ODER: EINMAL UM DIE WELT…
Hast du dich schon mal gefragt, wie es wäre, alles hinter dir zu lassen und an einem tropischen Traumziel neu anzufangen? Um ehrlich zu sein, würde sich mir diese Frage niemals stellen, dafür liebe ich das Sauerland einfach viel zu sehr! Doch ich finde es total spannend, mit Menschen zu sprechen, die genau diesen Weg gegangen sind, und deswegen wurde es dringend Zeit für einen weiteren Teil der „Goodbye Sauerland“-Reihe! Diese Mal mit Volker Lange aus Balve, der die dichten Wälder und kühlen Winter seiner Heimat gegen Palmen, Sandstrände und die warme Brise Balis eingetauscht hat:
Man soll niemals nie sagen
Volker, du bist in Balve geboren und aufgewachsen, doch dann hast du dich auf den Weg gemacht, in Rosenheim studiert, in Ghana, Mönchengladbach und Wegberg gelebt. Stand für dich schon früh fest, dass du deine Zukunft nicht im Sauerland siehst?
Ja, das stand für mich relativ früh fest – Afrika war immer mein großer Traum. In Ghana habe ich dann ein halbes Jahr als Praktikant für den Deutschen Entwicklungsdienst gearbeitet. Dort hatte ich eigentlich schon eine Zusage für eine Anstellung nach dem Studium in der Holzwirtschaft. Leider wurde das dann noch abgesagt, und ich habe meine erste Stelle in einer internationalen Holzagentur in Korschenbroich angetreten. Wir haben damals in Mönchengladbach gewohnt und anschließend ein Holzhaus in Wegberg gebaut. Wir, das sind meine damalige Frau Katja aus Hemer und meine in Mönchengladbach geborenen Kinder Larissa und Morris.

Anschließend hat es dich nach Saigon in Vietnam und Jakarta sowie Semarang in Indonesien verschlagen. Hatte das berufliche Gründe oder hast du dich ganz bewusst für Asien als Lebensmittelpunkt entschieden?
Das war zunächst beruflich. Ich habe für meinen damaligen Arbeitgeber ein Gartenmöbel- und Außenholz-Sortiment aufgebaut. Da kommt man an Ländern wie Indonesien und später Vietnam nicht vorbei. Zuerst waren es nur ein, zwei Reisen im Jahr für wenige Tage, später wurde es immer mehr, und ich war mehr in Asien als in Deutschland. Zu der Zeit wurde ich dann von einer französischen Handelsfirma aus Oyonnax abgeworben und habe als „Regional Manager Asien“ gearbeitet. Auch hier ging es um Gartenmöbel, aber auch um Möbel für Kinder- und Badezimmer. Das war von 2002 bis 2009, und spätestens ab dieser Zeit war ich nur noch sporadisch in Deutschland.

Nun lebst du schon seit fünfzehn Jahren auf Bali. Wie kam es dazu, und warum bist du geblieben?
Ich hatte 2007 in Vietnam einen sehr schweren Motorradunfall, dem fünfzehn Operationen und ca. ein Jahr Krankenhaus folgten. Danach bin ich wieder nach Indonesien, aber ich wollte mein Leben ändern und entschleunigen. In der Zeit, in der ich für die französische Firma gearbeitet habe, hatte ich keine Wohnung und habe nur in Hotels gewohnt. Jede Woche zwischen Vietnam und Indonesien gependelt…. Das wollte ich nicht mehr. Also habe ich mit einer indonesischen Bekannten eine Firma in Singapur gegründet. Die Firma heißt „Octagon“. Wir entwickeln Gartenmöbelsortimente und vertreiben diese in Europa… Und genau das mache ich bist heute! Unsere Partnerfabriken sind auf Java, und ab und zu haben wir Projekte in China. Da ich nicht aktiv täglich in der Fabrik sein muss, haben wir, meine Frau Lia und ich, uns für Bali entschieden, da hier die Lebensqualität speziell als Ausländer deutlich besser ist. Hier ist dann 2014 auch unsere Tochter Alexa geboren. Meine Kinder Larissa und Morris waren von Anfang an in den Ferien hier bei uns, und beide haben ein Praktikum in Asien gemacht. Das ging natürlich nur aufgrund der Unterstützung und Zustimmung meiner Ex-Frau Katja. So schwer eine Scheidung für alle ist, kann man es doch erträglich für die Kinder gestalten, wenn man an einem Strang zieht.




