LAUF, ALEX, LAUF! – AUS DEN TAGEBÜCHERN EINER HALBMARATHONLÄUFERIN

ODER: VON NULL AUF EINUNDZWANZIG

 

Es gibt zwei Gruppen von Menschen: die, die Medaillen holen, und die, die sie dafür bewundern. Zu welcher von beiden du gehörst, weiß ich nicht…  Aber falls du vorhast, von der zweitgenannten Gruppe in die erste zu wechseln, kann ich dir vielleicht weiterhelfen!? Ich habe nämlich Alexandra Crochemore, kurz gesagt Alex, getroffen; zweifache Mama, Exportmanagerin, eine ganz normale Frau eben! Doch was sie von anderen unterscheidet: Sie hat sich aufgemacht, die Medaillen zu holen, und das auch geschafft… Wie sie die Herausforderung gemeistert hat? Lies selbst:

 

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31. Dezember 2015: Liebes Tagebuch,                                                                      

hätte ich doch mal gleich auf mein Gefühl gehört! Langstreckenlauf – so überhaupt nicht mein Ding. Ich will mich auspowern, sprinten, Taekwondo, sowas halt… Stundenlang durch die Gegend laufen, das schaffe ich doch sowieso niemals! Zugegeben, ich habe schon jedes Jahr am Straßenrand gestanden und die Läufer bewundert, als ich noch in Soest wohnte. Aber dass ich mich da jetzt wirklich angemeldet habe, das ist die Schuld meines Mannes und meiner Söhne. Die haben mich angestachelt; sonst hätte ich das nie getan… Aber gut, ich habe mich in einer Laufschule vorbereitet und meinen Trainingsplan abgearbeitet, alle wissen Bescheid, jetzt muss ich da durch! Füüüüüüüüüüüünf lange Kilometer… Ich will ja auch gar nicht vorne mitlaufen, aber die Allerletzte zu sein, wäre ja nun auch nicht schön. Oh Gott, ich bin so nervös. Ich gehe noch schnell auf die Toilette. Drück mir die Daumen!

 

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16. März 2016: Liebes Tagebuch,                                                                              

es ist wirklich zum wahnsinnig werden! Ich wollte mich doch einfach nur bei Instagram anmelden, so wie Millionen andere Menschen auch, doch ich bin dabei völlig verzweifelt… Zuerst habe ich es aus unterschiedlichen Kombinationen meines Namens versucht, dann mit sinnvollen Begriffen und meinem Lieblings-Hobby Laufen. Da war nichts zu machen. Nutzername schon vergeben. Immer wieder. Dann habe ich es mit „Hirsebrei“ versucht. Vergeben. „Hirsebrei123“. Vergeben. Unfassbar! Wenn das Programm jetzt auch dieses Wort nicht akzeptiert, dann ist es kaputt: „Seifenpopo“. Kling. „Herzlich Willkommen auf Instagram!“. Aaaaaaaaaaaaargh – jetzt heiße ich doch tatsächlich „Seifenpopo“. Nun gut, nicht noch mal von vorne… Ich versuch´s für den Anfang einfach mal mit Fotos von unserem Kater, Katzenbilder gehen immer! Aber eigentlich soll´s ja darum gehen, ein paar Eindrücke von meinen Trainingsrunden zu posten. Vielleicht haben dann auch ein paar Leute Lust zu laufen, wenn sie sehen, wieviel Spaß das macht!?

 

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Gelegenheit gibt´s jedenfalls reichlich, denn ich befolge gerade tapfer meinen Trainingsplan. Seitdem ich mich für meinen ersten Fünf-Kilometer-Lauf angemeldet habe, habe ich eigentlich immer einen Plan – mal mehr, mal weniger… Das ist echt wichtig für mich, denn manchmal neige ich auch dazu, mich zu überschätzen und voll zu verausgaben. So habe ich nun meine festen Einheiten, und kann mich optimal auch auf längere Läufe vorbereiten. Bestimmt schaffe ich auch die fünfzehn Kilometer beim Soester Silvesterlauf!

