ODER: HÖR DEIN HERZ TROMMELN!
Nenn mich feige, aber ich habe es nicht getan… Nein, ich bin nicht mit siebzig Stundenkilometern an Europas zweitlängster Doppel-Megazipline Richtung Tal gesaust, nein, ich habe den Höhenrausch auf über eintausend Metern Flugstrecke nicht selbst erlebt! Und dennoch möchte ich dir natürlich nicht vorenthalten, was Sebastian Barnert und Christian Mienert auf die Beine gestellt haben, um für den ultimativen Adrenalin-Kick zu sorgen. Deswegen habe ich die „Astenkick Megazipline“ besucht, mich zumindest auf den Startturm gewagt und mit Menschen gesprochen, die sich gerade erst ins Abenteuer gestürzt hatten:
Der Berg ruft
Fernsehen macht dumm!? Naja, wenn du den ganzen Tag davor hängst, wahrscheinlich schon – aber manchmal entstehen dabei auch echt gute Ideen! Christian und Sebastian hatten eine Doku über die gefährlichsten Schulwege der Welt gesehen – einer davon war eine Seilrutsche, um unwegsames Gelände zu überqueren. Zugegeben, im Sauerland nicht wirklich benötigt, aber könnte das nicht ein spektakuläres Angebot für ein unvergessliches Erlebnis sein!?

Damals waren Christian und Sebastian noch im Studium, Ziplines, die ursprünglich aus der Alpinistik stammen, waren im Freizeitbereich noch nicht weit verbreitet. Und doch ließ diese Idee sie nicht los, der Briloner und der Olsberger wollten ohnehin in ihre Heimat zurück, und welche Gegend würde sich für ihr Vorhaben besser anbieten als das Land der tausend Berge!?

Also wagten sie sich tatsächlich an dieses Mammut-Projekt, suchten lange nach einer geeigneten Stelle, bis sie im höchstgelegenen Bergdorf NRWs schließlich fündig wurden – der Westfalenhang, ein ehemaliger Skihang, sollte künftig zur Flugschneise werden.

Doch wer sich mit Bürokratie und Genehmigungsverfahren auskennt, weiß, dass es damit längst nicht getan war; insgesamt vergingen von besagtem Fernsehabend bis zur Eröffnung der „Astenkick Megazipline“ ganze vier Jahre… Sicherheit geht schließlich vor – im Bereich des Zipline-Baus gibt es nur wenige relevante Hersteller, Christian und Sebastian haben mit ihnen gesprochen und sich schließlich für einen Konstruktionsbau aus Südtirol entschieden.

Zwölf Meter tiefe Ankerbefestigungen mit vielen Tonnen Zugkraft für den Startturm, riesige unterirdische Fundamente aus Beton – im August 2018 war es dann endlich soweit, die Bagger rückten ab und die „Astenkick Megazipline“ feierte Eröffnung:

Dein Flug am Kahlen Asten
„Ich kann das gar nicht in Worte fassen…“ – okay, die beiden Mädels, die gerade erst aus dem Shuttlebus, der die mutigen Absolventen von der Zielrampe zurück zum Starthaus bringt, gestiegen waren, brauchen wohl erst einmal einen Moment Zeit, um alles sacken zu lassen… Kein Problem, kurze Zeit später der zweite Versuch, und richtig, nun sprudelte es nur so aus ihnen heraus: „Mega, mega, mega – wenn du darunter saust, denkst du einfach an gar nichts. Es ist die absolute Freiheit, du genießt die Aussicht, fühlst dich fast so, als würdest du wirklich fliegen. Ich habe Höhenangst und es war eine echte Herausforderung. Trotzdem habe ich mich ganz bewusst für den Flug im Liegen entschieden, obwohl es sitzend wahrscheinlich einfacher gewesen wäre. Fliegen wie ein Vogel eben. Am liebsten würde ich es direkt noch einmal machen. Und ich bin nun echt stolz, meine Ängste überwunden zu haben – es hat sich absolut gelohnt!“ Mit einem fetten Grinsen lassen sich die Beiden auf den umliegenden Bänken mit fantastischer Aussicht nieder und schauen den nächsten Mutigen bei ihrem Start zu…


Auch wenn es sich hier gut aushalten lässt und du im zugehörigen Foodtruck auch einen kleinen Snack zu dir nehmen kannst, solltest du deinen Flug unbedingt zuvor online reservieren, damit keine unnötigen Wartezeiten entstehen. Du gehst dabei kein Risiko ein – die Reservierung ist kostenlos und kann auch kostenlos storniert werden.

Außerdem musst du weder besonders sportlich sein noch über irgendeine Ausstattung verfügen, um in diesen Genuss zu kommen; lediglich ein normaler Gesundheitszustand und eine Körpergröße von mindestens 1,50 Meter sowie ein Körpergewicht zwischen 40 und 140 Kilo sind Voraussetzung, damit du an den Start gehen kannst. Nun musst du dich nur noch entscheiden: Möchtest du das Vergnügen lieber sitzend genießen oder wie ein Vogel liegend kopfüber zwischen den Baumwipfeln hindurch schweben?

Geteiltes Leid ist doppelte Freude – so oder so ähnlich heißt es wohl… Deswegen ist die „Astenkick Megazipline“ auch als Doppelseilrutsche konzipiert; so kannst du gleich noch Jemanden mitbringen, mit dem du gemeinsam parallel Richtung Tal rauschen kannst.

Doch bevor es losgehen kann, bekommst du zunächst einmal eine Sicherheitseinweisung und musst einmal fix über die Personenwaage laufen, damit die Seilrollen ganz individuell passend für dich eingestellt werden können; dann werden die Sicherheitsgeschirre, der Helm und wahlweise eine Kamera, um den Flug für die Ewigkeit festzuhalten, angelegt – jetzt aber ab zum Startturm! Ob du nun nur deinem Herz beim Trommeln zuhörst oder die Aussicht genießt, bleibt dir überlassen; du musst dich jedenfalls um nichts kümmern, wirst von den Profis gesichert, und wenn durch das Funkgerät die Freigabe der Zielstation kommt, startet der Countdown: Drei – Zwei – Eins, und loooooooooooooos!!!
Wenn du die Worte anschließend wiedergefunden hast, berichte mir gern mal von deinem ganz persönlichen „Astenkick“-Erlebnis; vielleicht kannst du mich ja doch noch überzeugen, mich bei meinem nächsten Besuch in Altastenberg auch ins Vergnügen zu stürzen. Gelegenheit dazu gibt´s jedenfalls reichlich: Die „Astenkick Megazipline“ ist außer montags täglich geöffnet; nur im November gibt´s eine kleine Winterpause, ansonsten ruft der Berg das ganze Jahr über bei Wind und Wetter… Guten Flug!

Astenkick Megazipline, Astenstraße 75, 59955 Winterberg
https://www.instagram.com/astenkick/
https://www.facebook.com/astenkick/
Die Fotos mit Ausnahme des Titelbildes sowie der Bilder vom Start der beiden Frauen wurden mit freundlicher Unterstützung von Sebastian Barnert zur Verfügung gestellt.
