SERIE „MATERIAL“: VON GOLD UND EDLEN STEINEN

ODER: IN DER „GOLDSCHMIEDE KATJA TAUBERT“ WIRD FÜR DIE EWIGKEIT GEARBEITET…

Wahrscheinlich gibt es kein anderes Material, wovon es so wenig gibt und was dennoch in aller Munde ist, als Gold. Es steht in Form von wunderschönem Schmuck ganz weit oben auf der Wunschliste vieler Frauen und auch in Barrenform ist es für das ein oder andere Bankschließfach hochbeliebt.

Das ist wirklich erstaunlich, wenn man sich überlegt, wieviel Gold sich insgesamt auf der Welt in Menschenbesitz befindet: Würde man es einschmelzen und in einen Würfel gießen, hätte der gerade mal eine Seitenlänge von jeweils zwanzig Metern. Das ist nicht viel… Aber das erklärt den Preis. Und die Vorstellung, dass Gold etwas Besonderes, Hochwertiges und Exklusives ist.

 

Collier (1)

 

Diese Vorstellung ist keineswegs neu. Die Geschichte der Goldschmiedekunst reicht in Europa weit über die klassische Antike hinaus bis in fünfte vorchristliche Jahrtausend. Auch außerhalb Europas war diese Kunst schon früh auf sehr hohem Niveau, wie man an dem berühmten Sarkophag des Pharaos Tutanchamun erkennen kann. Die Goldschmiede hatten schon damals verstanden, dass sie so etwas Bleibendes schaffen konnten. Das Besondere an Gold ist schließlich, dass es nicht oxidiert. Bedeutet: es rostet nicht und bleibt somit für die Ewigkeit erhalten…

 

Katja Taubert und das Gold – eine Leidenschaft fürs Leben

 

Warstein-Allagen erreicht man – wenn man aus der richtigen Richtung kommt – über die „Sauerlandstraße“. Angekommen, befindet man sich schon fast am Rand des Sauerlands. Das erkennt man auch daran, dass sich die „tausend Berge“ allmählich lichten und im sanften Übergang zur „Soester Börde“ werden.

 

 

Genau hier lebt und arbeitet Katja Taubert. In ihrem lichtdurchfluteten Atelier mit großzügigem Arbeitsplatz und angeschlossener Werkstatt hat sie einen wunderbaren Ausblick auf die eben erwähnte „Übergangslandschaft“. Inspiration ist also reichlich da, und dass hier ein absolut kreativer Mensch wirkt, sieht man sofort!

Verglichen mit der langen Geschichte der Goldschmiedekunst ist Katja Taubert noch ein Neuling, aber dieser Vergleich wäre zugegebenermaßen unfair. In Wirklichkeit nämlich kann wohl kaum jemand ihr etwas an Berufserfahrung in diesem Bereich vormachen. Ihre Liebe zu Gold entdeckte sie schon sehr früh und bestätigte sie im Alter von 14 Jahren in einem Schülerpraktikum. Von da an war klar, was anderes geht nicht!

Nachdem sie ihre Ausbildung auf der Düsseldorfer „Kö“ abgeschlossen hatte, studierte sie auch noch einige Semester Schmuckdesign. Mit dieser Erweiterung ihres Berufsfeldes ging´s zurück an die Meisterschule. Seit 2000 arbeitet sie nun als selbstständige Goldschmiedemeisterin, Diamantgutachterin und Gemmologin in ihrem Atelier in Warstein-Allagen.

 

Vom Papier an den Finger…

 

Geht man mit offenen Augen durch das Sauerland, entdeckt man eigentlich an jeder Ecke etwas, das man „schön“ findet. Seltener sind dann die wirklichen „Wow-Momente“; ist auch gut so, sonst würden sie sich abstumpfen. Man findet sie dennoch! Seitdem ich im „zauberhaften Sauerland“ unterwegs bin, habe ich schon einige davon erlebt.

Bei Katja Taubert hatte ich einen davon, nämlich da, als sie die Skizzen für ihren Schmuck hervorholte. Auf den ersten Blick: Mit einem Grafikprogramm digital perfekt erstellte Entwürfe… Aber das Papier sah gar nicht aus, als würde es in einen Drucker passen?! Und richtig: Katja Taubert hatte sie von Hand gezeichnet. Ganz ohne Hilfsmittel, außer Stifte und Papier natürlich. Den Stift sieht sie dabei als „Verlängerung ihres Arms“, mit dem sie ihre Ideen direkt umsetzen kann. Die Zeichnung wirkt tatsächlich so plastisch, dass der Kunde das spätere Objekt schon dreidimensional sehen kann. Auch dann können noch Änderungswünsche eingearbeitet werden.

