ODER: WENN REZEPTE ZU ERINNERUNGEN WERDEN…
Ostermontag – die Eier sind gefunden, die Schokolade gegessen, der Braten verdaut… Und jetzt? Vielleicht ist genau heute der perfekte Moment für etwas richtig Schönes!? Ein duftender Kuchen, der nach Kindheit schmeckt. Ein Rezept, das dir den Frühling auf die Zunge zaubert. Und ein Buch, das dir zeigt, wie genussvoll süß sein kann – ganz ohne schlechtes Gewissen. Denn Theresa Knipschilds neues Werk „Süß“ ist viel mehr als ein Backbuch. Es ist eine Einladung, dir öfter eine Pause zu gönnen. Etwas Selbstgemachtes zu genießen. Rezepte zu entdecken, die leicht gelingen, wunderschön aussehen und dich direkt ins Hier und Jetzt holen. Egal, ob du heute allein durch den Garten streifst, mit Familie am Tisch sitzt oder einfach ein wenig Zeit für dich brauchst – in „Süß“ findest du genau das Richtige für jeden Anlass. Und als kleinen Vorgeschmack gibt es hier ein Gespräch mit der Konditormeisterin aus Schmallenberg-Westernbödefeld über Kuchen, Kreativität und kleine Genussmomente, die einfach guttun. Nicht nur an Ostern:
Ich gehe da ganz gefühlvoll heran
Theresa, unser letztes Interview ist eineinhalb Jahre her, wie man in den sozialen Medien lesen konnte, ist dein 2025 nicht besonders gut gestartet… Wie geht es dir?
Das stimmt, das Jahr ist für mich leider wirklich nicht gut gestartet. Anfang des Jahres ist mein Papa gestorben, das war ganz schwer, und danach bin ich für eine Woche im Krankenhaus gewesen, weil mein Herz diesen Tod anscheinend nicht verkraftet hat. Ich hatte Herzrhythmusstörungen, da war ein kleiner Eingriff nötig, aber jetzt hoffe ich, dass mit dem Frühling und der Sonne mehr Positives kommt.

In dieser Zeit ist ja dann auch dein neues Buch „Süß“ entstanden – ein einfaches Wort, aber es weckt sofort ganz viele Assoziationen. Was bedeutet „süß“ für dich persönlich – kulinarisch, aber auch emotional?
Das ist eine spannende Frage, zu der ich mir jetzt nach der Veröffentlichung auch ganz viele Gedanken gemacht habe. Süß bedeutet für mich wohlig, ein gutes Gefühl, aber eben auf ganz vielen verschiedenen Ebenen: Süß als Geschmack, im Kontrast zu bitter und salzig, aber süß auch als Empfindung, zum Beispiel ein süßer Hund oder eine süße Kindheitserinnerung, etwas, das entzückt. Deswegen habe ich auch diesen Titel gewählt – es geht nicht nur um Kuchen, sondern auch um viele verschiedene Süßspeisen und Süßigkeiten.

In deinem ersten Buch ging es um „Kuchen für immer“ – Klassiker, die bleiben. Jetzt wird es mit „Süß“ persönlicher. Was hat dich dazu bewogen, ein Buch zu schreiben, das noch näher an dir selbst ist?
Es war mein großer Traum, ein persönliches Backbuch herauszugeben, für das ich die Fotos auch selbst gemacht habe. Auf den ersten Blick wirkt „Süß“ vielleicht gar nicht so persönlich, aber es sind ja ganz private Einblicke aus meinem Leben, die ich dafür festgehalten habe. Durch diese persönlichen Umstände, über die wir eben sprachen, ist es dann so geworden, das war gar nicht bis ins Detail geplant. Es war mir aber wichtig, dass ich keine persönliche Ansprache reinschreibe, sondern die Rezepte und Fotos für sich sprechen lasse.

Wie entstehen deine Rezepte – sind sie eher das Ergebnis kreativer Geistesblitze oder langer Tüftelei? Und gibt es manchmal auch Nächte, in denen dir ein neues Rezept nicht aus dem Kopf geht?
Sowohl als auch… Der Fenchel-Anis-Crumble zum Beispiel ist mir nicht mehr aus dem Kopf gegangen. Ich hatte einen Obstsalat gegessen und wusste, dass ich Fenchel-Anis irgendwie dazu kombinieren wollte, da habe ich wirklich sehr lange drüber nachgedacht. Aber es sind auch viele Lieblingsrezepte mit drin, die mich schon mein Leben lang begleiten.

