit Hochtischen und Barhockern geht es etwas lockerer zu. Ganz gleich, wo du sitzt – die Gleise hast du fast immer im Blick. Manchmal erwischst du dich dabei, wie du einem vorbeifahrenden Zug noch einen Moment hinterherschaust, bevor dein Teller serviert wird.

Hinter den Kulissen läuft derweil ein ganz anderer Fahrplan. Wie viele gastronomische Betriebe kämpfen auch Eva und Michael mit dem Fachkräftemangel. Aktuell sucht der „EssBahnhof“ händeringend einen Koch. Deshalb steht Michael meistens allein am Herd. Viel Zeit zum Durchatmen bleibt da nicht. Trotzdem kommt für ihn eines nicht infrage: Den einfachen Weg zu nehmen! Fast alles entsteht hier in echter Handarbeit. Das Toastbrot, die Burgerbuns und das Hausbrot werden selbst gebacken. Auch die Saucen rührt niemand aus der Tüte an. Selbst Nudeln und Kroketten entstehen in der eigenen Küche.

Vielleicht wartest du dadurch ein paar Minuten länger auf dein Essen. Aber ganz ehrlich – während draußen ohnehin der nächste Zug in den Bahnhof einfährt und kurz darauf wieder verschwindet, fällt das kaum ins Gewicht. Qualität braucht eben ihre Zeit. Und genau die nimmt sich Michael ganz bewusst. Er möchte nicht, dass du einfach nur satt nach Hause gehst. Er möchte, dass du wiederkommst.


Ein echtes Highlight wartet übrigens mitten in der Küche. Dort steht ein großer Kamado-Grill, der mit argentinischer Holzkohle befeuert wird. Anders als ein gewöhnlicher Grill speichert er die Hitze über viele Stunden. Dadurch können den ganzen Abend immer wieder frische Steaks aufgelegt werden. Schon wenn sich die Küchentür öffnet, zieht dieser unverwechselbare Grillduft durchs Restaurant.

Dass Eva und Michael mit ihrem Konzept auf der richtigen Spur unterwegs sind, zeigt sich längst nicht mehr nur in Grevenbrück. Erst kürzlich gewann der „EssBahnhof“ die aktuelle Staffel von „Mein Lokal, Dein Lokal“. Gleichzeitig sind viele Abende inzwischen komplett ausgebucht. Wenn du also einmal selbst mit Blick auf die Gleise essen möchtest, solltest du besser rechtzeitig reservieren.

Der nächste Zug fährt ein. Menschen steigen aus. Andere steigen ein. Kurz darauf wird es wieder ruhiger. Du nimmst noch einen Schluck von deinem Getränk, gönnst dir vielleicht doch noch ein Dessert und schaust dem Zug hinterher, bis er langsam hinter der nächsten Kurve verschwindet. Und genau in diesem Moment merkst du, dass manche Bahnhöfe gar nicht dafür gemacht sind, möglichst schnell wieder weiterzufahren. Sondern dafür, einfach noch ein bisschen zu bleiben…


EssBahnhof, Eva und Michael Knoche, Bahnhofsplatz 10, 57368 Lennestadt-Grevenbrück
https://www.essbahnhof-lennestadt.de/
https://www.instagram.com/essbahnhof.lennestadt