Deine Frau Lia Waode ist erfolgreiche Schauspielerin. Wie gehst du mit dem Rampenlicht um, unterstützt du sie bei der Vorbereitung auf ihre Rollen?
Lia ist aktuell nicht mehr so aktiv als Schauspielerin, auch weil wir auf Bali leben. Die meisten Produktionen sind in Jakarta. Sie konzentriert sich auf eigene Produktionen und ihre eigenen Kanäle auf Youtube und anderen sozialen Plattformen. Manchmal werde ich als Gast zu Sendungen eingeladen oder interviewt. Das hält sich aber sehr in Grenzen, Rampenlicht gibt es für mich nur selten. Unterstützen kann ich sie kaum, da ich von der Materie keine Ahnung habe. Mit Lia habe ich auch eine eigene Firma, wir bieten Sourcing- und Qualitätsdienstleistungen an. Da haben wir einen sehr großen Kunden aus der Möbelindustrie in Deutschland.
Es gibt ein Foto deiner Tochter im „Iserlohn Roosters“-Trikot. Zufall?
Nein, das ist kein Zufall. Ich bin großer Roosters-Fan und habe früher auch Eishockey gespielt, allerdings nur in einer Hobbymannschaft in Rosenheim während meines Studiums. Das war schon immer meine Leidenschaft. Mein Sohn Morris ist seit seiner Geburt Mitglied bei den Roosters. Vor kurzem ist im Stadionheft der Roosters ein Artikel über mich erschienen, weil ich dem Eishockeymuseum das „Grüne Buch“ von Gaddafi zur Verfügung gestellt habe. Das hatte mir Heinz Weifenbach 1995 zu unserer Hochzeit als Dankeschön geschenkt. Ich hatte ihm regelmäßig Briefe in die Haftanstalt geschickt, weil ich es als unfair empfunden haben, wie wir Iserlohn-Fans ihn plötzlich fallen gelassen haben.



Es muss ein Traum sein, auf einer beliebten Urlaubsinsel zu leben… Was schätzt du besonders an Bali?
Da muss man natürlich zunächst das Wetter und die Landschaft erwähnen. Ansonsten ist auch hier, wie an keinem Ort der Welt, alles perfekt. Wir haben Probleme mit Müll, Überschwemmungen und zu stark wachsendem Tourismus. Eine Sache, die mich besonders beeindruckt hat, ist die Lebenseinstellung der Menschen hier in Asien. Die Menschen machen sich sehr wenig Sorgen und haben kaum Zukunftsängste. Das ist meistens alles sehr entspannt, ohne die Verbitterung und negative Gedanken, die ich in Deutschland häufig erlebe. Das gilt natürlich auf beiden Seiten nicht für alle Menschen, aber für einen guten Teil. Diese Einstellung ist im privaten Bereich sehr angenehm, aber im geschäftlichen kann diese gelebte Gleichgültigkeit auch eine Herausforderung sein. Aber wie gesagt, nirgendwo ist es perfekt…

Kannst du denjenigen, die noch nicht dort waren, die Insel ein wenig beschreiben? Wie nimmst du die Landschaft wahr, welche tierischen Begegnungen hast du schon gemacht?
Bali ist eine tropische Insel mit aktiven Vulkanen, Bergen, Reisfeldern und natürlich den berühmten Tempeln. Die hinduistische Tradition ist hier extrem verankert und wird von allen Altersgruppen aktiv und begeistert gelebt. Ich bin überhaupt kein religiöser Mensch, aber das ist schon sehr beeindruckend. Auch dieser Teil wird mit viel Gelassenheit gelebt. Wenn ich eine katholische Prozession mit einem balinesischen Umzug vergleiche, ist das schon ein extremer Unterschied. Es wird gelacht, musiziert und alles ist farbenfroh und fröhlich.

Hier bei uns im Süden der Insel haben wir natürlich auch die bekannten Strände, wo viel gesurft wird, aber auch Tauchen und Schnorcheln ist speziell im Osten der Insel ein Traum. Wir haben hier viele Schlangen und Echsen, denen man manchmal begegnet. Leider sind einige auch giftig, wie zum Beispiel die Cobra, davon hatten wir im alten Haus schon Besuch. Wir wohnen direkt an einem Fluss in einer tropischen Umgebung, da sehen wir täglich tolle Vögel und auch Warane, die anscheinend auf der anderen Flussseite wohnen und täglich in der Dämmerung im Fluss jagen. Das ist sehr interessant, natürlich auch für unsere Tochter.


