„HYPNOTIC TATTOO“ – DIE MEISTERIN DER FEINEN LINIEN

ODER: DER KÖRPER ALS GESAMT-KUNSTWERK

Hast du schon einmal eine Entscheidung fürs Leben getroffen? Nein, ich meine nicht, ob du geheiratet, sondern ob du ein Tattoo hast!? Wobei, eigentlich haben Partner und Tattoo ja auch einiges gemeinsam: Beide sollten wirklich gut zu dir passen, beide solltest du auch dann noch gern anschauen, wenn sie schon etwas runzelig geworden sind, und bei beiden solltest du auf keinen Fall voreilige Schlüsse ziehen! Bei der Suche nach dem richtigen Partner kann ich dir nun leider nicht weiterhelfen, aber wie du zu dem perfekten Tattoo kommst, kann ich dir verraten. Ich habe nämlich Cennet Jennifer Dorn, die Meisterin der feinen Linien, in ihrem Studio „Hypnotic Tattoo“ in Attendorn besucht:

Tätowieren macht süchtig!

Cen, du hast einige Jahre als Zahnmedizinische Fachangestellte gearbeitet; wie bist du auf das Thema „Tattoo“ gekommen?

Eigentlich wollte ich Kunst studieren, habe das Fach-Abi in Gestaltung gemacht, hatte mich auch schon an einer Schule im Münsterland, wo ich eigentlich herkomme, eingeschrieben, doch dann bin ich der Liebe wegen ins Sauerland gezogen; der Traum vom Kunst-Studium war erstmal vorbei… Als ich dann im Berufsinformations-Zentrum einen Test gemacht, wurde mir der Beruf der Zahntechnikerin vorgeschlagen, das ist ja auch eine sehr fein-motorische Arbeit. Also habe ich erst einmal eine Ausbildung in diesem Bereich gemacht… Die Beziehung war dann irgendwann vorbei, und ich wollte nach Münster zurückziehen und meinen Kunst-Traum weiter verfolgen, aber dann habe ich einen Tätowierer kennengelernt. Ich habe immer seine Vorlagen gezeichnet, bis er irgendwann auf die Idee kam, dass ich es ja auch mal selbst versuchen könnte. Ich habe es zuerst an ihm und an mir versucht, und das hat auch von Anfang an super geklappt. Und als die Beziehung dann nach vier Jahren vorbei war, habe ich mir eine Tätowier-Maschine gekauft und neben meinem Job in der Zahnarzt-Praxis immer wieder Leute tätowiert. Als ich gemerkt habe, dass ich davon leben kann, habe ich mich mit 25 selbstständig gemacht und ein Tattoo-Studio eröffnet. So kann ich tatsächlich doch noch meinen Traum leben und künstlerisch arbeiten…

Man kann es nicht anders sagen: Du fällst auf! Wie reagieren die Menschen auf dich? Bekommst du interessierte oder vielleicht sogar kritische Anfragen?

Mittlerweile, also seitdem ich so viele Tattoos habe, bekomme ich eigentlich nur noch interessierte Blicke. Schlimmer war es, als ich nur ein paar hatte, da kamen schon auch kritische Fragen. Vielleicht haben da die Leute noch versucht, mich umzuformen – aber jetzt ist da wohl schon alle Hoffnung verloren… [lacht] Es muss halt auch immer zu einem Menschen passen; wenn man verkleidet aussieht, oder die Tattoos nicht so hochwertig sind, wird man eher blöd angeschaut. Aber zu meinem Typ scheint das zu passen; es kommen sogar ältere Menschen auf der Straße auf mich zu, fragen zum Beispiel, ob die Tattoos im Gesicht echt sind, und sagen, dass es ihnen gefällt…

Was bedeutet die Körperkunst für dich persönlich?

Ich sehe meine Tattoos tatsächlich gar nicht mehr… Am Anfang wollte ich nur eins, aber als ich anfing, zu tätowieren, wurden es immer mehr – das ist wirklich eine Sucht! Man drückt sich selbst damit aus; so wie manche Frauen manchmal einen anderen Haarschnitt oder neue Klamotten brauchen, wenn ein neuer Lebensabschnitt beginnt, so brauche ich ein neues Tattoo. Ich erinnere mich ja dann auch an die Zeit, die Situation, in der ich das jeweilige Motiv stechen lassen habe. Das Wort „Tattoo“ kommt aus Samoa und bedeutet „eine Markierung setzen“. Meine Mutter ist Filipina; in dieser Kultur sind Tattoos auch von Bedeutung und wurden von den Kalinga-Kriegerinnen getragen. Das musste man sich erarbeiten, nicht jeder bekam ein Tattoo; vielleicht habe ich die Leidenschaft dafür auch deswegen so in meinem Blut. Bei meinen Hauptmotiven kann ich mich auch wirklich daran erinnern, in welcher Situation die entstanden sind; ganz viele davon habe ich ja auch selbst gestochen. Manchmal gehe ich sogar auf Instagram live und lasse die Leute dabei zusehen, wie ich mir etwas steche… Und da kommt immer wieder etwas Neues hinzu, wenn ich etwas sehe, das mir gefällt. Zählen kann ich meine Tattoos inzwischen nicht mehr – ich sage immer, das ist ein großes Gesamt-Kunstwerk!

Tattoo ist nicht gleich Tattoo – was sind deine Spezialitäten, was stichst du am liebsten?

