THERESA KNIPSCHILD MACHT LUST AUF „BACKEN IM WINTER“

ODER: WENN DER SAUERLÄNDER WINTER NACH ZIMT UND KUCHEN DUFTET…

Draußen hängt der Novembernebel über den Sauerländer Hügeln, drinnen duftet es nach Zimt, Vanille und frisch gebackenem Kuchen. Na, bekommst du da nicht auch sofort Lust, den Backofen anzuwerfen? Wenn die Tage kürzer werden und es draußen langsam ungemütlich wird, gibt es doch kaum etwas Schöneres, als sich ein bisschen Kuchenglück auf den Teller zu zaubern. Und wer könnte dir dafür bessere Inspirationen liefern als Theresa Knipschild? Die gebürtige Sauerländerin hat mit „Backen im Winter“ ein neues Buch herausgebracht, das schon beim Durchblättern Appetit macht. Nachdem ich Theresa bereits zweimal zum Interview getroffen habe, wird es also höchste Zeit für eine dritte Runde! Diesmal geht’s um süße Winterträume, Kindheitserinnerungen ans Sauerland und die Frage, warum beim Backen nicht immer alles perfekt sein muss. Also, schnapp dir einen Kaffee, mach’s dir gemütlich und lass dich ein bisschen verführen:

So lecker, dass man nicht mehr aufhören möchte

Theresa, draußen wird es früher dunkel, drinnen duftet es nach Zimt, Vanille und frisch gebackenem Kuchen. Ist der Winter für dich eigentlich die schönste Jahreszeit zum Backen oder schlägt dein Herz doch für eine ganz andere Saison?

Ich liebe den Herbst und den Winter. Wenn es draußen früher dunkel und langsam kälter wird, ist das für mich die schönste Zeit des Jahres. Ich mag diesen Wechsel der Jahreszeiten sehr. Dass sich die Natur verändert, alles ein bisschen ruhiger wird und man sich wieder mehr drinnen oder dick eingepackt draußen aufhält. Vielleicht gefällt mir dieser Übergang auch deshalb so gut, weil er mich daran erinnert, dass alles ständig in Bewegung ist und sich immer wieder verändert.

Dein neues Buch heißt „Backen im Winter“. Was macht für dich den besonderen Zauber der Winterbäckerei aus und worauf freust du dich jedes Jahr ganz besonders, wenn die Temperaturen sinken?

Im Herbst und Winter macht mir das Backen besonders viel Freude. Ich habe zwar eigentlich immer Lust auf Kuchen, aber in der kalten Jahreszeit ist sie noch größer. Ich liebe es, im Herbst und Winter draußen in der Natur unterwegs zu sein. Wenn dann noch Schnee liegt, die Sonne scheint und mein Hund durch den frischen Schnee hüpft und dann auch noch zu Hause ein Stück Kuchen auf mich wartet, dann bin ich glücklich.

Von Lebkuchen über Stollenkonfekt bis hin zu aufwendigen Torten ist in deinem Buch alles vertreten. Gibt es ein Rezept, bei dem du selbst überrascht warst, wie gut es am Ende geworden ist?

Die Petit Fours! Ich liebe ja einfach klassische Konditoreiprodukte und Buttercreme. Diese Petit Fours sind mit ein bisschen Fingerspitzengefühl wirklich gut nachzumachen und die Buttercreme besteht aus gezuckerter Kondensmilch und Butter, ich war mir selber unsicher ob das klappt. Und es klappt und schmeckt köstlich.

Bevor es an die Rezepte geht, vermittelst du deinen Leserinnen und Lesern zunächst einiges an Grundwissen. Welche Fehler begegnen dir beim Backen besonders häufig und welchen einfachen Trick sollte wirklich jeder kennen?

Ich glaube, zwei Dinge sind besonders wichtig: auf die Temperatur der Zutaten zu achten und dem eigenen Ofen nicht blind zu vertrauen. Wenn im Rezept zum Beispiel zimmerwarme Eier stehen, am besten schon einen Abend vorher aus dem Kühlschrank nehmen. Das klingt erstmal nach einer Kleinigkeit, kann beim Backen aber einen großen Unterschied machen. Und auch die Backzeiten sind immer nur ungefähre Richtwerte, denn jeder Ofen backt ein bisschen anders. Deshalb lohnt es sich, auf die Stäbchenprobe zu vertrauen und mit der Zeit ein Gefühl dafür zu entwickeln, wann ein Kuchen wirklich fertig ist. Manchmal sind ein bisschen Aufmerksamkeit und die eigene Erfahrung hilfreicher als ein Blick auf die Uhr.

Gerade in der Vorweihnachtszeit möchten viele Menschen backen, haben zwischen Geschenkekauf, Weihnachtsfeiern und Alltag aber kaum Zeit. Welches Rezept aus deinem Buch würdest du jemandem empfehlen, der in nur einer Stunde etwas richtig Leckeres zaubern möchte?

Der Nusskuchen ist ruckzuck gemacht und eins meiner Lieblingsrezepte. Oder vielleicht einfach das Backen als stresslösenden Faktor nutzen!

Lebkuchen und Stollen gehören zu den Klassikern der Weihnachtszeit. Wie gelingt es dir, solchen traditionellen Rezepten deine ganz persönliche Handschrift zu verleihen, ohne dass ihr ursprünglicher Charakter verloren geht?

Gerade bei diesen beiden Klassikern ist in der traditionellen Backstube viel Genauigkeit und Geschick gefragt. Lebkuchenteig wird häufig monatelang gelagert, Stollenteig hat auch eine besondere Teigführung. Ich habe die Rezepte sehr stark vereinfacht, sodass die Vorweihnachtszeit eben nicht in Stress ausartet und man trotzdem seine Lieblingsklassiker selbst herstellen kann.