 

Skizzen_Katja_Taubert

 

Um mit der Anfertigung – nehmen wir hier das Beispiel des Ringes – beginnen zu können, muss das Gold zunächst in eine Form gebracht werden, in der es weiterverarbeitet werden kann (sofern es nicht schon als „Plättchen“ vorliegt). Dazu wird es in einem Schmelztiegel, der große Ähnlichkeit mit dem hat, den man beim alljährlichen Bleigießen nutzt, mit einem Lötgerät auf 900 Grad erhitzt. Flüssig wird es dann in eine Form gegossen und ausgekühlt. Nun hat man sozusagen eine kleine „Gold-Wurst“.

 

Ring_Rohling_Gold

 

Diese wird so lange durch die Walzmaschine gedreht, bis eine feine, ebene Oberfläche entstanden ist – ähnlich wie beim Kuchenteig-Ausrollen. Jetzt muss sie in die richtige Form gebogen und gewölbt werden; bei unserem Ring wäre das ein Kreis. Und plötzlich gibt´s da ein Problem, nämlich die Lücke zwischen den beiden Enden. Wie gut, dass der Goldschmied hier „sein“ Material quasi wie Kleber benutzen kann, der beide Seiten fest zusammenhält, ohne das Gold zu „verunreinigen“.

 

 

Die „verklebte“ Stelle ist nun logischerweise nicht so glatt wie der restliche Ring, der ja aus einem Stück besteht. Also muss diese Stelle besonders gut gefeilt werden. Nach zahlreichen weiteren Feil-, Schmirgel- und Poliergängen glänzt das Gold dann so schön, wie wir es aus der Schmuckauslage kennen. Die Basis unseres Rings steht…

Da Edelsteine keine Hitze vertragen, werden sie erst ganz zum Schluss gefasst. Das bedeutet aber nicht, dass Katja Taubert ihnen erst jetzt ihre Aufmerksamkeit schenkt. Ganz im Gegenteil: Eigentlich kann man fast schon sagen, dass sie beim Entwurf eines Schmuckstücks, das mit einem Stein veredelt werden soll, von diesem ausgeht.

 

Ring-Gold-Peridot (1)

 

Mit der Schieblehre misst die Gemmologin den Edelstein genau aus und fertigt eine Fassung für ihn. Natürlich müssen die Maße auch bei der Gestaltung des sonstigen Schmuckstücks berücksichtigt werden. Um den Stein in der Fassung zu befestigen, hämmert Frau Taubert beispielsweise ganz vorsichtig den Rand der Fassung über ihn. Es gibt daneben aber unzählige andere Fassungsvarianten.

Die Arbeit mit den kleinen Steinen erfordert natürlich eine gehörige Portion Fingerfertigkeit, ist aber doch nicht ganz ohne Hilfsmittel zu bewältigen: Damit die Fassung Halt bekommt, wird spezieller Kitt erwärmt und die Fassung darin befestigt. Nachdem sie dann erfolgreich mit dem Stein versehen wurde, erwärmt der Goldschmied den Kitt erneut und kann die Fassung wieder lösen. Nach sorgfältiger Reinigung ist das Schmuckstück nun fertig.

 

Ohr-Grossular

 

Handgezeichnete Unikate und unverwechselbare Kollektionen

 

Alle Schmuckstücke, die Katja Taubert anfertigt, entstehen zunächst einmal in ihrem Kopf und werden dann ohne ausgelagerte Arbeitsschritte direkt von ihr gefertigt. Dadurch ist sie in der Lage, Unikate nach Kundenwünschen herzustellen.

Die Kombinationsmöglichkeiten sind dabei gewaltig: Soll das Grundmaterial Rot- oder Weißgold, Silber oder Platin sein? Die Oberfläche glänzend oder matt? Schlicht oder mit Verzierungen? Wird ein Edelstein verwendet? Ein roter Rubin, ein blauer Aquamarin, ein grüner Smaragd oder ein völlig anderer? Und soll er im Glatt-, Brilliant-, Rosen- oder Ovalschliff glänzen?

 

Aiyana-4Ringe

 

Wer die Qual der Wahl scheut, kann auf die bereits vorhandenen Kollektionen von Katja Taubert zurückgreifen. Die Ringe der „Aiyana“-Kollektion hat sie beispielweise inspiriert durch Blütenblätter und Farbenspiel entworfen; die „Linea Alhambra“ besticht durch von Hand ausgesägte Ranken und Blütenmotive.

 

 

Große Freude bereitet es der Künstlerin, wenn sie ein altes Schmuckstück, das für den Kunden von besonderer – vielleicht familiärer – Bedeutung ist, in einen neuen Zusammenhang stellen kann. Denn auch „Für-die-Ewigkeit-Geschaffenes“ braucht manchmal einen neuen Schliff!

 

IMG_2985

Goldschmiede-Atelier Katja Taubert, Westterrasse 13, 59581 Warstein-Allagen

http://www.goldschmiedeatelier.net

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