JULIA HUMKE ZWISCHEN WALD UND WIESE

ODER: FORSTWIRTSCHAFT AUS LEIDENSCHAFT

Unebenes Gelände, große Maschinen, schwere Baumstämme – die Forstwirtschaft ist eine echte Männer-Domäne! Falsch gedacht, denn seit vergangenem Sommer ist auch Julia Humke aus Neuenrade im Wald unterwegs. Mit ihren 1,62 Metern und siebzehn Jahren fühlt sich die erste weibliche IHK-Auszubildende zur Kauffrau im Groß- und Außenhandel mit dem Schwerpunkt Rundholz in ihrem neuen Job pudelwohl. Und das kommt nicht von ungefähr: Julia ist auf dem landwirtschaftlichen Betrieb „Hof Humke“ aufgewachsen; noch bevor sie laufen konnte, saß sie auf einem Pferd, hat mit sechs ihr erstes Pony und mit vierzehn ihre eigenen Rinder bekommen. Dass sie auch beruflich in der Natur zu tun haben wollte, stand also von klein auf fest:

Man muss sich auch mal trauen

Julia, deine Familie hat einen landwirtschaftlichen Betrieb, du hast bereits vor drei Jahren deine eigene regionale Fleischproduktion „Sauerland Fleisch“ gestartet. Wie bist du dazu gekommen und welches Konzept verfolgst du damit?

Mich haben Freunde und Bekannte angesprochen, die wissen möchten, woher ihr Fleisch kommt, wo das Tier vorher gelebt hat, und wie es gehalten wurde. So habe ich meine ersten eigenen Rinder bekommen und sie auch selbst großgezogen. Mir ist es sehr wichtig, dass es den Tieren gut geht und dass sie eine Bindung zu mir haben. Im Winter ist es zu kalt, besonders für die Kälber, aber ansonsten stehen die Mutterkühe das ganze Jahr über auf der Wiese. Klar, in größeren Betrieben ist es nicht immer möglich, zu jedem einzelnen Tier eine Bindung aufzubauen, aber in den letzten Jahren ist in der Landwirtschaft zum Glück Einiges passiert, was das Tierwohl angeht. Bei uns ist das Weiderindfleisch eigentlich auch immer direkt verkauft, wenn wir schlachten; am besten ist es, wenn man das über Privat-Nachricht bei Facebook oder Instagram bei mir vorbestellt oder bei uns auf dem Hof anruft.

Aktuell machst du in einem Holzhandel eine Ausbildung zur Kauffrau im Groß- und Außenhandel. Welche Erfahrungen konntest du dort schon sammeln?

Vieles habe ich schon von zuhause mitgebracht, da ja meine Eltern auch im Holzgeschäft tätig sind. Aber ich lerne auch jeden Tag dazu, denn mein Ausbildungsbetrieb „Forstify“ in Arnsberg ist ein Start-up, das vieles anders macht und Rohholz online direkt von den regionalen Anbietern vermarktet. Das kannte ich bisher so nicht. Außerdem sind wir auch viel im Export-Geschäft tätig; ein Bereich, der mich sehr interessiert. Für mich ist der Holzhandel nicht bloß ein Job, sondern eine Leidenschaft, in der ich absolut aufgehe und mich wohlfühle – Holz ist einfach mein Element!

Du kümmerst dich ja auch um den Handel mit Borkenkäfer-Holz, bist häufig im Wald unterwegs. Welche Beobachtungen hast du dort gemacht, wie haben sich unsere Wälder verändert, und welche Perspektiven siehst du für eine gelungene Aufforstung?

Es ist ja ganz offensichtlich, dass es immer mehr Flächen gibt, auf denen keine Fichten mehr stehen. Ich denke, mit der Abholzung der betroffenen Wälder werden wir auch noch ein Jahr zu tun haben – dann ist alles weg… Aber ich kann auch beobachten, dass die Flächen, an denen noch Fichten stehen, viel trostloser aussehen als die, an denen schon alles abgeholzt wurde. Da wächst so schnell neues Leben nach; die Natur hilft sich selbst! Und wir – also meine Familie – haben auch schon begonnen, Einiges anzupflanzen, das auch dank des vielen Regens gut angegangen ist. Hauptsächlich sind das heimische Baumarten wie Buchen, Eichen, Douglasien und Kastanien…

Auf deinem Instagram-Account sieht man dich mit schwerem Arbeitsgerät. Gab es da am Anfang Berührungsängste?

Klar, anfangs ist man immer etwas unsicher… Ich bin ja mit großen Maschinen aufgewachsen; es ist aber schon etwas anderes, ob man einen Trecker oder einen Rückezug fährt. Da sind viel mehr Knöpfe und Hebel; wenn man da mal eine falsche Bewegung macht, hat das schon größere Auswirkungen – aber man muss sich ja auch mal etwas trauen!

Hast du schon Pläne für deine berufliche Zukunft? Siehst du sie eher in der Land- oder in der Forstwirtschaft?

Definitiv eher in der Forstwirtschaft! In der Landwirtschaft hat man einen geregelten Tagesablauf; zwar ist der saisonabhängig, aber auch planbar. In der Forstwirtschaft ist jeder Tag anders! Ich bin viel draußen, im Wald und in der Natur – das macht mir großen Spaß! Außerdem ist es total beeindruckend zu sehen, wie schnell sich eine Fläche erholen kann, die man erst vor drei, vier Monaten abgeholzt hat. Und man kommt viel rum – so kann ich im ganzen Sauerland unterwegs sein, nicht nur auf dem Hof…

Du bist zwischen Altena und Neuenrade, also mitten im Sauerland, aufgewachsen. Was sind deine Lieblingsplätze in der Region, wo bist du in deiner Freizeit unterwegs?

Das ist wirklich eine schwierige Frage, weil das Sauerland einfach so viele schöne Orte hat. Allgemein zieht es mich eher in die Berge als zu den Stauseen; also, überall da, wo man eine tolle Aussicht hat, fühle ich mich wohl! Sehr gern mag ich zum Beispiel den Schombergturm in Wildewiese oder den Quitmannsturm in Neuenrade – dort kann man wirklich über das Land der tausend Berge blicken!

In den sozialen Medien wird Julia auch weiterhin Einblicke in ihren spannenden Berufsalltag geben; hier erreichst du sie auch, wenn du ihr „Sauerland Fleisch“ vorbestellen möchtest:

https://www.instagram.com/julia_humke/

https://www.facebook.com/julia.humke

https://humke-viehhandel.de/

Die Fotos wurden mit freundlicher Unterstützung von Julia Humke zur Verfügung gestellt.

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