WHISKY VOM FEINSTEN – JUNGES START-UP MIT FAMILIÄRER TRADITION

ODER: IN DER „SAUERLÄNDER EDELBRENNEREI“ GIBT ES MANCHE LECKEREI…

 

Wer sich nun wundert, warum dieser Artikel dann nicht in der Kategorie „Lecker“, sondern „Erfolgreich“ steht, dem sei folgendes gesagt. Zum einen finde ich selbst alkoholische Getränke nicht wirklich lecker, was aber einfach am (persönlichen) Geschmack, nicht an einer militanten Geisteshaltung liegt… Zum anderen ist die Erfolgsgeschichte der „Sauerländer Edelbrennerei“ in Rüthen-Kallenhardt auch so faszinierend, dass sie locker mit ihren eigenen Produkten mithalten kann! Lest selbst:

 

Wie alles begann…

 

Am Anfang steht – wie könnte es anders sein – eine „Schnapsidee“: Eine Gruppe Sauerländer besuchte Ende der 90er Jahre im Zuge ihres Urlaubs in Süddeutschland dort auch einige Obstbrennereien und verköstigte deren Produkte. Aufgrund der Qualität – böse Zungen behaupten auch, der Quantität – klagten einige Urlauber über Kopfschmerzen und kamen zu dem Schluss: „Das können wir besser!“ Gesagt, getan; noch in diesem Urlaub wurde eine passende Brennblase ausgewählt. So macht man das als Sauerländer…

Zwar reduzierte sich die Zahl derjenigen, die die „Schnapsidee“ wirklich realisieren wollten, auf die  zwei seit vielen Jahren befreundeten Familien Wolfkühler und Mülheims, aber das tat der Sache keinen Abbruch: Mit Erhalt des Verschlussbrennrechts gründeten sie im Jahr 2000 die „Sauerländer Edelbrennerei“ in einer Doppelgarage in Rüthen-Kallenhardt.

Oberstes Ziel und Gebot ihrer (damals noch hobbymäßig betriebenen) Arbeit war dabei von Anfang an, echte Naturprodukte ohne jegliche Zusätze in reiner Handarbeit zu erstellen. Und das ist es bis heute geblieben!

Irgendwann investierten aber alle Beteiligten so viel Zeit und Engagement in den Betrieb, dass er als Hobby nicht mehr tragbar war. Daher leitet Brennmeister Julian Wellhausen seit 2007 den Tagesbetrieb in Vollzeit, seine drei Freunde Alexander Mülheims, Thomas Lesniowski und Julius Vosloh kamen später hinzu. Mit dem historischen Sägewerk fand das Unternehmen nach zweijährigem Umbau 2016 dann auch eine neue Produktionsstätte, die die „Eröffnung 2.0“ ermöglichte.

 

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… und wie es heute ist!

 

Vier Freunde – eine Freude

 

Julian, Alexander und Julius stammen aus dem Sauerland und sind nach mehreren auswärtigen Jahren mit einem reichen Erfahrungsschatz in ihre Heimat zurückgekehrt; Thomas kommt eigentlich aus dem Ruhrgebiet, hat als Meeresbiologe auf Helgoland gelebt und ist durch die familiären Bande seiner Frau mit der „Sauerländer Edelbrennerei“ verbunden.

 

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Die Vier verbindet aber mehr als ihre Freundschaft, nämlich die Liebe zum Whisky. Ohne diese persönliche Passion hätten sie sich auch nicht vorstellen können, ihre „eigentlichen“ Berufe aufzugeben und voll in die Edelbrennerei einzusteigen.

Unterschiedlich hingegen sind ihre Ausbildungen und Werdegänge. Thomas ist wie gesagt promovierter Meeresbiologe, Julius Fach- und Wirtschaftsinformatiker, Alexander Ingenieur mit Schwerpunkt Energietechnik und fundierten BWL-Kenntnissen und Julian gelernter Anlagenmechaniker, der sich autodidaktisch in die Brennereikunst eingearbeitet und sein unverwechselbares Gespür für Aromen an der Universität Hohenheim und bei regelmäßigen Fortbildungen mit Wissen untermauerte. Durch eben diese Unterschiedlichkeit ihrer Fähigkeiten und Erfahrungen können sich die Freunde in ihrer Arbeit perfekt ergänzen.

