REINER HÄNSCH MACHT „ZOFF“

ODER: SEIN HERZ SCHLÄGT FÜR DAS SAUERLAND…

Voooooorsicht – hier besteht nun die Gefahr, dass du dich mit einem ganz hartnäckigen Ohrwurm infizierst! Okay, ich habe dich gewarnt, du bist noch da, also: „Sauerland, mein Herz schlägt für das Sauerland…“. Spätestens beim Refrain singst du automatisch mit, oder? Und das auch bestimmt schon seit Jahrzehnten, richtig? Der Mann hinter diesem Lied ist Reiner Hänsch. Musiker, Sänger, Autor – und einer, der das Leben mit einem Augenzwinkern nimmt. Mit seiner Band „Zoff“ hat er in den 80ern die Bühnen gerockt und das Sauerland zur Hymne gemacht. Aber Reiner ist längst mehr als „nur“ der Typ mit dem Sauerland-Hit! Er schreibt Bücher voller Humor und Menschlichkeit, erzählt Geschichten aus dem echten Leben und steht immer noch leidenschaftlich gern auf der Bühne. Und genau da habe ich ihn zum Interview getroffen, auf der Bühne des Bürgerhauses „Alter Bahnhof“ in Attendorn:

Wenn man das Sauerland als Heimat hat, bleibt das so

Reiner, du bist als Musiker, Sänger und Autor bekannt – wie siehst du dich selbst?

Das stimmt, ich mache alles Mögliche… Manchmal frage ich mich selbst, was ich eigentlich bin. In erster Linie natürlich Musiker, Sänger und Autor – aber ich war auch mal Werbetexter, sogar Kreativdirektor einer großen Werbeagentur in Düsseldorf, und das hat ebenfalls funktioniert. In dieser Agentur habe ich angefangen, Musik für Werbefilme zu machen – und schon da wurde ich gefragt, ob ich nun Musiker oder Texter bin. Für manche Leute ist es offenbar schwierig, wenn man sich nicht eindeutig in eine Schublade stecken lässt…

Erinnerst du dich an den Moment, in dem du wusstest: „Das ist mein Weg – ich will auf die Bühne?“

Das war kein einzelner Moment, sondern eine ganze Zeit – die 70er Jahre. Mit dem „Beatclub“ im Fernsehen kam plötzlich völlig neue Musik auf: Bands wie die Kinks, The Spencer Davis Group und natürlich Jimi Hendrix. Diese Welle hat uns alle mitgerissen, da wollten plötzlich alle auf die Bühne. Bei uns am Gymnasium gab es damals fünf, sechs Bands, und jeder spielte Gitarre. Wer das nicht tat, war irgendwie nicht richtig cool. Ich habe damals auch angefangen zu spielen, und so fing alles an. Es hat einfach so viel Spaß gemacht, dass ich immer weitergemacht habe.

Du bist mit „Zoff“ im ganzen Land bekannt geworden – was bedeutet dir diese Zeit heute?

Das ging alles mit dem „Sauerland“-Lied so richtig los. Manchmal werde ich gefragt, ob ich das heute überhaupt noch gern spiele – aber klar, das mache ich! Wenn da tausend Leute – oder heute ein paar weniger – vor der Bühne stehen und mitsingen, ist das einfach großartig. Das war eine spannende Zeit: Wir traten im Fernsehen auf, die Leute kannten uns, die Schützenhallen waren rappelvoll. Bei „Sauerland“ sind dann alle richtig ausgerastet, und wir waren plötzlich – zumindest in der Region – weltberühmt. Der Hype um das Lied hält bis heute an, obwohl das schon über 40 Jahre her ist.

War der Erfolg dieses Songs damals absehbar?

Überhaupt nicht, das war eine echte Überraschung! Es fehlte noch ein Song auf der Platte, und ich saß da, schaute auf eine Postkarte mit lustigen Sauerländer Ortsnamen. Dann habe ich noch ein paar Orte zusammengesucht und einen Text zusammengebastelt – das war eigentlich eher als Gag gedacht. Dazu kam ein eingängiger Refrain, und so ist das Lied entstanden. Trotz des etwas bissigen Textes kam es bei den Leuten an – sie haben verstanden, dass in Hundesossen natürlich nicht auf Touristen geschossen wird. Inzwischen wird die Melodie sogar am Goldstrand, auf Mallorca und in Flensburg gesungen. Ich habe Cover-Anfragen aus Südafrika und Australien bekommen, sogar Wolfgang Petry hat es mal gecovert. Aber das Original gibt’s natürlich nur einmal.