Viele Menschen empfinden Backen als meditativ oder sogar heilsam. Ist es das auch für dich – oder ist es durch deine Professionalität eher Arbeit als Entspannung geworden?
Ich hätte eigentlich immer gesagt, dass es für mich auch meditativ und heilsam ist, aber die Arbeit jetzt gerade am Buch hat mir gezeigt, dass es noch viel mehr gibt, und dass ich zum Beispiel auch total gern fotografiere. Ich kümmere mich nicht um ISO-Zahlen und Tiefenschärfe, sondern gehe da ganz gefühlvoll heran. Das macht mir im Moment fast noch mehr Spaß als den Kuchen zu backen – die perfekte Mischung ist es dann, den fertigen Kuchen zu fotografieren.

Gibt es in deinem Leben ein süßes Ritual – etwas, das du regelmäßig brauchst oder das dich wieder ins Gleichgewicht bringt?
Die Mahlzeit „Kaffee und Kuchen“ finde ich super, besonders, wenn man mittags herzhaft gegessen hat. In der Sonne zu sitzen und zu schlemmen, wie heute hier im „Café am Kurpark“, oder auf einer langen Autofahrt mal anhalten und eine Rast mit einem leckeren Stück Kuchen zu machen, so etwas genieße ich sehr. Dafür muss ich aber auf jeden Fall satt sein und herzhaft gegessen haben, zum Frühstück würde das für mich nicht passen.

Deine Kuchen und Torten sind oft kleine Kunstwerke. Wie wichtig ist für dich die Ästhetik beim Backen? Muss „süß“ auch immer schön sein?
Nein, absolut nicht! Ich finde eher, es muss gefühlvoll sein, man muss es durch die Fotos schmecken können. Ich fotografiere total gern auch Dinge, die schon angebissen sind, das ist nicht immer auf den ersten Blick schön. Mir ist wichtig, dass man Konsistenzen sieht, aber ob das nun auch ästhetisch ist, muss der Betrachter für sich selbst entscheiden.

Was war das schönste Kompliment, das dir je jemand zu einem deiner Kuchen gemacht hat?
Boah, das schmeckt ja wie bei Oma!

Was bedeutet dir das Backen heute – nach all den Jahren mit Kamera, Publikum und Veröffentlichungen? Hat sich dein Blick darauf verändert?
Backen bedeutet für mich immer noch Handwerk, es ist das, womit ich mich seit 13 Jahren ganz intensiv beschäftige. Ich merke gerade schon, dass es ein bisschen im Wandel ist, dass ich aktuell einen neuen Blick darauf bekomme, und da ist es ganz spannend, dass ich noch den Kontakt zur Handwerkskammer habe, wo ich als Dozentin regelmäßig Fachtheorie unterrichte. Das ist noch einmal eine ganz andere Sichtweise darauf.

In einer Welt, in der Ernährung ständig neu bewertet wird – mal glutenfrei, mal zuckerarm, mal „clean“ – wie siehst du die Rolle des klassischen süßen Gebäcks? Darf man auch einfach mal genießen, ohne schlechtes Gewissen?
Auf jeden Fall! Das ist sogar heutzutage, wo genug Schlechtes drumherum passiert, das allerwichtigste, ohne schlechtes Gewissen einfach zu genießen! Ohne Blick auf die Nährwerte, ohne die Grammzahl vom Zucker zu betrachten und zu verteufeln. Die Dosis macht das Gift, und wenn man sich zwischendurch mal so etwas gönnt und dann wirklich genießt, kann das nur gut sein.

Du bist auf Social Media aktiv, stehst vor der Kamera, unterrichtest und hast zwei Bücher geschrieben – wo findest du selbst noch neue Inspiration?
Mit der Inspiration ist das so eine Sache, die kann man nicht erzwingen oder hervorrufen, wenn man sie am dringendsten braucht. Die kommt unter der Dusche oder in Momenten, in denen man gedanklich weit weg davon ist. Wenn man mal eine Auszeit macht, ein Stück Kuchen isst und eine tolle Geschmackskombination sieht, dann sprudeln die Ideen. Dann schreibe ich das immer direkt auf, um weiter daran zu arbeiten.