Wie sieht ein typischer Alltag im Leben des Volker Lange aus, wie wohnst du, was unternimmst du in deiner Freizeit?
Wenn ich hier auf Bali bin, stehe ich morgens mit meiner Tochter auf. Sie ist in der fünften Klasse einer internationalen Schule in Kerobokan. Danach erledige ich meine Arbeit, plane neue Projekte, Messen oder Reisen. Wir haben hier in Canggu neu gebaut und sind am 15. Dezember in das Haus eingezogen. Hier habe ich ein Büro und die nötige Ruhe. Danach gehe ich normalerweise schwimmen, um einigermaßen fit zu bleiben…

Das klappt aber nur bedingt. Wir haben auf Bali vor zwei Jahren und in Hua Hin in Thailand vor einem Jahr BBQ- und Möbelläden namens „UNIQUE OUTDOORLIVING“ aufgemacht. Da bin ich im Tagesgeschäft nicht eingebunden, schaue aber ab und zu in der Bali-Filiale vorbei, besonders wenn es um neue Produkte oder eine Umgestaltung der Ausstellung geht. Ansonsten fahre ich mit meinem Moped umher, gehe zum Strand oder treffe mich mit Freunden auf ein paar Bier. An Wochenenden machen wir häufig Ausflüge mit Alexa und übernachten in anderen Regionen Balis. Man hat hier die freie Auswahl von 5-Sterne-Hotels bis zu einfachen Unterkünfte inklusive Baumhäusern oder Zelten am Strand. Ich bin aber auch viel unterwegs, besuche unsere Fabrik in Central Java, Messen und potentielle Lieferanten. Zwei bis drei Mal im Jahr besuchen uns auch unsere Kunden, denen wir dann die Fabrik, aber auch Land und Leute näher bringen.

Fühlst du dich inzwischen als echter Balinese oder steckt auch noch ein Stück Sauerländer in dir?
Ich bin und bleibe Sauerländer, fühle mich aber sehr wohl hier und genieße es, ein Teil der Gesellschaft und Kultur zu sein. Ich trage hier fast nur Roosters-, Sauerland und BVB-T-Shirts, dadurch denke ich jeden Tag an meine Heimat. Auch im Haus habe ich Bilder angebracht.

Wie würdest du einem Balinesen das Sauerland beschreiben?
Kalt, viel Wald, viel Regen und Menschen, bei denen man sich eine Freundschaft hart erarbeiten muss. Wenn man es aber geschafft hat, hat man sehr treue Freunde und zwar ein Leben lang. Kleine Städte und Dörfer mit einem großen Zusammengehörigkeitsgefühl.

Bist du noch oft hier? Was darf bei einem Heimatbesuch auf keinen Fall fehlen?
Ich bin ein bis zwei Mal im Jahr in Deutschland. Normalerweise immer zur Gartenmöbelmesse, die jährlich in Köln stattfindet. Meistens verbinden wir das mit einer Reise nach Deutschland bzw. Europa. Ich besuche meine Kinder und seit letztem Jahr auch mein Enkelkind. Meine Mutter ist leider an Demenz erkrankt, und natürlich dürfen auch da gemeinsame Tage nicht fehlen. Mein Bruder und seine Frau kümmern sich um meine Mama, auch mit den beiden treffen wir uns. Ganz wichtig sind auch meine Balver Jungs. Wir haben eine Gruppe von Jungs, mit denen ich schon seit dem Kindergarten bzw. Schule befreundet bin. Gerade dieses Jahr feiern wir 40-jähriges Bestehen unseres Clubs und fahren Ende Mai mal wieder nach Mallorca. 2026 sind wir alle seit 40 Jahre in der Schützenbruderschaft, drei unser Jungs versuchen dieses und – wenn es nicht klappt – nächstes Jahr, König zu werden. Das Schützenfest spielt in Balve eine große Rolle und darauf sind wir alle sehr stolz. Die wunderbare Höhle macht es natürlich noch schöner.

Was vermisst du am meisten, wenn du ans Sauerland denkst? Und kannst du dir auch vorstellen, hierher zurückzuziehen?
Ich vermisse Familie, Freunde, Eishockey und Fußball. An eine Rückkehr denke ich nicht, aber man soll niemals nie sagen.

Na, ist dein Fernweh geweckt? Wenn es bis zum nächsten Urlaub noch etwas hin ist, schau doch mal bei den anderen Auswanderern vorbei, denn auch Anna in Oregon, Heiko in Brasilien, Simone in Australien, Joanne in Alaska, Sarah auf Kreta und Tanja in Tirol haben spannende Geschichten zu erzählen!
https://www.instagram.com/volker.lange17/
https://www.instagram.com/liawaode/
https://www.youtube.com/@waodesisters
Die Fotos und das Video wurden mit freundlicher Unterstützung von Volker Lange zur Verfügung gestellt.
