JONAS KLUR – EIN LEBEN IM DIENST DER KIRCHE

ODER: ÜBER GOTT UND DIE WELT REDEN…

Influencer, Filmstar oder Profifußballer – wenn du Kinder hast, weißt du genau, welche Berufswünsche gerade schwer angesagt sind! Und machen wir uns nichts vor, Priester gehört definitiv nicht dazu. Vielleicht liegt es an der Krise, in der die Kirche gerade steckt, vielleicht an den Einschränkungen, die dieses Amt scheinbar mit sich bringt, vielleicht aber auch daran, dass viele gar nicht wissen, welche vielfältigen und erfüllenden Aufgaben sich hinter diesem Beruf verbergen… Auch Jonas Klur aus Wenden-Altenhof hatte zunächst andere Pläne und begann ein Lehramtsstudium, doch dann sollte alles anders kommen:

Die Krise ist Herausforderung und Chance zugleich

Jonas, vor fünfzehn Jahren haben wir zwei Semester gemeinsam am Katholisch-Theologischen Seminar in Marburg auf Lehramt studiert. Was hat dich dazu bewogen, deine beruflichen Pläne zu ändern und Priester zu werden? Und sprechen wir überhaupt von einem Beruf oder eher von einer Berufung?

Damals in Marburg habe ich noch überlegt, was ich mit meinem Leben machen soll, und habe mich da schon insgeheim gefragt, ob ich nicht Priester werden soll. Diese Frage beschäftigte mich schon länger, und im ersten Studienjahr hat sich das dann verfestigt. Ich wollte dann noch mal raus, obwohl mir das Theologiestudium sehr gefallen hat, und dann hat sich ergeben, dass ich als Missionar auf Zeit nach Bolivien gegangen bin. Da hatte ich mal Zeit und Raum dafür, zu überlegen, was ich eigentlich will, und dann ist die Entscheidung gefallen, nach meiner Rückkehr aus Bolivien ins Priesterseminar zu gehen. Ich habe erkannt, dass ich so mein Leben am besten einsetzen und Gott und den Menschen dienen kann. Und ich würde es tatsächlich als Berufung bezeichnen, denn man ist nicht nur wie in einem klassischen Job von 8 bis 16 Uhr damit beschäftigt, sondern es umfasst das ganze Leben. Natürlich gibt es auch ein Privatleben, aber egal wo ich bin, auf dem Sportplatz oder beim Einkaufen, bin ich ja Priester.

Vielen denken, Ärzte, Anwälte oder vielleicht sogar Lehrer hätten die längste Ausbildung… Welche Stationen hast du auf deinem Werdegang absolviert, bevor du im vergangenen Sommer deine Stelle als Pfarrer in Neunkirchen angetreten hast?

Als ich aus Bolivien zurückgekommen bin, war ich zwei Jahre im „Leokonvikt“, also im erzbischöflichen Priesterseminar in Paderborn, und habe dort Theologie studiert. Dann war ich drei Jahre in Rom und habe dort im „Germanicum“ gewohnt, das ist ein Haus für deutschsprachige Priesteramtskandidaten. In der Zeit habe ich dort an der „Gregoriana“, der päpstlichen Universität, studiert. Zurück in Deutschland habe ich in Unna ein Jahr lang ein Praktikum absolviert und wurde in Neheim-Hüsten zum Diakon geweiht. Dann war ich noch einmal für zwei Jahre in Rom und habe dort ein Aufbaustudium im Bereich der Moraltheologie gemacht. Ab 2017 war ich für fünf Jahre in Höxter, zuerst als Vikar, später als Pastor, und seit August bin ich jetzt hier in Neunkirchen.

Nun hast du auch noch ein Promotionsstudium im Fach der Moraltheologie an der Universität Trier aufgenommen. Warum ist es dir wichtig, besonders in diesem Bereich auf ein noch fundierteres Wissen zurückgreifen zu können?

