„GOODBYE SAUERLAND PART IV“ – SARAH AUF KRETA

ODER: WEIHNACHTSGRÜSSE VOM MITTELMEER…

Alles ganz schön anstrengend gerade, oder!? Adventlicher Trubel und Geschenkejagd, Tannenbaum und Weihnachtsmenü, Jahresabschluss und Planungsstress – die To-do-Liste bis zu den Feiertagen scheint kaum zu bewältigen zu sein… Genau der richtige Zeitpunkt also, dich mal entspannt zurückzulehnen und dem Dauergrau da draußen kurz zu entfliehen! Sonne, Strand und Meer sollten als Kontrastprogramm doch ganz gut passen!? Dann komm mit – Sarah Löwenstein aus Menden-Oesbern nimmt uns heute mit nach Kreta:

Weihnachten im Sauerland hat definitiv eine andere Qualität

Sarah, ursprünglich stammst du aus Menden-Oesbern, nun lebst du seit einiger Zeit auf Kreta. Was hat dich auf die Sonneninsel verschlagen?

Angefangen hat es eigentlich damit, dass ich vor fünf Jahren auf Kreta war und meinen heutigen Mann kennengelernt habe. Aus einer netten Urlaubsbekanntschaft wurde ganz schnell mehr; mittlerweile sind wir verheiratet und haben zwei kleine Töchter – die zweite kam erst vor ein paar Tagen zur Welt! Im Herbst 2019 wollten wir dann die erste Elternzeit zum Überwintern auf Kreta nutzen. Als im März 2020 dann die Corona-Pandemie losging, haben wir erst einmal die Füße still gehalten und uns dafür entschieden, den Aufenthalt zu verlängern und abzuwarten, wie sich die Lage entwickelt. Dann habe ich meine Elternzeit verlängert und es kam eines zum anderen, sodass wir noch immer hier sind.

Gerade bei Deutschen ist die Insel als Urlaubsort sehr beliebt… Was konntest du schon außerhalb der Touristen-Pfade entdecken, welche (tierischen) Bekanntschaften hast du schon gemacht?

Oh, ich glaube, ich sollte ein Buch schreiben! Wir haben schon viele lustige und unglaubliche Dinge gesehen. Zum Beispiel einen ohnehin etwas kauzigen Kerl aus dem Nachbardorf, der mit seiner Ziege am Strand spazieren ging. Oder der Schäfer mit seinem vollkommen zerstörten Pickup, auf dessen Dach der Hund mitfährt. Fahrende Tiere sind sowieso irgendwie normal, auch auf Motorrädern und Rollern. Und wusstest du, dass es auf Kreta Skorpione gibt? Ich nicht, bis wir einen in der Abstellkammer hatten. Seitdem schüttele ich immer meine Schuhe aus, bevor ich sie anziehe… Dann ist irgendwann ein Riesenskolopender nachts aufs Kopfkissen gefallen und eines Abends plumpste mir in der Dusche ein Gecko auf die Füße. Der war wesentlich niedlicher als der Skolopender, aber in dem Moment erschreckt man sich natürlich. Auf meiner Hunderunde ist mir schon die eine oder andere hübsche Schlange begegnet. Auch unsere Hühner haben mal eine erlegt… Das Kleinste unserer Hühner rannte dann mit einer halben Schlange im Schnabel durch den Garten. Das wirkte schon etwas eigensinnig. Irgendwie makaber und mit einer gewissen Situationskomik; zumindest, wenn man seine empathischen Gefühle für die unglückliche Schlange außen vorlässt.

Von diesen Tieren ist aber natürlich keines wirklich gefährlich. Etwas anders wurde mir allerdings, als Freunde nach ihrer morgendlichen Angeltour mit einem Hai wiederkamen. Ich habe mich dann mal daneben gestellt – wir waren gleich groß. Und riesige Wasserschildkröten gibt es natürlich. Die sind ganz schön beeindruckend!

