THERESA KNIPSCHILD BACKT „KUCHEN FÜR IMMER“

ODER: NICHT NUR IM FERNSEHEN…

Ob opulent zu einem besonderen Anlass, festlich auf der Sonntagstafel oder ganz einfach zum Nachmittagskaffee – Kuchen geht tatsächlich immer! Und wenn du nicht zum hundertsten Mal den guten alten Marmorkuchen oder die allseits beliebte Donauwelle auftischen möchtest, hast du genau zwei Möglichkeiten. Entweder backst du das altbekannte Rezept mal auf ganz andere Weise, oder du lässt dir etwas komplett Neues einfallen… Für beides fehlt die Inspiration? Dann kann Theresa Knipschild weiterhelfen, denn die inzwischen in Bergisch Gladbach lebende Konditormeisterin aus Schmallenberg-Westernbödefeld backt nicht nur regelmäßig vor der Kamera, sondern liefert mit ihrem Buch „Kuchen für immer“ sechzig neue Ideen rund ums Backen:

Eine bunte Mischung

Theresa, du bist in Westernbödefeld aufgewachsen. Was kommt dir als erstes in den Kopf, wenn du an deine Kindheit und Jugend denkst?

Wald und Wiesen! Viel draußen sein und spielen, bis abends die Kirchenglocke geläutet hat. Das war immer das Zeichen, dass es Zeit ist, nach Hause zu gehen. Das Ruhige, Behütete habe ich in der Kindheit sehr genossen, als Jugendliche war es dann aber ab und zu auch mal schwierig, wenn der Weg in die nächstgrößere Stadt doch etwas weiter war…

Soweit ich recherchieren konnte, gibt es in dem 330-Seelen-Ort noch nicht einmal eine Bäckerei. Wie und wo hast du deine Vorliebe fürs Backen entdeckt?

Stimmt, in Westernbödefeld gibt´s tatsächlich keine Bäckerei. Ich bin durch meine Oma und meine Mama zum Backen gekommen. Bei Oma gab´s sonntags Kuchen, der so lecker geduftet und so gut geschmeckt hat – welches Kind kann da schon widerstehen!? Zum Geburtstag durften wir immer kleine Nusstörtchen mit in die Schule nehmen, natürlich haben wir auch fleißig beim Backen mitgeholfen. Und irgendwann durfte ich es dann auch allein versuchen…

War für dich von dem Moment an klar, dass es auch beruflich in diese Richtung gehen sollte?

Ich hatte das schon immer im Kopf, habe nach dem Realschulabschluss ein Praktikum im „Café König“ in Schmallenberg gemacht; da habe ich morgens um fünf angefangen, und es hat schon immer so lecker nach Aprikosenmarmelade gerochen – das hat mein Herz schon berührt. Ich war mir aber dann doch unsicher, was eine Ausbildung angeht, habe erstmal mein Abitur gemacht, war anschließend ein Jahr im Ausland und bin dann nach Köln gegangen, um Soziale Arbeit zu studieren. Während des Studiums habe ich von heute auf morgen Backstuben in Köln angeschrieben und gefragt, ob ich dort ein Praktikum machen kann. Ich bekam dann direkt einen Ausbildungsplatz angeboten, habe mein Studium an den Nagel gehängt und eine Ausbildung zur Bäckerin absolviert. Das musste einfach so sein, und ich habe die Entscheidung bis heute noch nicht bereut.

Heutzutage sind die Backstuben voll von moderner Technik. Freust du dich über diese Entwicklung, oder bist du eine Verfechterin des traditionellen Handwerks?

Ich arbeite aktuell nicht in einer Backstube, aber klar, da ist alles modernisiert. Man kann sich die Technik schon gut zunutze machen, aber wenn man zuhause backt, kommt es schon auch aufs Gefühl an. Obwohl ich einen Ofen mit WLAN-Funktion habe, nutze ich den nicht, mache lieber eine Stäbchenprobe und verlasse mich nicht nur auf die Technik. In der Ausbildung wurde uns gesagt: Lass alles, was die Maschine so gut machen kann wie die Hand, die Maschine machen! Und das macht Sinn, um etwa beim Kneten und Rühren die Muskeln zu schonen. Trotzdem sind viele Schritte manuell zu erledigen, und das macht das Handwerk auch aus!

Raus aus der Backstube, rein ins Fernsehen: Beim „ARD-Buffet“, „Hier und heute“ im WDR und „schmeckt.Immer.“ im NDR backst du seit einigen Jahren auch vor der Kamera. Wie kam es dazu, und ist es eine besondere Herausforderung, seine Fähigkeiten vor so vielen Menschen zu demonstrieren?

Das war Zufall! In Köln wimmelt es nur so vor Fernseh-Leuten, die auf der Suche nach neuen Gesichtern sind. Eine Bekannte hatte einen Beitrag im Ökotrophologen-Forum geteilt, da wurden Konditoren für eine Backsendung gesucht. Das war direkt nach der Meisterschule, ich wusste damals gar nicht so genau, was ich machen wollte, und habe mich dann einfach mal beworben. Ich wurde genommen – meinen ersten Auftritt hatte ich in der „Meisterküche“ mit Yvonne Willicks, und anschließend hat sich das weiterentwickelt: Erst kam „Hier und heute“, dann das „ARD-Buffet“ und „schmeckt.Immer“ hinzu. In allen drei Formaten bin ich regelmäßig zu sehen, und es macht mir ganz viel Spaß. Aber natürlich ist es auch eine Herausforderung, vor der Kamera zu backen, weil man die ganzen Zwischenschritte im Kopf haben muss. Wenn man zehn Minuten hat, ein Rezept zu erklären, muss alles so vorbereitet sein, dass es in dieser Zeit auch klappt. Ich finde es sehr wichtig, dass ich Rezepte vorstelle, die man auch ganz leicht nachmachen kann, auch mit wenig Backerfahrung und mit Zutaten, die man im Supermarkt kaufen kann – das alles muss im Vorfeld gut überlegt und geplant sein.