Das Schöne an Moraltheologie ist, dass es darum geht, zu überlegen, was verändert der Glaube ganz konkret für mein Leben. Das ist eine sehr spannende Frage, finde ich; also, nicht nur irgendwelchen Theorien nachzugehen, sondern wirklich ganz praktisch daran zu gehen. Was sind gute Entscheidungen, wenn es zum Beispiel um den Schutz des Lebens geht oder darum, wie wir miteinander umgehen, was ist im politischen Bereich zu beachten, aus einer christlichen, aber auch aus einer allgemeinen Perspektive – das sind solche Fragen, mit der sich die Moraltheologie beschäftigt. Das Spannende ist eben auch, dass man dabei nicht nur in einem theologischen Binnengewässer bleibt, sondern dass man immer auch im philosophischen Bereich oder anderen Wissenschaften fischt und in den Dialog kommt.

Wo du sonntagsmorgens anzutreffen bist, weiß jeder, doch die wenigsten bekommen mit, was ein Pfarrer außerhalb der Heiligen Messe zu tun hat. Wie gestaltet sich dein Berufsalltag?

Jeder Tag ist im Grunde genommen anders… Dadurch, dass ich das Promotionsstudium parallel mache, verwende ich den Vormittag häufig, um zu lesen und mit der Doktorarbeit weiterzukommen. Nachmittags und abends ist dann Zeit, um Menschen zu besuchen, zum Beispiel ältere Menschen oder die, wo ein Familienmitglied verstorben ist, um Geburtstagsbesuche zu machen, Brautpaare auf die Trauung vorzubereiten, Jugendtreffen und Messdienergruppen zu begleiten und eben für die Belange der Gemeinde da zu sein. Ich habe fast jeden Tag auch eine Messe, und dann gibt es auch noch Vorbereitungstreffen zum Beispiel mit anderen Priestern oder der Gemeindereferentin, um Dinge zu planen oder zu reflektieren. Also, da ist wirklich kein Tag wie der andere – das ist sehr abwechslungsreich.

Du bist in Siegen geboren, aber im Sauerland aufgewachsen, hast dein Abitur in Olpe gemacht. Wie wichtig ist es dir, nun auch wieder in der Nähe arbeiten zu können? Und was bedeutet Heimat für dich?

Tatsächlich bin ich sehr flexibel, ich könnte eigentlich auf der ganzen Welt arbeiten; es wäre auch kein Problem, wenn der Bischof mich morgen in ein anderes Land schicken würde, dann würde ich schauen, wie man das hinbekommt und mich auf den Weg machen. Also, ich bin nicht so sehr auf eine Gegend festgelegt und finde es auch immer wieder cool, neue Orte und vor allem Menschen kennenzulernen. Der klare Vorteil hier ist aber natürlich, dass ich ganz schnell Freunde besuchen kann; ich bin in einer halben Stunde in Wenden oder im Olper Raum, das macht es dann schon leichter, den persönlichen Kontakt zu halten. Also, Heimat ist für mich da, wo ich mich wohl fühle und wo ich Menschen kenne und die mich kennen…

Bei den „Sportfreunden Siegen“ und der „SpVg Olpe“ hast du sehr erfolgreich Fußball gespielt. Vermisst du das manchmal? Und wechselst du das Messgewand gelegentlich auch noch einmal gegen das Trikot?

In Höxter habe ich tatsächlich noch aktiv gespielt, in der Bezirksliga beim „SV Höxter“; im Juni habe ich das letzte Spiel da absolviert. Aktuell ist das ein bisschen weniger geworden, aber ich spiele immer noch, und zwar am Montagabend bei den „Alten Herren“ der „SpVg Olpe“. Zusätzlich halte ich mich auch noch anders fit, gehe zwei, drei Mal die Woche joggen – es ist mir sehr wichtig, auch weiter Sport zu machen.

Wer sich für das Priesteramt entscheidet, hat vermeintlich mit vielen Einschränkungen zu leben, etwa durch den Zölibat. Haben solche Gedanken bei dir auch eine Rolle gespielt; war es schwer, dich von der Vorstellung einer eigenen Familie zu verabschieden?

Das ist eine wichtige Frage: Kann ich das, soll ich das, will ich das? Ich habe es nicht bereut, diese Lebensform zu wählen, ganz im Gegenteil, ich sehe große Chancen darin. Priester wird man nicht, weil man ein großes Opfer bringen will, sondern aus einer Faszination heraus. Das Faszinierende ist eben wirklich, ganz aus der Beziehung mit Gott zu leben – das ist die Idee des Zölibats. Das setzt voraus, dass man eine gewisse Liebe zu Jesus haben muss, sonst kann das nicht gelingen. Wie jede Lebensform ist das etwas, das mit Höhen und Tiefen verbunden ist, und das muss auch reifen; mit der Zeit erkennt man dann die ganzen Schätze, die dahinter verborgen sind.

