THORE SCHÖLERMANN UND „SEIN“ SAUERLAND

ODER: DRIVING HOME FOR CHRISTMAS!?

Egal, wo du wohnst, egal, welchen Job du machst – das Schönste an Weihnachten ist doch, nach Hause ins Sauerland zu kommen! Familie, Heimat, gemütliches Beisammensein und vielleicht noch einen Spaziergang durch den winterlichen Wald, viel mehr braucht es für glückliche Festtage nicht. Genau so sieht das auch der Schauspieler und TV-Moderator Thore Schölermann. Der gebürtige Iserlohner wohnt inzwischen in der Nähe von Köln, doch auch in seiner alten Heimat ist er noch häufig anzutreffen. Weihnachten wird er in diesem Jahr allerdings erstmals nicht im Sauerland feiern, doch dafür hat er auch einen richtig guten Grund:

Sauerländern wachsen keine Flügel

Thore, du bist in Iserlohn geboren und aufgewachsen. Was sind deine schönsten Erinnerungen an diese Zeit?

Das ist tatsächlich eine Frage, die ich mir ganz oft stelle, wenn ich viel in der Welt unterwegs bin und plötzlich Dinge nicht mehr da sind, die in meiner Kindheit ganz selbstverständlich für mich waren: Das Unbeschwerte, die Zeit in der Natur und der Geruch des warmen Waldbodens im Sommer. Wenn die Sonne auf den Waldboden scheint, riecht das ganz besonders, das triggert mich immer noch sehr… Dann ist sofort die Erinnerung daran, wie ich als Kind im Wald umhergelaufen bin und dort gespielt habe, und die Nähe zur Natur wieder da!

Bist du auch heute noch häufiger in der Gegend?

Na klar, ich bin sehr oft im Sauerland, meine Wurzeln sind da und bleiben auch da! Meine Familie wohnt noch in Iserlohn, und ich habe auch den Wald, den wir damals hatten, behalten. Der absolute Gegenpol zu meinem Beruf – ich mache da auch Brennholz und so… Wenn ich viel unterwegs bin, merke ich so richtig, wie sehr mir das fehlt, und dass ich das brauche. Wir haben da auch noch eine kleine Waldhütte, die wir als Ferienhäuschen – oder ich für mich als „Man Cave“ – nutze. Beim Umbau der Hütte habe ich auch sehr viel selbst gemacht, das erfüllt mich total.

Deine Frau Jana kommt ursprünglich aus München – konntest du auch sie schon von den Vorzügen der Region überzeugen?

Am Anfang meinte Jana noch, dass das im Sauerland doch keine Berge sind, sondern nur kleine Hügel. Mit Blick auf ihre Heimat Bayern hat sie da sicherlich auch recht. Aber dadurch, dass wir uns jetzt entschieden haben, hier zu bleiben und nicht nach Bayern zu gehen, wird wohl deutlich, wie sehr auch sie die Region inzwischen schätzt. Wir haben uns ganz bewusst für NRW und die Nähe zum Sauerland entschieden, das war uns beiden sehr wichtig, denn wir wollen unsere Tochter so oft wie möglich an die Nähe zur Natur heranführen und regelmäßig bei ihren Großeltern sein.

Viele träumen davon, Schauspieler zu werden, du hast es wirklich gemacht und an der „Mallorca Film Academy“ in Palma eine Schauspielausbildung absolviert. Warum warst du dir so sicher, dass das der richtige Beruf für dich ist? Hattest du vielleicht schon Erfahrungen im Amateurbereich?

Ich hatte überhaupt gar keine Erfahrung, außer vielleicht als professioneller Klassenclown… Ich war Klassensprecher und Schulsprecher, von daher hatte ich nie Angst, auf eine Bühne zu gehen – das war aber wohl auch das Einzige, was meine Qualifikation in diesem Bereich war. Daher war ich mir auch ganz und gar nicht sicher; ich war sogar derjenige, der gesagt hat, ich müsse lieber etwas Vernünftiges machen. Aber meine Familie hat mich damals ermutigt, es einfach mal zu versuchen. Da bin ich denen heute auch noch total dankbar für! Mein Vater ist Apotheker, meine Mutter Lehrerin, also wirklich ganz bodenständige Berufe, und deshalb dachte ich, dass ich jetzt nicht aus der Reihe tanzen und so etwas Verrücktes machen kann. Aber die haben gesagt: Probiere es aus, wenn es etwas für dich ist, gut, wenn nicht, weißt du, dass du es wenigstens versucht hast! Von meinen Eltern damals ein Mega-Schritt. Das habe ich dann auch gemacht und gemerkt, dass es mir wirklich ein Leben lang Spaß machen könnte, und das war für mich der Auslöser, das auch weiterhin zu verfolgen. Obwohl ich auch zugeben muss, dass es mich manchmal stört, dass ich keinen handwerklichen Beruf habe. Ich bin von Natur aus – gerade eben auch durch das Sauerland und das Großwerden auf einem Bauernhof – und im Herzen Handwerker, jemand, der gern mit den Händen richtig arbeitet, anpackt, und das ist etwas, was ich heute in meinem Beruf ein bisschen vermisse. Ich rede viel, ich arbeite auch sehr viel, aber manchmal denke ich dann doch daran, wie ich zum Beispiel mein erstes Geld im Forst verdient und da wirklich im Akkord Bäume geschlagen habe. Diese Form der Arbeit fehlt mir tatsächlich ein bisschen, und das ist etwas, das ich mir auch heute noch im Sauerland hole.

