SERIE „MATERIAL“: METALL IN SEINER SCHÖNSTEN FORM…

ODER: VON BRUNNEN, SKULPTUREN, GEMÄLDEN UND TREPPEN – ENTDECKUNGSTOUR AUF „HOF VISBECK“

Eigentlich hatte ich mich auf den Weg nach Meschede-Visbeck gemacht, um meine Serie fortzuführen und mehr über Metall als Gestaltungsmaterial für Kunstwerke zu erfahren. Ziemlich schnell musste ich feststellen: Würde ich mich darauf beschränken, ließe ich Allerhand außer acht, was die Arbeit des Künstlerpaares Stefanie Schenk-Busse und Björn Busse zu bieten hat.

 

 

„Hof Visbeck“

Ich möchte mit dem Gebäude anfangen, weil es nun mal das Erste ist, was einem ins Auge sticht: Der „Hof Visbeck“ ist ein alter Bauernhof, der sich aber aufgrund seiner Größe nicht mehr für die Milchwirtschaft eignete. Also baute sich die Familie Schenk-Busse den Komplex ab dem Jahr 1999 zu ihrem persönlichen Künstler- und Wohnparadies um. Was dort entstanden ist, hat mir buchstäblich nicht nur ein paar Momente den Atem geraubt, sondern mich wirklich nachhaltig beeindruckt.

 

 

Im ca. 1500 Quadratmeter großen Park mit kleinem See können in sauerländischer Idylle schon zahlreiche Kunstwerke wie Brunnen, Skulpturen (die preisgekrönte „Lyra“ steht auch hier) und ein kunstvoll geschmiedeter Pavillon bewundert werden.

 

 

Das Erdgeschoss des Gebäudes bietet neben der Kunstschmiede auch einen Ausstellungsraum, der zusätzlich zu eigenen Gemälden und Skulpturen gelegentlich auch die Arbeit anderer Künstler in einem Ambiente gemischt aus moderner Klarheit und traditionellen Bauelementen präsentiert.

 

 

Diese wunderschöne Kombination aus „Alt und Neu“ setzt sich auch im Treppenhaus und Obergeschoss fort, das das Designatelier und die Privatwohnung beherbergt. Die Umgestaltung und räumliche Planung sowie weite Teile der Ausführung hat das Künstlerpaar selbst übernommen.

 

 

Nach meinem zugegebenermaßen etwas weiteren Verständnis des Begriffes „Kunstwerk“ ist der gesamte Hof mit seiner Innengestaltung definitiv ein solches. Kunst hat schließlich damit zu tun, dass man Überraschendes sieht, staunend dasteht, für einen kurzen Moment seinem Alltag entrissen wird und die Schönheit dieses „Objektes“ noch lange vor seinem geistigen Auge hat, obwohl man es in Wirklichkeit schon lange nicht mehr sieht. Und genauso geht es mir, wenn ich an die lichtdurchfluteten, offenen Räume mit riesenhohen Wänden, den wunderschönen Holzboden, die „hängenden Treppen“  und das moderne, reduzierte, komplett stimmige Design in jedem einzelnen Bereich denke. Hier wird klar: So etwas gibt’s kein zweites Mal!

Das alles sollte nicht Inhalt dieses Artikels werden, aber ich konnte es einfach nicht verschweigen. Nun endlich zurück zu den eigentlichen Kunstwerken und Künstlern:

 

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Stefanie Schenk-Busse

Geboren und aufgewachsen im Sauerland ist Stefanie Schenk-Busse nach einigen auswärtigen Jahren wieder in ihre Heimat zurückgekehrt. Ihre Arbeit auf Hof Visbeck ist – wie auch ihre Ausbildung: sie studierte Objekt-Design und Kommunikationsdesign mit den Schwerpunkten Akt- und Portraitmalerei, Grafik-Design und Fotografie – vielfältig. Das zeigte auch schon der erste Rundgang durch das Gebäude: In ihrem Designatelier entwirft sie die Metallobjekte und –skulpturen, die ihr Mann später fertigt. Wichtigstes Utensil ist dabei ihr Skizzenbuch, in dem sie spontane Ideen sammelt.

