EINE REISE AUF DEM JAKOBSWEG

ODER: VIELE WEGE FÜHREN NACH SANTIAGO DE COMPOSTELA…

Mit Blick auf die Nachrichten ist dir bestimmt klar – die nächsten Wochen werden nicht leicht! Eine Hiobsbotschaft jagt die nächste; es ist dringend Zeit, den Kopf mal wieder richtig frei zu bekommen… Wie das am besten gelingen kann!? Indem du dich auf das Wesentliche konzentrierst, dich an der frischen Luft bewegst, aus dem Alltag ausbrichst, dich mit dir selbst beschäftigst… Mach dich doch einfach mal auf und geh ein Stück des Jakobswegs! Denn spätestens seit Hape Kerkelings Beststeller „Ich bin dann mal weg!“ ist klar, dass Pilgern nicht nur für religiöse Menschen eine echte Bereicherung ist:

Direkt vor deiner Tür

Der Jakobsweg beginnt direkt vor deiner Haustür – so sagt ein altes Pilgersprichwort… Auch, wenn du im Sauerland wohnst, musst du gar nicht lange suchen, um die entsprechenden Pfade zu finden. Über 1.000 Kilometer umfasst das Wegenetz in Nordrhein-Westfalen, 2019 wurde eine weitere Lücke geschlossen und der wandersicher gekennzeichnete, 134 Kilometer lange Pilgerweg von Paderborn nach Lennestadt-Elspe vom Sauerländer Heimatbund vorgestellt. Im Jakobusdorf Elspe trifft der Weg dann auf eine weitere Pilgerroute, die von Winterberg nach Attendorn und dann weiter in Richtung Köln führt…

Einer, der sich darüber besonders freut und auch bei der Markierung des Weges rund um seinen Heimatort mitgewirkt hat, ist Norbert Sapp aus Eslohe-Isingheim.

Vor knapp dreißig Jahren hat er das Pilgern für sich entdeckt, seitdem ist er unzählige Kilometer gelaufen. Wann immer es seine Zeit zulässt, macht er sich auf den Weg; der typische Pilgerstab und -hut dürfen dabei natürlich nicht fehlen.

Den historischen Pilgerweg von Paderborn nach Elspe ist er schon zwei Mal komplett gelaufen; sechs Etappen sollten hierfür eingeplant werden. Schließlich läuft er keinen Marathon, sondern kommt mit den Menschen, die er unterwegs trifft, ins Gespräch, hält an Bildstöcken und Kapellen kurz inne, spricht ein Gebet.

Eine Station auf dem Weg, die Norbert Sapp besonders am Herzen liegt, ist die St.-Antonius-Kapelle in Isingheim. Seit vielen Jahren verrichtet er gemeinsam mit seiner Frau Elisabeth den Küsterdienst, und seit einiger Zeit ist endlich auch der Heilige Jakobus hier zuhause: Die wunderschöne Holzfigur wurde der Kapellengemeinde Isingheim im vergangenen Jahr geschenkt; am liebsten hätte Norbert Sapp sie in seinem Wanderrucksack von Paderborn in ihr neues Zuhause, die St.-Antonius-Kapelle, getragen.

Natürlich hält der Isingheimer auch den passenden Stempel für diese Station bereit, denn er weiß, was für ein schönes Gefühl es ist, wenn sich der Pilgerpass allmählich füllt. Auch ist er gern bereit, Interessierten einen Einblick in die 1764 eingeweihte Kapelle zu gewähren und über ihre Geschichte zu informieren.

Von Isingheim nach Elspe sind es noch fünfzehn Kilometer; hier an der Pfarrkirche St. Jakobus der Ältere ist Norbert Sapp ebenfalls oft anzutreffen… Die große Jakobusfigur am Treppenaufgang, der steinerne Kompass auf dem Kirchvorplatz, der den Weg ins ca. 2.000 Kilometer entfernte Santiago de Compostela weist, die durch braune Fliesen gekennzeichneten Wege, die die Pilger bis an den Altar führen, – vieles erinnert in Elspe daran, dass es sich um eine zentrale Station auf dem Jakobsweg handelt!

Norbert Sapp kennt die Vorzüge seiner Heimat; die Aussicht, die Natur, der Wald, die felsigen Wege und natürlich die Offenheit der Menschen – es gibt nichts, dass er im Sauerland vermisst… Doch ein echter Pilger muss auch Santiago de Compostela gesehen haben, und so ist Norbert Sapp vor zwei Jahren in Nordspanien die letzten 120 Kilometer bis zu der berühmten Kathedrale gelaufen, in der der Apostel Jakobus begraben sein soll…

Die letzten Kilometer bis Santiago de Compostela

Auch die Familie Garcia Martin aus Attendorn hat einige Kilometer auf dem Jakobsweg im Sauerland zurückgelegt, bis sie sich an ihr großes Abenteuer gewagt hat! In den Herbstferien war es dann so weit: Ute und Luis Garcia Martin brachen gemeinsam mit ihren beiden Söhnen auf, um acht Tage auf dem spanischen Jakobsweg quer durch Galizien zu pilgern.