Von 2006 bis 2013 standest du für unglaubliche 1400 Folgen der ARD-Serie „Verbotene Liebe“ vor der Kamera. Wie war es für dich, so lange die gleiche Rolle zu spielen?

Das war die beste Lehre für meine heutige Tätigkeit, die ich überhaupt nur haben konnte, weil ich da für den Beruf ganz viel mitgenommen habe. Das war mein erster Job, am Anfang war ich wahrscheinlich eher schlecht, aber ich fand das super, mich jeden Tag neu ausprobieren zu können. Daily Soap wird ja oftmals belächelt, aber das ist knallharte Arbeit: Man muss superschnell auf dem Punkt sein und hat nicht viel Zeit, sich in die Sache einzufühlen oder sich lange Gedanken zu machen. Das hat mich dann für die Folgezeit schon sehr geprägt, weil ich ganz oft in Situationen war, von denen ich dachte, sie gar nicht meistern zu können. Dieser Druck hat mir für meine jetzige Tätigkeit ganz viel Sicherheit gegeben. Man sagt ja, dass unter Druck Diamanten entstehen – aus mir ist nun kein Diamant geworden, aber ein sehr robuster Stein… Außerdem habe ich bei „Verbotene Liebe“ auch meine Frau und meine besten Freunde in dem Business kennengelernt; also für mich war diese Zeit die wichtigste meines Lebens – zumindest, bis unsere Tochter kam. Und es ist auch unglaublich, wie oft ich heute noch darauf angesprochen werde, wie viele Leute das geschaut haben, und wie gut die auch die Rollen kennen. In den ersten Jahren, als ich bei ProSieben war, wurde ich immer noch häufig als Christian oder als der von „Verbotene Liebe“ angesprochen. Es war dann echt ungewohnt, als die Leute auf der Straße irgendwann meinen richtigen Namen gesagt haben.

Wirst du eigentlich auch im Privatleben häufig von deinen Fans angesprochen? Und wie fühlt sich das an, immer gleich erkannt zu werden?

Ich bin jetzt schon so lange beim Fernsehen und auch ziemlich häufig zu sehen – manchmal habe ich das Gefühl, dass meine Familie mich mehr auf dem Bildschirm sieht als zuhause –, natürlich wird man da auch oft angesprochen. Ich freue mich aber tatsächlich jedes Mal sehr darüber und habe ja auch echt das Glück, Sendungen zu moderieren, auf die die Leute zu 100 Prozent positiv reagieren. Ich mache „The Voice“ auch selbst total gerne, deswegen rede ich auch gern mit den Leuten darüber. Und wenn die ein Foto mit mir machen wollen, ist das wirklich immer noch eine Ehre für mich und schmeichelt mir! Ganz oft entschuldigen sich die Leute dann schon, trauen sich gar nicht, mich anzusprechen, aber das stört mich wirklich nicht, ganz im Gegenteil: Jeder, der nett ist, kann gern zu mir kommen! Ich habe auch schon mal zu meiner Frau gesagt, wenn der Punkt kommen sollte, dass mir das auf die Nerven geht, ich dann mit dem Showbusiness aufhören müsse. Das wäre so, als würde der Bäcker, der die Brötchen backt, die Leute nicht mögen, die gerne Brötchen essen. Aber ich glaube auch nicht, dass dieser Zeitpunkt jemals kommen wird, und das hat wieder mit Sauerländer Bodenständigkeit zu tun. Ich habe auch einige Kollegen aus dem Sauerland, Matthias Killing und Stefan Gödde zum Beispiel, und mit denen rede ich auch viel darüber. Dieses Geerdet-Sein, diese Bodenständigkeit, ist etwas, was mir ganz viel für meinen Beruf gibt – Sauerländern wachsen keine Flügel, aber dafür sind sie auf dem Boden ganz gut unterwegs!

Inzwischen stehst du hauptsächlich als Moderator von „taff“ und „The Voice of Germany“ vor der Kamera. Hilft dir deine Schauspielerfahrung auch beim Moderieren weiter?