 

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8. Juni 2019: Liebes Tagebuch,

 

du darfst mir gratulieren! Deine Alex ist Absolventin des „Helsinki Halbmarathons“, und – unter uns gesagt – stolz wie Bolle…

 

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Denn das ist nicht so selbstverständlich, wie du vielleicht nach meinen letzten Erfolgen denken magst. Ich habe unter den widrigsten Bedingungen gekämpft, und dieses Mal bin ich wirklich an meine Grenzen gekommen. Aber fangen wir mal von vorne an; ich habe dich ja schon länger nicht mehr auf dem Laufendem gehalten. Auch dieses Mal war ich mir nicht sicher, ob das Vorhaben nicht eine Nummer zu groß für mich ist. Aber als ich die Medaille gesehen hab, auf der jedes einzelne Haus in Helsinki abgebildet ist, war die Versuchung schon groß… Und Helsinki ist schließlich nicht Rom, das kann man auch im Sommer mal machen.

 

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Trotzdem gab´s erstmal eine Reiserücktrittsversicherung! Obwohl ich das eigentlich nicht machen sollte, habe ich dann eine Generalprobe in meinem Revier am Möhnesee gemacht. Mit Hängen und Würgen, Durchbeißen und mehreren Gehpausen habe ich die 21,0975-Kilometer auch geschafft! Daher ging´s dann auch halbwegs optimistisch nach Finnland, doch als ich aus dem Flieger stieg, ahnte ich schon, dass der echte Halbmarathon kein Spaß werden würde: 30 Grad im Schatten, noch wärmer als in der Heimat. Und ich bin wirklich hitzeempfindlich. Aber nun war ich da – was sollte ich tun!? Wir würden ja unterwegs auch gut versorgt; dachte ich. Doch leider kamen die Trinkstationen mit dem Nachfüllen gar nicht mehr hinterher, und bei den letzten war schon alles vergriffen. Das war dann der Moment, in dem ich aufgeben wollte, zum allerersten Mal! Aber der Weg zurück zum Hotel war nicht kürzer als der zum Ziel, nur hätte er mir keine Medaille eingebracht.

 

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Kurz und gut: Irgendwie bin ich doch noch angekommen und statt vor Erschöpfung zusammenzubrechen, war ich so voller Freude und Adrenalin, dass ich noch eine wunderbare Zeit ins Helsinki hatte! Ich habe dort sogar Bekannte von Instagram getroffen, die genauso laufbegeistert sind wie ich. Und „@seifenpopo“ hat die gar nicht gestört… 😉

 

22. September 2019: Liebes Tagebuch,                                                                     

Ja, ich weiß, ich habe gesagt, ich mache sowas nie wieder… Aber wie es halt so ist – der Mensch braucht Ziele und Herausforderungen, dann erreicht er sie auch. So viel habe ich inzwischen gelernt! Meine neue Herausforderung heißt „Amsterdam-Marathon“, und mein Trainingsplan hat schon wieder leicht angezogen. Es ist für mich immer noch nicht selbstverständlich, diese Distanz durchzulaufen, aber vielleicht versuche ich es dieses Mal ohne doppelten Boden, Generalprobe und Stornierungs-Möglichkeiten; mal sehen…

 

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Dass ich heute überhaupt so locker über die einundzwanzig Kilometer schreiben kann, hätte ich vor vier Jahren niemals gedacht – nicht mal vor einem! Natürlich war es nicht immer leicht; besonders der Halbmarathon hat viel Training und manchmal auch Durchhaltevermögen gebraucht… Aber als ich dann über die Ziellinie lief und endlich die Medaille in den Händen hielt, auf die ich so lange gewartet hatte, wusste ich, dass sich all der Aufwand gelohnt hat! Und deswegen habe ich auch Steffi von „Zauberhaftes Sauerland“ in dir lesen lassen und noch ein paar Fotos dazu gelegt, die mein Mann letztens am Möhnesee von mir gemacht hat: Jeder soll sehen, dass ganz normale Menschen, so wie du und ich, zu herausragenden Leistungen fähig sind, wenn sie nur an sich glauben und hartnäckig an ihren Zielen arbeiten!

 

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Dem habe ich nichts mehr hinzufügen, außer: Danke, liebe Alex, dass du uns gezeigt hast, wie man das macht!

 

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So, nun weißt du, wie man vom ganz normalen Menschen zum Medaillen-Träger wird… Wenn du noch mehr erfahren willst, dranbleiben:

https://www.instagram.com/seifenpopo/

Fotos: www.foto4graf.de

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