ODER: ART MEETS ANTIQUE…
Denkst du bei Antiquitäten sofort an verstaubte Dachböden, schwere Möbel und barocke Langeweile? Dann hast du definitiv noch nicht mit Fabian Kahl gesprochen! Der Mann mit dem auffälligen Look und dem feinen Gespür für Kunst fegt alle Klischees vom Tisch – im wahrsten Sinne des Wortes. Du kennst ihn vielleicht als schillernde Persönlichkeit aus „Bares für Rares“, aber Fabian ist weit mehr als nur ein TV-Gesicht, er ist ein Abenteurer zwischen Flohmarkt, Schloss und Regenwald. Jetzt hat er den Weg ins Sauerland gefunden – und vielleicht auch zu dir. Denn an diesem Wochenende lädt der Lüdenscheider Galerist Detlev Kümmel, ebenfalls bekannt aus der ZDF-Erfolgssendung, zu „Art meets Antique“ ein, einer Messe, die dir zeigt, dass Antiquitäten alles andere als altmodisch sind. Und mittendrin Fabian, der dich mitnimmt auf eine Reise voller kurioser Fundstücke, wilder Geschichten und seinem ganz eigenen Stil:
Man kann überall echte Schätze entdecken
Wie hat deine Leidenschaft für Kunst und Antiquitäten ihren Anfang genommen – und was fasziniert dich bis heute an dieser Welt?
Ich bin schon als Baby gleich nach der Geburt in eine antike Wiege gelegt worden, eine schöne Biedermeier-Wiege von 1820. Da war schon klar, in welche Richtung das geht. Denn auch als Kind habe ich mich schon sehr dafür interessiert, was mein Vater macht – er ist nämlich auch Antiquitätenhändler… Unser Schlafzimmer war in einer großen Bibliothek, die mit allen möglichen fachliterarischen Werken über Antiquitäten gefüllt war. Da habe ich mich eingelesen und habe schon von klein auf ganz viel mitbekommen. Dann sind wir auf Märkte, auf Messen und in Museen gefahren – wir haben sogar mal Hausverbot bekommen, weil mein Vater und ich einen Schrank im Museum zu genau unter die Lupe genommen haben. So hat sich das alles entwickelt… Und was mich besonders daran fasziniert? Die Schönheit der Objekte, die Feinheit und Filigranität, mit der sie geschaffen wurden. So etwas kann man heute gar nicht mehr bekommen, es gibt kaum noch jemanden, der das Handwerk beherrscht, und das auf ganz vielen Ebenen. Außerdem ist es zweite, dritte oder sogar zehnte Hand, man tut also auch dem Planeten etwas Gutes, wenn man diese Sachen kauft und weiterverwertet, statt irgendetwas Neues zu kaufen.

Gibt es ein bestimmtes Zeitalter oder einen Stil, der dich ganz besonders in seinen Bann zieht?
Im Schmuckbereich ist es auf jeden Fall der Art déco, eine ganz kurze Zeitepoche, die aber sehr schönen Schmuck hervorgebracht hat. Darüber hinaus gibt es aber so viel Schönes, dass ich mich überhaupt nicht satt sehen oder mich gar festlegen kann.
Wie bist du eigentlich zu „Bares für Rares“ gekommen – und was macht die Sendung für dich so besonders, dass du ihr seit über zwölf Jahren treu geblieben bist?
Seit ich fünf Jahre alt bin, bin ich regelmäßig auf dem „Agra-Antikmarkt“ in Leipzig, habe da zusammen mit meinem Vater verkauft und irgendwann angefangen, selbst zu handeln. Da kam plötzlich ein Kamerateam auf mich zu, das für eine Sendung gecastet hat. Es sollte um Antiquitäten gehen, aber es war noch gar nicht klar, wie das Format heißen sollte. Ich habe dann einfach mal mitgemacht und wurde tatsächlich aus 150 Händlern ausgewählt, zusammen mit den anderen vier, die in der ersten Staffel dabei waren. Dann haben wir angefangen zu drehen, wir wussten gar nicht so genau, auf was wir uns da einlassen. Und dass das so ein großer Erfolg wird, hat auch keiner kommen sehen! Ich war also von Anfang an dabei, damals war ich 21, noch grün hinter den Ohren, habe bei den ersten Drehtagen kaum ein Wort herausbekommen, aber es hat dann schnell sehr viel Spaß gemacht, sodass ich auch heute noch dabei bin.

