„METTEN HEFEMÄNNCHEN“ – DIE KLEINSTE BRAUEREI IM SAUERLAND!?

ODER: EIN „KLEINES“ SCHWARZPILS, DAS SICH VOR DEN „GROSSEN“ NICHT VERSTECKEN MUSS…

 

„Da sind wohl die Hefemännchen am Werk“, dachte sich Dominik Mette aus Finnentrop-Schliprüthen, als bei seiner ersten Brau-Unternehmung vor etwas mehr als zehn Jahren Teile des Erzeugnisses aus der undichten, zweckentfremdeten Milchkanne quollen… Das hält aber einen leidenschaftlichen Bier-Kenner nicht von seinem Vorhaben ab, noch dazu, wenn er aus dem Sauerland kommt. Denn wie wir schon an einigen Beispielen gesehen haben: Wenn ein Sauerländer sich was in den Kopf gesetzt hat, zieht er das auch ungeachtet aller Hindernisse durch, und wird eigentlich immer mit einem guten Ergebnis belohnt!

 

Metten Hefemännchen 2008

 

Die kleinste Brauerei im Sauerland!?

 

Es ist kein Geheimnis, dass das Sauerland als Bierregion bekannt ist. Das liegt aber nicht etwa – oder zumindest nicht nur – daran, dass die Einwohner so viel davon trinken würden, sondern an den großen ortsansässigen Brauereien, die deutschlandweit bekannt sind und deren Erzeugnisse über die Landesgrenzen hinaus gern getrunken werden. Um das mal in Zahlen auszudrücken: In den Großbrauereien „Veltins“, „Warsteiner“ und „Krombacher“ im benachbarten Siegerland werden rund ein Fünftel des in Gesamt-Deutschland getrunkenen Bieres produziert – das Sauerland nimmt aber bei weitem nicht ein Fünftel der Landesfläche ein, auch wenn es sich manchmal so anfühlt… (Wie hoch der Anteil des im Sauerland tatsächlich auch getrunkenen Bieres an der gesamtdeutschen Menge ist, wurde absichtlich nicht recherchiert 😉 )

So viel zu den „Großen“, zurück zu den „Kleinen“: Dominik Mette ist ein echter Bier-Freund, der auch heute noch verschiedene und außergewöhnliche Bier-Sorten im Kühlfach seiner Brauerei lagert und gerne mit Freunden verköstigt. Bei einem „Über-drei-Ecken-Verwandten“ hatte er vor geraumer Zeit ein Selbstgebrautes probiert, was ihm so gut schmeckte, dass ihm die Idee kam, irgendwann auch mal sein eigenes Bier zu brauen. In einer Phase, in der er sehr viel arbeitete und merkte, dass eine Umstrukturierung seines Lebens nötig war, war der Zeitpunkt gekommen, und er wurde kurzerhand vom Verkoster zum Produzenten. Und das in der wohl kleinsten Brauerei im Sauerland (wenn du noch eine kleinere findest, gib mir gern Bescheid, ich korrigiere das dann…).

 

 

 

Von Anfang an mit an Bord, oder wohl besser am Braukessel, war Dominiks Bruder Matthias Mette. Im Februar 2008 wurde der erste gemeinsame Brauversuch unternommen, wie gesagt mit Milchkanne, Gaskocher und flink arbeitenden Hefemännchen.

 

Metten Hefemännchen Anfänge Garage

 

Diese sind bis heute geblieben, die restlichen Utensilien wurden nach und nach durch professionelle ersetzt. Das Ergebnis des ersten Brauprozesses hatte nämlich die beiden Brüder – die selbst Zweifel am eigenen Produkt und daher auch noch Erzeugnisse der Großbrauereien auf Lager hatten – und alle am 04.04.2008 zur Verköstigung Geladenen dermaßen überzeugt, dass fortan regelmäßig gebraut wurde und wird.

 

Metten Hefemännchen Wappen Holz

 

Am meisten hat Dominik Mette die Experimentierphase gefallen, in der verschiedene Braugeheimnisse ausprobiert und optimiert wurden, bis schließlich das „Metten Hefemännchen“ fertig war. Seitdem wurde die Rezeptur nicht mehr verändert, weil die Kunden genau dieses Bier erwarten und mögen, und außerdem die Lagertanks mit 750 Liter Kapazität keine zweite Sorte zulassen.