Los ging es kurz vor O´Cebreiro bei strahlendem Sonnenschein und idealen Temperaturen um die 25 Grad – hier wird auch klar, warum du eine solche Tour nicht im Hochsommer laufen solltest!

Im Gepäck jede Menge Blasenpflaster, ansonsten hat die Familie aber nur das nötigste eingepackt. Das hat nicht nur praktische Gründe – nach steigender Anzahl der Kilometer ist man über alles froh, was man nicht dabei hat –, sondern das Ablegen von Lasten ist eins von zehn Pilger-Geboten; schließlich ist ja der Sinn, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren!

Ein weiteres Pilger-Gebot, „Geh allein!“, ist so kurz vorm Ziel aller Pilgerwege nicht ganz leicht umzusetzen; immer wieder traf die Familie auf Menschen der unterschiedlichsten Nationalitäten, was sie aber keineswegs störte – ganz im Gegenteil: Ein kurzer Austausch, die gemeinsame Vorfreude, die ansteckende Freundlichkeit der Pilger bereicherte so manches Mal ihren Weg.

Und auch sonst gab es so viel zu entdecken, dass sich die rund 25 Kilometer pro Tag fast wie von allein liefen: Die einzigartige Aussicht auf die galizischen Berge faszinierte die Attendorner ebenso sehr wie die kleinen Details, die entlang des Wegesrandes zu entdecken waren…

Du musst nur genau hinschauen, dann kannst du an jedem Ort so viel Bezauberndes entdecken – eine weitere Erfahrung, die das Pilgern mit sich bringt!

Wie im Sauerland scheint auch in Spanien nicht jeden Tag die Sonne, doch mit der richtigen Ausrüstung und dem passenden Schuhwerk war das für Familie Garcia Martin überhaupt gar kein Problem! Besonders die Söhne waren mit einer solchen Begeisterung unterwegs und wuchsen über sich selbst hinaus, dass Ute und Luis nur staunen konnten.

Darum, dass sich die beiden verlaufen, mussten sich die Eltern wenig Sorgen machen; im Sauerland ist der Jakobsweg ja schon wirklich gut markiert, aber in Spanien findet sich wirklich an jeder Abzweigung das typische Symbol, das den richtigen Weg weist: Die Jakobsmuschel und die gelben Pfeile, die immer die jeweilige Gehrichtung anzeigen.

Viele Pilger machen sich auf den Weg, ohne ihre Unterkunft vorher geplant zu haben. Das ermöglicht es, flexibel und frei zu sein – kann aber so kurz vorm Ziel auch schon einmal zum echten Problem werden: Die Herbergen sind hier so voll, dass man auch mal zwanzig Kilometer mehr zurücklegen muss, um einen Platz zu finden.

Familie Garcia Martin entschloss sich – auch im Hinblick auf die Kinder – bereits im Vorfeld zu planen, wo sie nächtigen konnten, und landeten zum Beispiel in einem urigem Hotel, das seit 1523 im Familienbesitz der Gastgeber ist… Ob du dich auf dieses Abenteuer einlassen und spontan entscheiden oder deine Reise auf dem Jakobsweg vorher genau planen möchtest – die Entscheidung ist dir überlassen!

Nach unzähligen wertvollen Erfahrungen, bereichernden Begegnungen und 170 zurückgelegten Kilometern näherten sich die Attendorner dem Ziel: Der imposanten Kathedrale in Santiago de Compostela. Ein so ergreifendes Gefühl, dass bei Ute und Luis Tränen – wohlgemerkt des Glücks – flossen…

Hier trafen sie viele ihrer Weggefährten wieder, hielten kurz inne und besannen sich noch einmal auf das, was sie erlebt hatte: Wunderbare Geschichten, die sie ihr Leben lang begleiten werden.

Und so ist es auch wenig verwunderlich, dass die Familie schon kurz nach ihrer Rückkehr die nächste Reise auf dem Jakobsweg plant, die im nächsten Herbst stattfinden soll. Dieses Mal wollen eine ganze Reihe ihrer Freunde und Familienmitglieder mitkommen, die von der Begeisterung angesteckt wurden.

Vielleicht hat ja auch dich der Pilger-Bazillus nun infiziert, doch Vorsicht: Er macht zwar nicht krank, aber süchtig – wie Norbert Sapp mir erzählt und auch die Familie Garcia Martin nun bewiesen hat… Buen Camino!

Für nähere Infos über den historischen Pilgerweg von Paderborn nach Elspe kannst du dich an norbertsapp@aol.com wenden, weitere Eindrücke vom spanischen Teil bekommst du hier: https://www.instagram.com/lagom1975/

Die Fotos aus Spanien wurden mit freundlicher Unterstützung von Luis Garcia Martin zur Verfügung gestellt.

2 Kommentare zu „EINE REISE AUF DEM JAKOBSWEG

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