Gibt es einen besonders skurrilen oder unvergesslichen Gegenstand, der dir aus der Sendung bis heute im Gedächtnis geblieben ist?
Da fällt mir einiges an, zum Beispiel habe ich in jüngster Zeit das teuerste Porzellan gekauft, das wir jemals in der Sendung hatten. Das kam aus französischem Adels- und Königsbesitz und ich habe 36.000 Euro dafür bezahlt.
Hast du dich schon einmal dabei ertappt, vor laufender Kamera etwas zu kaufen, das du privat eher nicht ausgewählt hättest?
Ja, auch das passiert. Ich nenne mich ganz gern auch „Antik-Spekulant“ – das heißt, wenn ich etwas nicht kenne, aber so ein Gefühl habe, dass es etwas Besonderes sein könnte, dann nehme ich das gerne. Entweder ist etwas Gutes, und ich kann was dazu lernen, oder es ist etwas Schlechtes, und ich habe auch etwas gelernt. Wer weiß…

Worauf sollte man deiner Meinung nach achten, wenn man anfangen möchte, Antiquitäten zu sammeln?
Man sollte sich vorher auf jeden Fall gut belesen und wissen, was man da kaufen möchte. Signaturen erkennen, Künstler erkennen – das ist ja mit dem Internet und der Bildersuche schnell und einfach gemacht. Am besten sollte man immer auch mit Experten im Gespräch sein und sich rückversichern. Mir kann man Fotos schicken und wenn ich Zeit habe, schaue ich mir das auch an und berate entsprechend.
Muss es immer der professionelle Handel sein oder kann man auch auf Flohmärkten echte Schätze entdecken?
Man kann überall echte Schätze entdecken! Ob das nun im Internet ist, bei Kleinanzeigen, auf dem Flohmarkt oder bei einer Antikmesse, es gibt überall schöne Sachen zu kaufen. Dabei ist die Schönheit aber gar nicht das Problem, sondern zu erkennen, ob man damit auch ein gutes Geschäft macht, das ist die eigentliche Herausforderung. Wenn man damit handeln möchte, muss man sich ein bisschen in die Marktpreise einarbeiten und ein Gefühl dafür entwickeln, was die Sachen eigentlich wert sind.

Wie schätzt du die Zukunft des Antiquitätenhandels in einer zunehmend digitalen Welt ein?
Ich bin da zwiegespalten. Momentan ist ein Abwärtstrend da – bei Schmuck und Uhren nicht, aber beim Mobiliar auf jeden Fall, und auch bei Altmeister-Gemälden, und da sprechen wir von Bildern aus dem 15. Und 16. Jahrhundert. Das sind oftmals religiöse Darstellungen, das möchte man heute nicht mehr so wirklich haben… Ich könnte mir aber auch vorstellen, dass mit der zunehmenden Digitalisierung und der Tatsache, dass die Menschen nichts mehr so wirklich in der Hand haben und das Handwerk irgendwann auch nicht mehr richtig begreifen können, der Wert dieser Dinge wieder enorm im Wert steigen wird. Also, dass man vor einer barocken Kommode steht und sich fragt, wie die Menschen so etwas Schönes mit ihren Händen gemacht haben…
Dein Look ist unverwechselbar. Woher nimmst du deine Inspiration in Sachen Mode und Styling?
Ich trage wirklich nur, was mir selbst gefällt. Ich komme aus der Gothic-Szene, der Stil hat sich dann bis heut ein wenig etabliert, aber ich achte überhaupt nicht auf Trends und habe auch kein Style-Vorbild.

