ODER: SCHLOSS WOCKLUM WIRD WIEDER ZUR BÜHNE DES REITSPORTS…
Vielleicht gehörst du zu den Menschen, die jedes Jahr zum „Longines Balve Optimum“ fahren. Vielleicht hast du aber auch schon oft davon gehört und dir vorgenommen: Da muss ich irgendwann mal hin. Denn selbst wenn du mit Pferdesport eigentlich wenig zu tun hast, spürst du schnell, dass rund um Schloss Wocklum etwas Besonderes entsteht. Zwischen Hufgetrappel, Turnierspannung und den alten Gemäuern liegt eine Atmosphäre, die du nur schwer beschreiben kannst, aber sofort fühlst… Für die meisten Besucher ist Schloss Wocklum die beeindruckende Kulisse eines großen Reitsportevents mit den Deutschen Meisterschaften im Dressur-, Para-Dressur und Springreiten – zugleich das größte Sportevent Südwestfalens. Für Rosalie von Landsberg-Velen ist es der Ort, an dem sie aufgewachsen ist. Heute steht sie an der Spitze eines Turniers, das weit über das Sauerland hinaus bekannt ist:
Das Turnier steckt in meiner DNA
Frau von Landsberg-Velen, Schloss Wocklum ist für viele ein beeindruckender Ort – für Sie war es Ihr Zuhause. Wie erinnern Sie sich an Ihre Kindheit dort?
Es war eine wunderbare Kindheit, ein Paradies – fernab von allen Prunkvorstellungen. Wir gingen morgens raus und waren den ganzen Tag draußen unterwegs, bevor wir abends wieder nach Hause kamen. Wenn ich heute daran zurückdenke, sehe ich vor allem unzählige Stunden in der Natur. Dieses Gefühl von Freiheit und Naturverbundenheit ist die wichtigste Erinnerung, die ich an meine Kindheit auf Schloss Wocklum habe.

Der Adel ist für viele Menschen bis heute mit vielen Klischees verbunden. Welche davon bringen Sie manchmal zum Schmunzeln – und welche nerven Sie eher?
Tradition verpflichtet – und ich finde, das ist etwas Gutes. Wir sind mit vielen Werten aufgewachsen, in einem sicherlich recht eng gesteckten Rahmen. Gleichzeitig gibt einem dieser Rahmen aber auch Halt und Orientierung. Er kann helfen, resilient zu werden, authentisch zu bleiben und immer wieder zu sich selbst zurückzufinden. So habe ich es zumindest erlebt und dafür bin ich sehr dankbar. Schmunzeln muss ich oft über die Vorstellung, dass Adelige heute noch mit Bediensteten leben wie im 18. Jahrhundert. Viele stellen sich auch vor, dass wir vier Schwestern auf Schloss Wocklum mit rotem Teppich, Krone und Purpurmantel aufgewachsen sind – so, wie man es aus Märchen oder historischen Filmen kennt. Die Realität sah natürlich ganz anders aus.

Ihr Neffe Jakob von Landsberg-Velen führt die Geschichte von Schloss Wocklum heute weiter und öffnet es für besondere Veranstaltungen und Trauungen. Wie schön ist es für Sie zu sehen, dass das Schloss weiterhin mit Leben gefüllt wird?
Das freut mich sehr. Natürlich ist es eine andere Generation und auch ein anderer Stil. Gleichzeitig haben wir Schloss Wocklum schon zu meiner Zeit geöffnet. In den vergangenen 35 Jahren habe ich selbst Hochzeiten und Veranstaltungen organisiert, die „Landpartie“ ins Leben gerufen und Poloturniere veranstaltet. Jakob führt nun fort, was wir damals begonnen haben, und entwickelt es auf seine eigene Weise weiter. Das zu sehen, freut mich sehr.