 

 

Auch eine zwei Meter große Skulptur beginnt mal mit einem einzigen Strich! Von dort bis zum fertigen Entwurf ist es allerdings noch ein weiter Weg. Aufgrund der Beschaffenheit des Materials und anderer physikalischer Gegebenheiten sind der Kreativität natürlich Grenzen gesetzt. Alles geschieht in enger Absprache zwischen „Kopf“ (Stefanie Schenk-Busse) und „Hand“ (Björn Busse). So wird ein Entwurf mehrfach überarbeitet und angepasst, bis es schließlich zur Fertigung kommt.

Daneben zählen auch Grafik, Fotografie, Illustration und Malerei zu ihren Arbeitsfeldern. Die Malerei nimmt dabei einen besonderen Stellenwert ein, weil sich die Künstlerin hier komplett frei und kreativ ausleben kann. Ohne an Vorgaben gebunden zu sein, kann aus einem Farbklecks auf weißem Hintergrund wirklich alles werden…

 

Akt Orange klein

Björn Busse

Man möchte meinen, dass bei einem gelernten Kunstschmied das favorisierte Material eindeutig „Metall“ sein muss. Aber ganz so leicht lässt sich Björn Busse – ebenso wie seine Frau – da nicht festlegen. Seine eigentliche Faszination gilt dem Wasser. Dieses gleichmäßig über eine Fläche gleiten zu lassen oder ihm kunstvoll eine bestimmte Fließrichtung vorzugeben, daran tüftelt Herr Busse teilweise wochenlang. Ergebnis sind einzigartige Brunnen in den verschiedensten Ausformungen.

 

 

Matter Edelstahl hat besonders gute Eigenschaften für die „Steuerung“ des Wassers. Zur farblichen Gestaltung wird aber auch Corten-Stahl verwendet.

Eine weitere Leidenschaft von Herrn Busse ist die Planung und der Bau von Treppen in besonderem Design. Weil die Stufen nur an dünnen Drahtseilen „hängen“, hat man bei einzelnen Exemplaren auf „Hof Visbeck“ den Eindruck, die Stufen müssten wackeln, wenn man sie betritt… Tun sie aber nicht!

Von Hof Visbeck in die „große, weite Welt“…

Viele Objekte des Künstlerpaares haben den „Hof Visbeck“ bereits verlassen und einige von ihnen sind an besonderen Orten zu finden. Prominentester davon ist sicherlich der Landtag in Düsseldorf, der seit November 2013 von den fünf Skulpturen „Im Aufbruch“ geschmückt wird.

 

Landtag A (1), Fotograf Arne Weiss

 

Der Name des Kunstwerkes darf gern als Motto für die, die sich darin spiegeln, verstanden werden. Das sind neben den Politikern, die dort täglich ein und aus gehen, nämlich wir alle! Geheimtipp der Künstlerin: In der Abenddämmerung soll der spiegelnde Effekt der Skulpturen besonders gut zur Geltung kommen…

 

 

Auch im Sauerland sind auf öffentlichen Plätzen Skulpturen der Busse-Schenks zu finden. In Lennestadt-Elspe beispielsweise steht eine solche. Zunächst geplant war eine Darstellung der Jacobsmuschel. Diesen Entwurf fertigte die Künstlerin auch an, zusätzlich aber noch einen zweiten, in dem sie sich ganz von der Vorgabe löste und einen modernen stelenförmigen Brunnen präsentierte. Und was glaubt ihr wohl, für welchen sich die als traditionell geltenden Sauerländer entschieden haben? Richtig:

 

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Ein Besuch auf „Hof Visbeck“ lohnt sich wirklich! Öffnungszeiten von Park, Schmiede, Designatelier und Ausstellung können der Homepage entnommen werden:

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„Hof Visbeck“, Fischbachstraße 33, 59872 Meschede Visbeck

http://www.busse-schenk.de

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