Ich denke, wir können nicht verschweigen, dass die Kirche aktuell in einer tiefgreifenden Krise steckt; die Zahl der Kirchenaustritte ist so hoch wie nie, die Wahrnehmung in der Öffentlichkeit eine ganz andere als noch vor einigen Jahren. Was macht das mit dir?

Das ist eine Herausforderung für alle, die in der Kirche engagiert sind, sei es beruflich oder ehrenamtlich. Auch für mich ist das natürlich eine Herausforderung, sich nicht zu sehr von dem Negativen, das es ja auch in der Kirche gibt, aufzehren zu lassen, denn das ist nicht die ganze Wirklichkeit. Es gibt immer wieder Menschen, die Kirche als sehr gut und wohltuend empfinden, und ich sehe immer wieder auch, wie viele Menschen im Raum der Kirche aufblühen, wie viele Menschen auch immer wieder neu dazukommen, und das motiviert mich. Dieses Positive, all die vielen positiven Aufbrüche muss man immer auch mit im Blick haben, denn das gehört eben auch zur Wirklichkeit dazu.

Wie kann es gelingen, aus dieser Krise wieder herauszukommen und den Blick auf die vielen positiven Seiten der Kirche zu lenken? Können der „Synodale Weg“ oder vielleicht sogar Reformbestrebungen wie die der Initiative „Maria 2.0“ hierzu einen wichtigen Beitrag leisten?

Was man sehen kann, ist, dass viele gar nicht mehr wissen, was das Gute am Christentum ist. Es fällt Leuten sehr viel leichter zu sagen, was schlecht an Kirche und am Christentum ist. Man darf aber nicht vergessen, was der eigentliche Schatz ist, und der muss in der Tat noch einmal neu geborgen werden. Das sind nicht irgendwelche Gebäude oder goldene Kelche oder so, das ist Jesus Christus. Er ist der Kern der Kirche, er ist das, was sie ausmacht; durch sie wissen wir von ihm und bekommen in den Sakramenten immer wieder Zugang zu ihm. Diesen Schatz wieder neu zu bergen, ist Herausforderung und Chance dieser Zeit zugleich.

Du bist mit kleinen Videos auf YouTube und Instagram aktiv. Wie wichtig ist es, junge Menschen auch auf diesem Wege anzusprechen?

Kirche hat häufig das Problem, dass sie um sich selbst herumkreist und nur die Menschen erreicht, die ohnehin zu ihr kommen. In den sozialen Medien sind sehr viele Menschen, die das ganze Jahr über keine Kirche betreten und gar keinen Kontakt zu ihr haben, und da ist es natürlich ein Vorteil, diese Menschen ganz leicht auf einem solchen Weg erreichen zu können. Ich bekomme dann auch Feedback, wo junge Leute sagen, dass ihnen das ein oder andere Video weitergeholfen hat; das freut mich dann besonders. Denn wir Christen haben ja eine Botschaft, die auch ganz konkret etwas im Leben verändern möchte, und diese Botschaft gebe ich sehr gern auch über diese Medien weiter. In der Corona-Zeit war ich da sehr aktiv, aktuell habe ich auch wieder zwei neue Videos vorbereitet; ich möchte das auf jeden Fall weiter verfolgen.

Alte Studienkollegen wiederzutreffen, ist immer eine große Freude! In diesem Fall hat es mir besonders viel Spaß gemacht, denn mit Jonas kann man tatsächlich ganz wunderbar über Gott und die Welt reden… Falls auch du noch mehr erfahren möchtest, schau doch mal bei seinen Videos auf Instagram oder YouTube rein es lohnt sich, und sei es nur als kleiner Denkanstoß:

Jonas Klur, Pastoraler Raum Südliches Siegerland, Bonifatiusweg 6, 57290 Neunkirchen

https://www.instagram.com/klurjonas/

https://www.youtube.com/@MrJonas2007/videos

Die Fotos mit Ausnahme des Bildes von Jonas vor der Kirche und vor dem Bücherregal wurden mit freundlicher Unterstützung von Jonas Klur zur Verfügung gestellt.

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