1948 veranstalte Ihr Vater erstmals das „Balve Optimum“ – damals noch unter anderem Namen – und leitete es bis 2007. Was sind Ihre ersten Erinnerungen an das Turnier?
Wir haben als Kinder die Bretter für die Zuschauertribünen hinausgetragen, Müll eingesammelt – was wir übrigens heute noch machen –, durften mit unserem Schleifenpony in die Siegerehrung und sammelten Autogramme von Reitsportgrößen wie Hans Günter Winkler oder Paul und Alwin Schockemöhle auf unseren Armen. Danach wurde tagelang nicht geduscht, damit die Unterschriften bloß nicht verschwanden… Wir haben wirklich alles mitgemacht. Ich bin mit diesem Turnier aufgewachsen, hineingewachsen und kenne es von der Pike auf. Es steckt gewissermaßen in meiner DNA. Und genau so führe ich es heute weiter. Nach wie vor gehören ganz praktische Dinge dazu – vom Müllsammeln über das Verteilen von Plakaten bis hin zu großen Themen wie Sponsoring, der Optimierung der Bedingungen für Reiter und Pferde oder der Entwicklung neuer Projekte. Denn die Veranstaltung hat sich in den vergangenen zwanzig Jahren enorm weiterentwickelt.

Sie sind als Turnierorganisatorin und Veranstalterin in die Fußstapfen Ihres Vaters getreten. War dies für Sie selbstverständlich oder gab es Momente des Zögerns und Zweifelns?
Natürlich gab es Momente des Zögerns und Zweifelns, denn es waren große Fußstapfen, in die ich treten sollte. Allerdings hatte ich das Turnier bereits viele Jahre an der Seite meines Vaters begleitet und wusste daher recht genau, was auf mich zukommen würde. Schon zu seinen Lebzeiten hatte ich viele Fäden in der Hand, war für das Sponsoring verantwortlich und übernahm Teile der Organisation. Nach außen war dennoch meist er das Gesicht der Veranstaltung, etwa bei Pressekonferenzen. Irgendwie war es schon fast ein Running Gag, dass er am Ende sagte: „Jetzt übergebe ich an meine Tochter, die stellt noch das Kinderprogramm vor.“ Das war für mich völlig in Ordnung. Wir waren ein gutes Team, auch wenn wir natürlich nicht immer einer Meinung waren. Für ihn war es manchmal schwierig, meine Ansichten zu akzeptieren – vielleicht auch, weil sie von seiner Tochter kamen. Deshalb habe ich meine Ideen gelegentlich über Dritte eingebracht, damit sie besser gehört wurden. Als mein Vater nicht mehr da war, musste sich das gesamte Team neu sortieren. Diese Phase war zwei oder drei Jahre lang nicht ganz einfach. Aber wir haben sie gemeistert – und wie man heute sieht, sehr erfolgreich.

Das „Longines Balve Optimum“ verbindet Tradition mit internationalem Spitzensport. Was macht dieses Turnier Ihrer Meinung nach so besonders, dass jährlich über 25.000 Zuschauer ans Schloss Wocklum kommen?
Ich glaube, es ist genau diese Verbindung von Herkunft und Zukunft. Tradition spielt bei uns eine große Rolle. Gleichzeitig haben wir in den vergangenen Jahren in vielen Bereichen Neues geschaffen und das Turnier kontinuierlich weiterentwickelt, ohne dabei unseren Charakter zu verlieren. Besonders ist vor allem die Atmosphäre. Die beiden Stadien liegen nah beieinander, die gesamte Anlage ist sehr kompakt und die Wege sind kurz. Zuschauer können die Reiter hautnah erleben, sich frei bewegen, die Abreiteplätze besuchen und sogar mit den Sportlern ins Gespräch kommen. Diese Nähe schafft eine familiäre Atmosphäre, die mir persönlich sehr wichtig ist. Ich kenne kaum eine andere Veranstaltung, die diese Offenheit und Nahbarkeit so konsequent lebt. Das gilt übrigens auch für unsere Partner und Sponsoren. Mir ist wichtig, selbst präsent zu sein, Menschen miteinander zu vernetzen und Begegnungen zu ermöglichen. Genau dieses Gesamtpaket macht das Besondere unseres Turniers aus.
Hinter einem so großen Event steckt enorm viel Arbeit. Gibt es Augenblicke während des Turniers, in denen Sie einfach genießen können?
Das ist tatsächlich schwierig. Die Frage ist ja auch, wo Genuss anfängt und wo er aufhört… Für mich geht Genießen immer mit dem Gedanken einher: Hoffentlich klappt alles. Die Anspannung beginnt Wochen und Monate vorher und erreicht jetzt kurz vor dem Turnier ihren Höhepunkt. Dann werden 360 Tage Planung in die Praxis umgesetzt. Natürlich gibt es dabei immer Dinge, die irgendwo klemmen oder kurzfristig gelöst werden müssen. Sobald das Turnier läuft, verändert sich die Anspannung zwar, verschwindet aber nicht. Genuss bedeutet für mich dann vor allem, zu sehen, dass alles funktioniert. Dass bei der großen Zahl an Menschen und Pferden keine Unfälle passieren, der Sport reibungslos läuft und alle Beteiligten zufrieden sind. Wenn am Ende alles sicher und erfolgreich über die Bühne gegangen ist, dann bin ich wirklich glücklich.