Nach wie vor ist aber auch die „erste Gründergeneration“ voll aktiv; zusätzlich werden sie durch ihre Familien und viele weitere helfende Hände unterstützt, die die zu bewältigenden Aufgaben stemmen.

 

Die Wirkungsstätte

 

Schon seit 2010 im Besitz des Unternehmens war beim historischen Sägewerk zunächst ein umfassender Umbau notwendig, bevor es im Frühjahr 2016 als „Sauerländer Edelbrennerei“ im neuen Glanz erstrahlte.

 

 

Dabei geht sie weit über eine bloße Produktionsstätte hinaus: Durch die im gesamten Gebäude, besonders aber im eigentlichen Herzen, dem Produktionsbereich mit der großen und der kleinen Brennblase, ausgestellten Werke von Otmar Alt ist sie zugleich Kunst-Atelier. Bestärkt wirkt dieser Eindruck durch die beeindruckende Ausstrahlung der kunstvoll anmutenden Brennblasen.

 

 

Das ist aber bei weitem noch nicht alles, was dem Besucher geboten wird: In der gemütlichen Smokers-Lounge und dem großzügigen Tasting-Raum mit freiem Blick auf die Wirkungsstätte des Brennmeisters werden regelmäßig Verkostungen und Genussabende angeboten. Ganz frisch ist im Dezember 2017 der Shop hinzugekommen, optisch ebenfalls ein echtes Highlight, aus dem alles, was in der „Sauerländer Edelbrennerei“ produziert wird oder mit ihr in Verbindung steht, mit nach Hause genommen werden kann. Inzwischen kann man die Produkte auch bundesweit in zahlreichen Verkaufsstellen erwerben und ein Stück Sauerland genießen!

 

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Der Künstler Otmar Alt

 

Besucht man die „Sauerländer Edelbrennerei“, kommt man nicht um Otmar Alt – einen der bedeutendsten zeitgenössischen Künstler, der aber leider nicht aus dem Sauerland kommt – herum. Zunächst sind da die ausgestellten Kunstwerke im Produktionsbereich. Dann stammen alle Etiketten der Flaschen von ihm. Diese sind ähnlich wie Wimmelbilder gestaltet und „verbergen“ die jeweilige Hauptzutat. Häufig auch mit einem Augenzwinkern, wenn man beispielsweise an den „(Pferde)Apfel-Brand“ denkt…

 

 

Schließlich wäre da noch das Logo der „Sauerländer Edelbrennerei“. Inspiration hierfür war ein kleiner Rabe, der aus einem riesigen Mammutbaum gefallen war und zum Zeitpunkt der Motivsuche von dem Künstler aufgepäppelt wurde. Diesen findet man nun auf bunt verglasten Fenstern in der Edelbrennerei, auf der Schokolade im Shop und besonders auch im Whisky-Namen: „McRaven“.

 

 

Wie kommt der Whisky ins Fass

 

Wenn jemand an dieser Stelle eine fundierte biologische Prozessbeschreibung erwartet, so muss ich ihn leider enttäuschen. Zwar hat mir Thomas das ganze Verfahren wirklich spitzenmäßig erläutert und ich habe auch fleißig Notizen gemacht, musste aber nun zu dem Entschluss kommen, dass ich „An-dieser-Frage-Interessierte“ doch an die Profis verweisen muss. Ich hätte vorher nicht gedacht, dass das Ganze so umfangreich und kompliziert ist; mein Biologieunterricht ist einfach zu lange her, als dass ich das adäquat darstellen könnte. Also, auf zur Brennereibesichtigung!