Spezialisiert habe ich mich auf Fineline-Tattoos, also ganz kleine zarte Motive, Maoris, Mandalas und geometrische Bilder. Das sind die Tattoos, wo die meisten Tätowierer keine Lust darauf haben, weil es unheimlich schwierig ist, auf der unebenen Haut etwas Exaktes, Paralleles zu schaffen. Da kommen wirklich Leute aus ganz Europa zu mir; manchmal lassen mich Kunden sogar einfliegen, kürzlich war ich noch in der Türkei, um Jemanden zu tätowieren.

Dazu gehört wohl auch jede Menge künstlerisches Talent; erstellst du die Vorlagen selbst?

Gerade die geometrischen Formen oder Mandalas müssen ja an die Körperform angepasst werden. So etwas muss ja genau passen, den Muskeln entsprechen. Da muss ich dann einen kompletten Abdruck nehmen; dafür mache ich ein Papier um den Arm und male mir ab, wo die Schulter sitzt, wo Ellbogen, Beuge und Handgelenke sind, und fertige das Motiv dann erstmal auf dem Papier an. So kann der Kunde dann auch absegnen, ob ihm das gefällt, bevor es nachher zu spät ist… Man muss also auf jeden Fall zeichnen können, aber das ist noch nicht die einzige Voraussetzung dafür, dass man auch tätowieren kann; man muss natürlich auch das Gefühl dafür haben, in welche Hautstelle man sticht! Wenn man die Linie zum Beispiel zu tief sticht, bleibt die nicht so schön gerade, sondern schwemmt auf, wie wenn man mit einem Füller auf Löschpapier schreibt. Man muss in die Lederhaut stechen, das sind Melanin-Körperchen, die die Farbe auch festhalten und binden. Da muss man mit Gefühl rangehen; also Fingerspitzen-Gefühl ist eine wichtige weitere Voraussetzung!

Tatsächlich ist das ja eine Entscheidung fürs Leben… Was rätst du Einsteigern oder Interessierten, die noch unsicher sind?

Ich selbst ärgere mich manchmal auch, dass ich manchmal zu schnell entschieden habe. Dann ist der Platz besetzt, und wenn einem später noch etwas Cooleres einfällt, geht das dann halt nicht mehr. Aber am Anfang weiß man ja auch noch nicht, dass das zu einer Sucht wird! Könnte ich noch einmal neu anfangen, würde ich mir erst einmal einen kompletten Körper-Plan machen und dann Schritt für Schritt abarbeiten. Deswegen rate ich Einsteigern immer, viel zu überlegen und nicht mit ganz gewagten Stellen anzufangen. Ich arbeite mit einer Maskenbildnerin aus Köln zusammen, die Tattoos zum Aufkleben anfertigt; da kann ich jedes Motiv bis DIN-A3 ausdrucken lassen, und der Kunde kann erst einmal ausprobieren, ob er so dann überhaupt rumlaufen möchte und sich wohl damit fühlt. Also, man sollte sich wirklich gut überlegen, wie das dann wirkt! Und natürlich ist die Motiv-Auswahl entscheidend; ich würde mir da jetzt nicht unbedingt die Lieblings-Band tätowieren lassen, denn Geschmäcker ändern sich. Es sei denn, derjenige möchte auch an die einzelnen Abschnitte seines Lebens erinnert werden – so wie ich! Ansonsten sollte man sich etwas Neutrales überlegen, das einem auch nach vielen Jahren noch gefällt…

Stichwort „Lieblings-Band“ – bei dir passiert musikalisch gerade auch Einiges, oder?

Ja, genau. Ich singe tatsächlich auch schon immer, habe auch schon ein paar Lieder geschrieben, aber wenn man ständig arbeitet, hat man da kaum noch Zeit dafür… Jetzt habe ich aber auch ein Team hier im Studio, das mich unterstützt und auch einige Termine übernimmt, und ich habe einen neuen Manager, so dass es da hoffentlich bald auch vorwärts geht. Mein Künstlername ist „OxiCen“ und ich singe Soul, R&B und Rap; wir schauen da noch, auf welche Richtung ich mich letztendlich festlegen werde! Da ist auch schon einiges auf YouTube, du kannst ja gerne mal reinhören…

Wenn du mal die Nadel und das Mikro aus der Hand legst: Wo bist du gern in deiner Freizeit unterwegs, was sind deine Lieblingsorte in Attendorn und Umgebung?

Wenn das Wetter schön ist, bin ich total gern mit meinen beiden Hunden am Biggesee; da gibt´s ja auch ein Stück Sand-Strand, da chille ich mit meinen Freunden und ein bisschen Musik. Oder spaziere am Biggedamm entlang… Ich habe im Lockdown auch ein neues Hobby entdeckt: Lost places! Verlassene Orte zu finden, zu besichtigen, die Geschichte dazu herauszufinden – das ist schon ein kleiner Nervenkitzel, total spannend! Ein weiteres Hobby ist übrigens auch noch das Modeln, da werde ich auch schon mal zu Shootings oder Drehs von Musikvideos eingeladen – auch das macht mir superviel Spaß!

Ob ein Tattoo das Richtige für dich ist, weiß ich nicht; aber wenn du dich dafür entscheidest, bist du bei Cen absolut in den richtigen Händen!

Hypnotic Tattoo, Grafweg 32, 57439 Attendorn

http://hypnotic-tattoo.de/

https://www.instagram.com/hypnotic_tattoo/

https://www.facebook.com/HypnoticTattooByJen/

Die Fotos mit Ausnahme des Titelbildes und den drei Fotos im Studio wurden mit freundlicher Unterstützung von Cennet Jennifer Dorn zur Verfügung gestellt.

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