Am kommenden Mittwoch ist es wieder soweit – bis Sonntag laufen die Wettkämpfe im Spring- und im Dressurstadion. Welche Tage können Sie den Besuchern besonders empfehlen, was genau erwartet die Zuschauer vor Ort?
Am Mittwoch ist der Eintritt frei. Dann findet unser neues Creator-Event statt, das besonders für junge Menschen und Reitsportfans spannend ist. Influencer erhalten dabei einen Lehrgang von Dressur-Bundestrainerin Monica Theodorescu und dem erfolgreichen Springreiter Harm Lahde. Unterstützt wird das Ganze von „Consteed“, einem smarten Sneaker für Pferde, der durch integrierte Sensorik und KI den Bewegungsapparat des Pferdes analysiert und detaillierte Einblick in den Gesundheitszustand gibt. Am Fronleichnam-Donnerstag – dem Tag der Vereine, präsentiert von der Volksbank in Südwestfalen – stehen Familien und der große Sport im Mittelpunkt, am Freitag geht es schon Richtung erste Entscheidungen in den Deutschen Meisterschaften. Der Freitag ist außerdem unser neuer Inklusionstag. Wir haben Menschen mit Beeinträchtigungen eingeladen, um ihnen den Zugang zum Pferd zu ermöglichen und anhand unserer Para-Reiter zu zeigen, was alles möglich ist. Pferde können dabei eine wunderbare Rolle spielen. Der Samstag ist sicherlich einer der Höhepunkte. Neben hochklassigem Sport und wichtigen Entscheidungen erwartet die Besucher am Abend unser großes Showprogramm bei der „OPTIMUM Nacht der Show“. Zum dritten Mal kommt Weltstar Lorenzo aus der Camargue zu uns – für mich der König der Freiheitsdressur. Gemeinsam mit seinen zwanzig Camargue-Pferden zeigt er eine spektakuläre Darbietung ganz ohne Zügel, Trense oder Sattel. Ihn live zu erleben, ist schlicht atemberaubend. Der Aufwand ist groß, aber wir wollten dieses besondere Erlebnis unbedingt noch einmal ins Sauerland holen. Am „MEDICE Sonntag“ steht schließlich noch einmal der Spitzensport im Mittelpunkt. In der Dressur erleben die Zuschauer die Kür mit unseren Olympia-Kandidaten. Direkt im Anschluss wird mit Blick auf die Weltmeisterschaften in Aachen die Mannschaft nominiert. Im Springen fällt zudem die Entscheidung um die Deutsche Meisterschaft. Das verspricht noch einmal einen hochspannenden Abschluss des Turniers.





Es gibt Veranstaltungen, die weit über ihre eigentliche Bedeutung hinauswachsen. Das „Longines Balve Optimum“ ist so eine Veranstaltung. Seit Jahrzehnten bringt es Spitzensport ins Sauerland und gleichzeitig Menschen zusammen, die diese Region lieben. Nach dem Gespräch mit Rosalie von Landsberg-Velen wird noch deutlicher, warum das so ist. Hinter dem Turnier stehen nicht nur große Namen und sportliche Höchstleistungen, sondern auch eine Familiengeschichte, die bis heute eng mit Schloss Wocklum verbunden ist.

Tickets und Infos zu Programm und Anreise gibt´s hier:
https://www.instagram.com/longinesbalveoptimum
https://www.schloss-wocklum.de
https://www.instagram.com/rosalievon_landsberg
Die Fotos wurden mit freundlicher Unterstützung von Rosalie von Landsberg-Velen (Fotograf: Thomas Hellmann) zur Verfügung gestellt.