Am Anfang musste ich mich wirklich zurückhalten, den Moderator nicht zu spielen; das ist ganz normal, wenn man so lange und so intensiv geschauspielert hat… Jetzt ist das komplett umgeschwenkt, und ich habe eher Probleme damit, zu schauspielern. Das Moderieren ist das, was ich für mich gefunden habe, was einfach mein Ding ist! Ich liebe es, Leute zu unterhalten, ich liebe es, auf der Bühne zu stehen, und vor allem liebe ich es, Leuten eine Bühne zu geben – das ist ja auch das Besondere an „The Voice“. Ich muss nicht immer den letzten lustigen Spruch haben; ich freue mich so sehr, wenn Menschen eine Bühne bekommen und gefeiert werden, die vielleicht lange nach dieser Bestätigung und diesem Applaus gesucht haben. Diese Party zu kredenzen, als Gastgeber, das ist mir eine Ehre! Und deswegen mache ich das jetzt auch nach 25 Staffeln, wenn man „The Voice Kids“ und „The Voice Senior“ mitzählt, immer noch so, so gerne, und ich hoffe, dass ich es auch noch ganz lange machen darf!

Castingshows gibt´s ja viele – was macht den besonderen Reiz und den langjährigen Erfolg von „The Voice“ aus?

Der große Unterschied von „The Voice“ zu anderen Shows ist, dass wir mit den Leuten lachen, und nicht über sie! Das werde ich auch immer beibehalten; ich schätze die Menschen, die zu uns kommen, den Mut haben, auf die Bühne zu gehen, und das werde ich auch niemals belächeln. Das passiert halt leider in anderen Sendungen; da wird Unterhaltung auf Kosten der Leute gemacht – bei uns wird Unterhaltung mit den Leuten zusammen gemacht. Beide Seiten haben daran Spaß, das ist bei uns die Hauptsache!

Bei „The masked singer“ bist du als Monstronaut ins Halbfinale gekommen. Steckt vielleicht auch in dir ein ungeahntes Gesangstalent?

Ich singe unglaublich gern, ich liebe Musik, aber das ist eben auch ein Handwerk, für das man sehr viel üben und natürlich auch Talent haben muss. Daher überlasse ich das lieber den Leuten, die das richtig gut können. Aber „The masked singer“ hat mir trotzdem total viel Spaß gemacht, denn ich konnte einfach mal die Sau rauslassen. Normalerweise bin ich immer der, der auf der Bühne alles zusammenhalten und auch mal auf die Uhr schauen muss, und da konnte ich auch mal richtig Gas geben. Von daher eine tolle Erfahrung!

Seit ziemlich genau einem Jahr bist du nun auch Vater. Erlebst du die Weihnachtszeit dadurch anders?

Boah, das ist gerade alles so wahnsinnig schön. Es bilden sich Traditionen, Sachen, die wir jetzt jedes Jahr mit unserer Tochter machen möchten. Wir haben zum Beispiel einen ganz tollen Adventskalender mit Waldtiergeräuschen, den schauen wir uns jeden Morgen gemeinsam an. Das ist so schön zu sehen, wie ein Kind Weihnachten oder Ostern oder eigentlich alles im Leben zum ersten Mal erlebt. Klar, an Weihnachten ist das noch einmal etwas ganz Besonderes – die Lichter, die Kekse, die raschelnden Geschenke, der Weihnachtsbaum, der plötzlich da steht und piekst… Die Begeisterung in den Augen zu sehen, ist einfach nur wunderwunderschön, und da könnten wir Erwachsenen uns manchmal auch eine Scheibe von abschneiden.

Weiße Weihnachten sind im Sauerland wahrscheinlicher als in Köln… Wo werdet ihr die Feiertage verbringen?

Wir werden dieses Jahr zum ersten Mal die Weihnachtstage nicht im Sauerland verbringen, weil unsere Tochter ja jetzt da ist, und wir unsere Eltern einfach mal zu uns einladen. Aber es ist wirklich schwierig, zu dieser Zeit nicht im Sauerland zu sein; deswegen werden wir auf jeden Fall zwischen den Jahren einen ausgiebigen Spaziergang rund um Iserlohn machen und hoffen, dass wir dann auch durch den Schnee stapfen können.

Wenn auch du es in diesem Jahr an Weihnachten nicht ins Sauerland schaffst, bist du also in bester Gesellschaft… Und letztendlich ist es ja auch nicht wichtig, wo du feierst, sondern mit wem. In diesem Sinne wünsche ich dir und deinen Lieben ein zauberhaftes, vor allem friedliches und gesundes Weihnachtsfest!

https://www.instagram.com/thoreschoelermann/

https://www.instagram.com/janaschoelermann/

Die Fotos wurden mit freundlicher Unterstützung von Thore Schölermann (Fotografen: Andre Kowalski / Christof Kreutzer / Kreativ Wedding / Leonie Handrick / Willi Weber / privat) zur Verfügung gestellt.

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