Wie sieht ein typischer Tag bei dir aus – gibt es den überhaupt? Oder ist jeder Tag anders?
Jeder Tag ist anders, ich habe nicht die klassische Woche von Montag bis Freitag. Das ist sehr frei, es gibt sehr volle Wochen, wo es auch mal straff sieben Tage durch geht, und dann gibt es aber auch entspanntere Zeiten, das ist eine ganz tolle Mischung. Drei bis vier Mal im Monat bin ich beim WDR, das ist so meine Leitplanke, und den Rest plane ich drumherum.

Was wäre ein Projekt, das du unbedingt noch umsetzen möchtest – egal, ob Backbuch, TV-Format oder etwas ganz anderes?
Das Backbuch ist ein krass großer Traum gewesen, aber ich habe auch noch einen anderen: Ich würde supergern und unbedingt mal LKW fahren. Ich muss das einfach mal ausprobieren, diese Tonnen an Fahrzeug zu bewegen, keine Ahnung, wieso… Das habe ich jetzt schon länger im Kopf, also falls jemand eine Fahrschule für solche Fahrzeuge hat, gern melden! [Lacht] Das steht für dieses Jahr auf jeden Fall an, ansonsten bin ich erst einmal sehr glücklich mit dem Buch und habe keine größeren Pläne.

Hättest du Lust, irgendwann ein eigenes Café oder eine Backschule zu eröffnen – oder fühlt sich das für dich schon „durchgedacht“ an?
Nee, da habe ich tatsächlich gerade gar keine Ambitionen, weil ich diese Freiheit, dieses Unvorhersehbare sehr genieße! Ich würde niemals nie sagen, aber wenn man aktuell auf die Rohstoffpreise und so weiter schaut, bewundere ich jeden, der das macht, bin aber selbst derzeit nicht bereit dazu.

Wenn du jungen Menschen einen Tipp geben könntest, die überlegen, eine kreative Richtung einzuschlagen – was wäre das Wichtigste, das du ihnen mitgeben würdest?
Probearbeiten, Praktika machen, ausprobieren und rumfragen, verschiedene Betriebe ansehen und mitarbeiten, alles an Möglichkeiten nutzen, um sich selbst ein umfassendes Bild zu machen. Und ganz wichtig: Ehrlich zu sich selbst sein, denn der Beruf nimmt einen großen Teil des Lebenszeit ein.

Wir treffen uns hier gerade im „Café am Kurpark“ in Saalhausen, dürfen herrlichen Kuchen genießen… Gibt es auch in deinem Buch ein paar Fotospots, die in der Region liegen?
Es sind sogar viele der Fotos hier entstanden… Das Softeis zum Beispiel kommt vom „Chillin“ am Henne-Staudamm, es ist so schön da! Den Eisbecher habe ich im Krankenhaus in Meschede fotografiert, als Papa da lag. Den Käsekuchen haben wir bei Mama in der Küche in Westernbödefeld gemacht, ebenso die Créme Brulée, die Kamera war immer dabei. Sozusagen gibt es neben den vielen Rezepten auch eine kleine Fotoreise durchs Sauerland!

Vielleicht hast du noch ein paar Tage frei, und demnächst stehen ja auch eine Menge weiterer Feiertage an, an denen sich genug Gelegenheit bietet, das ein oder andere Rezept auszuprobieren… Und damit du dann gut vorbereitet bist, kannst du „Süß“ hier bestellen – ich wünsche dir schon jetzt viel Spaß beim Backen und anschließend jede Menge süße Momente!
https://www.strzelecki-books.com/books/food/
https://www.theresa-knipschild.de/ueber-mich/
https://www.instagram.com/theresaskuchen/
Die Fotos mit Ausnahme des Titelbildes, des Fotos von Theresa mit ihrem Buch und dem Kuchen vom „Café am Kurpark“ wurden mit freundlicher Unterstützung von Theresa Knipschild (Fotos „Hier und Heute“: jefft.hie) zur Verfügung gestellt.