Du lebst heute an der Nordseeküste und hast mit „Neu-Friese“ einen Song für deine Wahlheimat geschrieben. Welche Rolle spielt das Sauerland noch für dich?

Ich wohne zwar nicht mehr hier, bin aber häufiger im Sauerland als früher. Ich mache Lesungen, manchmal spielen wir auch mit der Band in der Gegend – ich bin also öfter hier, als viele denken. Und ich komme immer wieder gern: Ich fahre die kleinen Straßen rauf und runter – mit Treckern, Lastwagen, Baustellen und Sperrungen inklusive – aber dazwischen hat man immer wieder diese wunderbare Landschaft. Ich finde, wo man wohnt, ist egal – wenn man seine Heimat im Sauerland hat, bleibt das so. Nette Leute gibt’s auch im Norden, und umgekehrt natürlich auch hier mal Blödmänner – das ist ja überall gleich.

Dein Humor ist manchmal ein bisschen schräg, aber immer mit Herz. Woher nimmst du deine Geschichten?

Ich gehe mit offenen Augen durchs Leben, setze mich dann hin, denke ein bisschen nach – und dann fällt mir etwas ein. In den neuen Büchern geht es um eine Alten-WG. Das ist nicht unbedingt mein eigenes Thema, aber eines, über das ich schon nachgedacht habe: Wie wäre das wohl, später einmal mit unterschiedlichen Leuten zusammenzuleben? In einem Haus mit Menschen, die man kennt und mag – würde das funktionieren? Man stellt sich das schön vor, aber einfach ist das bestimmt nicht. Wenn Menschen auf engem Raum zusammenleben, lernt man sehr schnell die Macken der anderen kennen – das ist ja schon bei einer Person so. Und daraus habe ich dann eine Geschichte gemacht. Außerdem habe ich Bücher über die „Familie Knippschild“ geschrieben – eine typische Sauerländer Familie, die schöne, aber auch mal etwas krumme Sachen erlebt. Die Leser können sich darin selbst wiederfinden, sich mit den Figuren identifizieren – das finde ich besonders schön. Wenn das gelingt, auch bei meinen Songs, dann habe ich’s richtig gemacht.

Du bringst heute mit „N’Abend zusammen“ drei deiner neuen Bücher zur Lesung in Attendorn mit. Was erwartet das Publikum? Und gibt es bald weitere Gelegenheiten, dich im Sauerland zu erleben?

Die Leute erwartet jede Menge Spaß – ich habe die lustigsten Stellen aus den Büchern ausgesucht. Dazu erzähle ich ein paar Geschichten aus dem Leben, da gibt’s ja genug zu berichten. Natürlich wird auch Musik dabei sein, die Gitarre habe ich dabei, und ich spiele ein paar der besten „Zoff“-Songs, natürlich auch „Sauerland“. Das darf ja nicht fehlen! Nächste Woche mache ich noch drei weitere Lesungen, in Herscheid, Altena und Hohenlimburg. Und die Band spielt dieses Jahr auch nochmal, am 19. und 20. Dezember, ebenfalls in Hohenlimburg.

Bei Männern darf man ja über das Alter reden: Du wirst im Dezember 73, aber von einem ruhigen Rentnerleben ist bei dir nichts zu sehen… Wie geht’s weiter – hast du schon neue Projekte geplant?

Ich wundere mich manchmal selbst über diese Zahl – aber wie heißt es so schön: 70 ist das neue 50, oder so ähnlich? Damit kann ich leben! Ich fühle mich jedenfalls nicht wie ein Rentner und bin noch weit davon entfernt, die Füße hochzulegen. Ich werde auf jeden Fall weiterschreiben – das macht mir einfach riesigen Spaß. Es ist unglaublich reizvoll, eine Geschichte zu entwickeln, zu überlegen, wie sie weitergeht, manchmal einen anderen Weg einzuschlagen oder auch ein Stück zurückzugehen. Und mit der Musik wird es natürlich ebenfalls weitergehen – solange die Menschen mich noch sehen wollen, komme ich auf die Bühne, singe und erzähle meine Geschichten.

Dass der Kult-Ohrwurm auch nach 40 Jahren nicht an Power verloren hat, war ja eh klar, aber vielleicht hast du ja Lust, ihn auch nochmal live zu hören!? Du hast es gelesen, Reiner ist auch in der nächsten Woche noch im Sauerland unterwegs, und es werden sicherlich noch viele weitere Touren durch seine alte Heimat folgen…

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Die Fotos mit Ausnahme des Titelbildes wurden mit freundlicher Unterstützung von Reiner Hänsch zur Verfügung gestellt.

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