Selbst gemachte Geschenke aus der Küche bekommen in deinem Buch ebenfalls ihren Platz. Was würdest du jemandem schenken, der eigentlich schon alles hat – und wie wird aus einer kleinen Leckerei ein richtig besonderes Geschenk?

Lebkuchengewürz geht immer. Ich verwende das sogar im Sommer, dann zwar in geringer Dosis, aber das verleiht nochmal besondere Tiefe. Auch an herzhaftem Wirsing oder Kürbis ist das einfach lecker. Gelees oder Marmeladen finde ich auch immer praktisch zu verschenken.

Wenn du an deine eigene Kindheit zurückdenkst, welcher Duft, welches Gebäck oder welche Erinnerung bringt dich sofort zurück in die Weihnachtszeit von damals? Und findet sich davon vielleicht sogar etwas in deinem neuen Buch wieder?

Aus meiner Kindheit haben es viele Rezepte ins Buch geschafft! Die Husarenkrapfen zum Beispiel, die ich schon immer am liebsten gegessen habe. Oder der schnelle Nusskuchen, den es häufig in meiner Familie gab… Auch kleine Details finden sich im Buch wieder, wie das Weihnachtsgeschirr meiner Mutter, das sie schon verwendet, seit ich denken kann, das gehört für mich einfach zur Weihnachtszeit dazu. Die Schmandmandarinentorte erinnert mich auch an die Zeit im Sauerland, weil es die gefühlt auf jedem Schulbasar oder Flohmarkt gab. Lecker!

Stell dir vor, du müsstest den gesamten Winter mit nur drei Backzutaten auskommen – welche wären das und was würdest du daraus zaubern?

Wenn alle Grundzutaten vorhanden sind, würde mir Zimt reichen! Zimt geht immer und ist mein absolutes Lieblingsgewürz, immer und zu jeder Tages- und Jahreszeit.

Hinter einem Backbuch steckt sicherlich viel mehr Arbeit, als man beim gemütlichen Blättern vermutet. Wie viele Anläufe braucht es manchmal, bis ein Rezept wirklich buchreif ist, und wer darf sich eigentlich durch all deine Kreationen probieren?

Manche Kuchen oder Gebäcke brauchen tatsächlich mehrere Anläufe und kommen dann verbessert ins Buch oder werden aussortiert. Mir ist es ja immer wichtig, dass die Rezepte gelingsicher sind und trotzdem eine kleine Besonderheit, wie zum Beispiel eine außergewöhnliche Geschmackskombination beinhalten. Wenn ich beim Rezepte schreiben merke, dass der Ablauf schwer in Worte zu fassen ist, überdenke ich das Rezept meistens und überlege, ob das auch für nicht Backerfahrende überhaupt umsetzbar ist.

Weihnachten ist für viele auch mit hohen Erwartungen verbunden – gerade, wenn es ums perfekte Festessen und die schönste Kaffeetafel geht. Wie viel Perfektion braucht es deiner Meinung nach wirklich, damit etwas Selbstgebackenes glücklich macht?

Perfektion am besten gar nicht. Ich glaube ehrlich, dass Liebe und ein gutes Rezept viel ausmachen und dass man das schmeckt. Klar geht es um Süße, Säure, Konsistenzen und Geschmack, aber wenn die grundlegenden Dinge vorhanden sind, finde ich Perfektion eher hinderlich. Das war mir auch bei den Fotos für mein Buch wichtig: Sie sollten nicht zu perfekt gestylt aussehen, sondern natürlich und lebendig sein. Ich bin sehr froh, dass ich mit der Fotografin Kathrin Koschitzki zusammenarbeiten durfte. Sie hat genau diese Stimmung eingefangen, die ich mir für das Buch gewünscht habe.

Angenommen, du müsstest dem Sauerland eine eigene winterliche Kuchenkreation widmen. Wie würde sie aussehen, welche Zutaten dürften nicht fehlen und welchen Namen würdest du ihr geben?

Boah, gute Frage! Es wäre auf jeden Fall ein Kuchen mit Äpfeln und Butter. Bodenständig, ehrlich und vielleicht auf den ersten Bissen ganz gewöhnlich – aber so lecker, dass man gar nicht mehr aufhören möchte, ihn zu essen. Ein Kuchen, der nicht mit viel Schnickschnack beeindrucken muss, sondern einfach glücklich macht. Danach fühlt man sich nicht übersättigt, sondern angenehm warm und zufrieden.

Na, hast du jetzt auch Lust bekommen, die Rührschüssel aus dem Schrank zu holen? Dann dürfte „Backen im Winter“ von Theresa Knipschild genau das Richtige für dich sein! Und wer weiß, vielleicht landet ja schon bald ein neues Lieblingsrezept auf deiner Kaffeetafel. Schließlich gibt es kaum etwas Schöneres, als nach einem Spaziergang durch die kalte Sauerländer Winterluft nach Hause zu kommen und sich mit einem Stück selbst gebackenem Kuchen aufzuwärmen. Und mal ehrlich, wenn der November schon grau und ungemütlich ist, darf es auf dem Kuchenteller ruhig ein bisschen süßer werden, oder?

https://www.zsverlag.de/book/backen-im-winter-hardcover-bebildert-9783965846142

https://www.theresa-knipschild.de/

https://www.instagram.com/theresaskuchen

Die Fotos wurden mit freundlicher Unterstützung von Theresa Knipschild (Fotografen: Kathrin Koschitzki, Ben Fuchs, Claudia Timmann, Jens-Uwe Thiele, Theresa Knipschild) zur Verfügung gestellt.

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