An dieser Stelle lediglich eine Eckpunkte: Insgesamt dauert es ungefähr vierzehn Tage, bis der Whisky im Fass angekommen ist. Zur Lagerung nutzt die „Sauerländer Edelbrennerei“ Chianti-Fässer aus der Toskana. Frische Eichenfässer würden einen zu starken Holzgeschmack abgeben. Insgesamt lagert er dann exakt drei Jahren und einen Tag (nach einem Jahr wird er in Bourbon-Fässer umgefüllt), bis der „Single Malt“ entstanden ist. Vorher darf er sich per definitionem nicht „Whisky“ nennen. So kommt es, dass derzeit die Nachfrage teils höher als das Angebot ist: Der Whisky, der jetzt verkauft wird, stammt aus dem Jahr 2015 oder früher. Damals wurde noch mit der kleinen Brennblase gearbeitet, die nur 200 Liter fasste und nun für Brände und Geiste genutzt wird. Zum Vergleich: Die Große fasst das sechsfache Volumen, wird aber ausschließlich für Whisky genutzt, um das unvergleichbare Aroma nicht zu verunreinigen.

 

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Besonderes Augenmerk wird auch auf das verwendete Wasser gelegt. Dieses wird in einem Brunnen unmittelbar neben der Brennerei in 188 Metern Tiefe gewonnen und durch das 400 Millionen Jahre alte devonische Kalkgestein gefördert. Dem Laien banal erscheinend macht das wohl wirklich einen Riesen-Unterschied!

Dass hier wirklich ein besonderes Produkt entsteht, bestätigte auch die im ersten Anlauf 2015 beim „Internationalen Wein- und Spirituosen-Wettbewerb“ erlangte Silbermedaille. Der prämierte „McRaven“ zeichnet sich durch einen milden fruchtig-nussigen Geschmack und die unverwechselbare Bernsteinfarbe aus. Tatsächlich kann man selbst auch Besitzer eines ganzen Fasses oder eines Anteils werden. Nach drei Jahren hat man dann die Möglichkeit, dass Fass mit garantierten neun Prozent Rendite zurückzuverkaufen oder es veredeln und abfüllen zu lassen.

 

 

Das traditionsbewusste Jungunternehmen verschließt sich neben seinen eigenen Kreationen auch nicht vor alten Sauerländer Rezepten, die regelmäßig ausprobiert und bei Gefallen produziert werden. Schönstes Beispiel dafür ist der „Heu-Geist“. Auf einer eigens dafür genutzten Wiese wird das Gras per Hand gemäht, damit keine Verunreinigungen durch Maschinen entstehen. Nach dem Trocknen wird das Heu drei Monate in Alkohol eingelegt und kommt sogar mit in die Brennblase. Ähnlich verhält es sich bei den Obst-Bränden. Anstatt Zusätze oder Aromen zu verwenden, wird hier daran gearbeitet, die Frucht in die Flasche zu bringen!

Doch nicht nur der Inhalt der Flasche, sondern auch ihre Optik machen sie zu einem Unikat: Alle sind von Hand verkorkt, mit Siegellack verschlossen und mit Otmar Alts Motiven etikettiert. Eigentlich fast zu schade, sie zu öffnen…

 

Logo Mirabelle Otmar Alt

 

Da ich selbst keinen Whisky trinke, wusste ich bisher nicht, was ein „guter“ oder eben auch ein „schlechter“ ist. Was ich aber verstanden habe: Das Urteil hängt von zahlreichen Faktoren wie der Qualität und der Verarbeitung der Rohstoffe und des verwendeten Wassers, dem Destillationsprozess, den Fässern und der Lagerung ab. So ergeben sich unendlich viele Kombinationsmöglichkeiten, die zu immer neuen Geschmackskomponenten führen. Und eben das bietet das Erlebnis für den wahren Whiskykenner!

 

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Sauerländer Edelbrennerei, In der Günne 22, 59602 Rüthen

http://www.sauerlaender-edelbrennerei.de

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