Mit deinem zweiten Buch „Der Antiquitätenhändler, der nach Afrika reiste und sein Herz an die Wildnis verlor“ hast du sehr persönliche Eindrücke geteilt. Zuletzt warst du auch im Amazonas-Regenwald unterwegs. Gibt es eine Reise, die dich besonders geprägt hat – ob beruflich oder privat?
Jede Reise prägt einen, die eine mehr, die andere weniger. Dadurch, dass meine Freundin und ich immer auf eigene Faust unterwegs sind, mit eigenem Auto, mit eigenem Equipment und ohne Guides, machen wir intensivere Erfahrungen als bei einer Pauschalreise, bei der man von Luxushotel zu Luxushotel fährt. Wenn man reist, und das minimalistisch und rustikal macht, dann lernt man Land und Leute wirklich kennen und kann viel Inspiration daraus ziehen.



Was wissen viele Menschen eigentlich nicht über dich?
Die Wenigsten wissen, dass ich eigentlich relativ menschenscheu bin. Bevor ich zu „Bares für Rares“ kam, war das noch ausgeprägter, aber auch heute noch bin ich relativ introvertiert. Das mag vielleicht nicht so wirken, ich habe mir das antrainiert, weil wenn man in der Öffentlichkeit steht, wird man ja auch häufig erkannt und angesprochen, damit kann ich gut umgehen, aber es entspricht nicht ganz meinem Element.
Wir treffen uns heute auf der Kunst- und Antiquitätenmesse „Art meets Antique“ in der Historischen Schützenhalle – organisiert von Detlev Kümmel, den man ebenfalls aus „Bares für Rares“ kennt. Wie kam es, dass du bei diesem Event dabei bist?
Detlev hat mich angerufen und ich habe „Ja“ gesagt, so einfach war das.
Warst du zuvor schon einmal im Sauerland? Und welchen Eindruck hast du von der Region?
Ich war auch zuvor schon mal bei Detlev und habe ihn besucht. Es ist eine schöne Region, Lüdenscheid gefällt mir sehr gut. Es gibt in jeder Stadt Stellen, die nicht ganz so schön sind, aber ich habe auch hier schon tolle Villen entdeckt, und die Historische Schützenhalle hier mit dem Gelände drumherum ist wirklich wunderschön. Außerdem mag ich die bergige Lage, ich glaube, hier kann man schön und naturnah wohnen.


Bis vor kurzem hast du auf Schloss Brandenstein gewohnt, inzwischen bist du aber umgezogen, und auch den Laden dort gibt es nicht mehr. Wie kam es dazu, und wo kann mich dich nun antreffen?
Mein Bruder und ich sind auf den Gedanken gekommen, uns mehr aufs Online-Geschäft zu verlegen und auf verschiedenen Messen unterwegs zu sein. So ein fester, starrer Laden, gerade bei uns in Thüringen auf dem Dorf mit gerade einmal 35 Einwohnern, das ist wirklich schwierig. Deshalb haben wir diese Entscheidung getroffen. Wir sind jetzt also viel unterwegs, in den sozialen Medien kann man verfolgen, wo wir als nächstes aufschlagen…

Und das kann durchaus auch mal ein weiterer Weg sein! Also, wenn du noch schnell die Gelegenheit nutzen möchtest, Fabian im Sauerland anzutreffen: Die „Art meets Antique“ ist heute noch bis 18 Uhr und morgen von 11 bis 18 Uhr geöffnet – außer Fabian sind noch über 30 weitere Händler vor Ort, es gibt Vorträge und eine Auktion zugunsten des RTL-Spendenmarathons. Ein Besuch in der Historischen Schützenhallte lohnt sich an diesem Wochenende also ganz besonders, wie mein persönlicher Antiquitäten-Experte, mein lieber Onkel Werner, der mich zum Interview begleitet hat, mir mit Begeisterung bestätigt hat. 😊 Also, nichts wie los!

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Die Fotos von „Bares für Rares“ und von den Reisen wurden mit freundlicher Unterstützung von Fabian Kahl zur Verfügung gestellt.