 

Metten Hefemännchen Brauerei

 

Nachdem die kleine Brauerei den Kinderschuhen entwachsen war, stellte ein Schliprüthener Stammtisch fest, dass eine echte Brauerei auch Besichtigungen anbieten muss, ganz so wie die „Großen“. Kurzerhand wurde die Garage im Wohnhaus, die auch schon bis dahin die Braukessel beherbergte, zu einem einladenden Schankraum umgebaut, der heute zu stimmungsvollen Verköstigungen einlädt. Termine für die Brauereibesichtigungen werden halbjährlich veröffentlicht; bei der Anmeldung muss man dann schnell sein, weil die fünfzig vorhandenen Plätze pro Termin aufgrund des leckeren „Metten Hefemännchen“ und dem anschließenden gemeinsamen Essen in der Schliprüthener Skihütte sehr begehrt sind.

 

Finnentrop Schliprüthen

Das Schwarzpils „Metten Hefemännchen“

 

Die Brüder Mette brauen nach dem Reinheitsgebot von 1516, demnach Bier nur aus Gerste, Hopfen und Wasser erzeugt werden soll (Hefe war damals noch nicht bekannt).

„Metten Hefemännchen“ wird weder filtriert noch pasteurisiert. Du kannst dir also sicher sein, ein vollkommen natürliches und frisches Produkt vor dir zu haben. Das hat allerdings auch seinen Preis, nämlich dass es nur gut sieben Tage haltbar ist. Es wird auf Vorbestellung, die aufgrund des langwierigen Gärprozesses fünf Wochen vor der geplanten Abholung erfolgen muss, eigens für den jeweiligen Bier-Fan gebraut.

 

Metten Hefemännchen Braukessel

 

Dieser Prozess beginnt mit dem „Einmaischen“, also dem Erhitzen von Wasser, Gerste und Braumalz. Das geschieht in mehreren Temperaturstufen, zwischendurch „rastet“ die Maische – und genau diese Zeitabstände machen das eigentliche Braugeheimnis und den Geschmack des fertigen Produktes aus. Für die dunkle Farbe und den Namen „Schwarzpils“ ist der Einsatz von 5 Prozent Röstmalz (der Rest ist „Pilsener Malz“, der sehr hell ist) verantwortlich, der ganz nebenbei auch noch einen malzigen, leicht süßen Geschmack mit sich bringt.

 

Metten Hefemännchen Hopfen Gerste

 

Nach acht Stunden „Einmaischen“ wird im „Läuterbottich“ das Feste von der Flüssigkeit getrennt. Anschließend wird die Flüssigkeit mit Hopfen, der in Pelletform verwendet wird, gekocht. Auch hier ist wieder die Einhaltung der genauen Zeiten wichtig: 20 Minuten nach Beginn des Kochens wird der Bitterhopfen, der auch für die Haltbarkeit sorgt, hinzugegeben, 20 Minuten vor Kochende der Aromahopfen, der nicht komplett verkochen soll. Nach 90 Minuten insgesamt ist die „Würze“ steril und wird sehr schnell von bis zu 96 Grad Celsius auf 15 bis 17 Grad heruntergekühlt, damit die Hefe dazugegeben werden kann. Nun darf zum ersten Mal der Name „Jungbier“ verwendet werden. Durch Zellteilung, oder unsere kleinen Hefemännchen, vervierfacht sich die Menge im Behälter. Der vorhandene Zucker wird in „offener Gärung“ – also ohne Druck und im offenen Behälter vollzogen – in Alkohol umgewandelt, bis nichts mehr von ihm übrig ist. Dann wird die Hefe „geerntet“, sprich unten aus dem Behälter, wo sie sich abgesetzt hat, abgezogen, und das Bier reift vier Wochen im geschlossenen Behälter im Kühlhaus. Während der gesamten Zeit läuft die Gärung weiter und Kohlensäure entsteht – wichtig für den frischen Geschmack. Nun darf das „Metten Hefemännchen“ frisch und am besten gut gekühlt, genossen werden.

 

Metten Hefemännchen Wappen Eisen

 

Womit bewiesen wäre: Um ein gutes Bier zu produzieren, braucht man keine Riesen-Brauerei oder tausende Hektoliter Produktionsmenge. Es reicht die Leidenschaft für gutes Bier, handwerkliches Geschick und einen Kenner-Gaumen, um ein perfektes Rezept zu entwickeln – den Rest erledigen die Hefemännchen. So entstehen dann Produkte, die selbst passionierte Radler-Trinker gerne pur verzehren…

 

IMG_2985

 

Metten Hefemännchen, Hohle Straße 18, 57413 Finnentrop – Schliprüthen

https://chayns.net/64948-22445/aboutus

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