Außerdem bist du als Dozentin an der Handwerkskammer Köln tätig. Wie wichtig ist es dir, dein Wissen an den Konditor-Nachwuchs weiterzugeben?

Das ist sehr spannend, weil man mit der nachfolgenden Generation arbeitet. Bei den Konditoren mache ich Fachunterricht, da geht´s um die theoretischen Grundlagen des Backens. Aber ich unterrichte auch noch im Rahmen der Ausbilder-Eignungsverordnung, da habe ich dann auch mit anderen Gewerken zu tun, über Fliesenleger bis hin zu Schreinern ist alles dabei. Wir gehen die Grundlagen der Ausbildung durch – das macht doppelt Spaß, weil man das Gefühl hat, nicht nur der nachfolgenden Generation, sondern auch den darauf folgenden Auszubildenden etwas mit auf den Weg zu geben. Insgesamt ist das alles sehr vielseitig und abwechslungsreich, kein Tag ist wie der andere!

Hand aufs Herz: Ist auch dir schon einmal ein Kuchen angebrannt, nicht aufgegangen oder anderweitig misslungen?

Sehr oft sogar… Wenn das vor der Kamera passiert, gilt es, das professionell zu überspielen, aber selbst da ist das schon einmal vorgekommen. Ist ja auch völlig normal, wenn man unter Zeitdruck backt. Und wenn das mal privat passiert, probiere ich, ob der Kuchen noch genießbar ist, ansonsten mache ich mich einfach von Neuem ans Werk.

Im September erscheint dein erstes Backbuch „Kuchen für immer“. Hast du dir die Rezepte selbst ausgedacht? Und welcher Kuchen geht denn immer?

Die Rezepte habe ich mir alle selbst ausgedacht, die Texte habe ich auch alle selbst geschrieben. Das Buch ist ein Rundumschlag für ganz viele Kuchen und Plätzchen, die alle wirklich immer gehen – da ist es schwer, sich nur auf einen festzulegen; je nach Tagesform würde ich immer etwas anderes machen. Zum Teil sind das traditionelle Rezepte, wie zum Beispiel Donauwelle oder Marmorkuchen, die ich neu interpretiert habe, zum Teil aber auch ganz moderne Sachen wie das „Millionaires Shortbread“. Eine bunte Mischung eben…

In dem Buch verrätst du auch einige Profitricks und -tipps. Kannst du ein wenig spoilern und davon berichten, worauf ich als blutiger Anfänger besonders achten sollte?

Beim Backen sind Temperaturen und Zeiten sehr wichtig. Wenn im Rezept Zimmertemperatur steht, dann sollte man sich auch daran halten; wenn der Hefeteig eine Stunde gehen muss, braucht er diese Zeit auch wirklich, das ist Chemie, das kann man nicht beschleunigen. Also, als erstes sollte man das Rezept durchlesen, schauen, ob alle Zutaten in ausreichender Menge im Haus sind und ob man die Zeit hat – wenn der Besuch schon fast der Tür steht, aber im Rezept vier Stunden Kühlzeit angegeben sind, funktioniert das nicht! – und sich erst dann ans Werk machen. Dann kann nicht mehr viel schiefgehen!

Du lebst in der Nähe von Köln. Bist du regelmäßig im Sauerland, was darf bei einem Heimatbesuch auf keinen Fall fehlen?

Ich bin regelmäßig hier und freue mich immer ganz besonders auf den Rotwein-Kuchen von meiner Mama, der übrigens auch einen Platz in meinem Buch gefunden hat. Ansonsten mag ich es total, einfach mal runterzukommen, zu entspannen und spazieren zu gehen – dafür ist Westernbödefeld perfekt! Sehr spannend ist auch, das Sauerland mit dem Blick von außen noch einmal neu zu entdecken. Diese ganzen Orte, die man vielleicht schon abgetan hat, noch einmal zu besuchen, das habe ich in der letzten Zeit auch häufiger gemacht. Wir waren letztens nach langer Zeit mal wieder in der Tropfsteinhöhle im Bilsteintal, das war wirklich schön. Gerne besuche ich auch mal das ein oder andere Restaurant; auch kulinarisch tut sich im Sauerland ja ganz viel!

Sechzig Rezepte – wenn das nicht mal ein Fundus ist, in dem auch du reichlich Inspiration findest… „Kuchen für immer“ erscheint im September und ist online oder noch viel lieber in deiner örtlichen Buchhandlung zu bestellen – mit etwas Glück kannst du auf dem Instagram-Kanal von „Zauberhaftes Sauerland“ auch ein für dich persönlich signiertes Exemplar gewinnen. Du kannst bis zum 31. August teilnehmen, ich drücke dir die Daumen!

https://www.theresa-knipschild.de/

https://www.instagram.com/theresaskuchen/

Die Fotos mit Ausnahme des Titelbildes wurden mit freundlicher Unterstützung von Theresa Knipschild (Kuchenfotos: Jo Kirchherr / Fotos „schmeckt.immer“: Claudia Timmann / Coverfoto Buch: zs Verlag, Ben Fuchs) zur Verfügung gestellt.

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