Einen wütenden Kugelfisch könnte ich aber noch erwähnen – normalerweise sind die Strände ja voller Touristen, aber durch den Lockdown in 2020 blieben sie teilweise völlig leer. Bei uns hat dann aufgrund der Ruhe ein Hasenkopfkugelfisch – eine invasive Art aus den Tropen – genistet und dann seinen Bereich schlussendlich gegen Menschen verteidigt. Auch keine alltägliche Situation – die können wirklich unangenehm zubeißen. Trotzdem ist es hier sehr sicher und es kam noch nie zu gefährlichen Momenten – nicht, dass jetzt jemand beim Lesen den Eindruck bekommt, wir seien in Australien, und es wimmele nur so von gefährlichen Tieren. Ich denke, das ist wie im Sauerland: Es gibt ein paar Tiere, die theoretisch auch mal einen Menschen beschädigen könnten (an dieser Stelle einen Gruß an die Oesberner Wildschweine…), aber in letzter Konsequenz passiert eigentlich nie etwas. Eine weniger tierische, aber sehr eindrucksvolle Bekanntschaft ist übrigens die mit der Bürokratie! Wer glaubt, die sei in Deutschland kompliziert oder nervig, sollte mal vorbeischauen. Wem der Passierschein A38 von Asterix und Obelix etwas sagt, der bekommt eine etwaige Vorstellung von dem, was hier so passiert.

Im Sommer ist es auf Kreta fast durchweg sonnig, auch nachts sinkt die Temperatur kaum unter 25 Grad. Wie kommst du mit dem Klima klar und hast du einen Tipp, wie man solch tropische Nächte am besten übersteht?

Klimaanlage und Schwimmen… Im Hochsommer kann es wirklich passieren, dass du auch nachts Temperaturen über 35 Grad in der Wohnung hast. Letzten Sommer ist das bei einer besonders heftigen Hitzewelle einmal vorgekommen, und wir haben tatsächlich ziemlich gelitten, bis wir dann doch die Klimaanlage angemacht haben. Normalerweise schlafe ich immer bei offenem Fenster, aber in diesen heißen Nächten bunkert man sich am besten ein. Fensterläden sind auch sehr hilfreich. Mich hat mal jemand gefragt, warum viele Häuser hier so kleine Fenster haben oder tagsüber alle Läden geschlossen sind. Das ist genau aus diesem Grund so: Die Menschen müssen sich zwischen Juni und September vor der Hitze schützen.

Wie sieht der typische Alltag für dich aus, und inwiefern unterscheidet er sich von deinem Leben in Deutschland?

In Deutschland hatte ich vor allem einen normalen Arbeitsalltag: Eine halbe Stunde Anfahrt (plus Rückfahrt natürlich), im Schnitt 8 Stunden täglich wahlweise im Büro oder bei Haus- und Schulbesuchen, sowie noch eine Mittagspause vor Ort. Das ergibt mit allem drum und dran sicherlich 10 Stunden, die man an Wochentagen mit der Arbeit verbringt, manchmal mehr. Ich habe meinen Job immer super gerne gemacht und habe dort tolle Kolleginnen und Kollegen sowie einen tollen Chef! Aber es war schon auch phasenweise sehr anstrengend. Ich denke, die meisten wissen, wie kaputt man nach so einem ereignisreichen Büro-Tag manchmal ist. Jetzt arbeite ich nicht weniger, aber anders. In meiner Elternzeit habe ich mich nebenberuflich selbstständig gemacht und verdiene nun online etwas Geld. Ob das immer so gehen wird, weiß ich natürlich nicht, aber es schafft ganz andere Freiheiten. Gleichzeitig haben wir aber immer alle Hände voll zu tun, vor allem auch wegen der Kinder, und weil wir außerdem noch Hühner, ein paar Katzen und zwei Hunde haben. Heute sieht mein Alltag in etwa so aus: Aufstehen, Duschen, Kaffee machen, Hühner rauslassen, alle Tiere füttern… Dann gibt es ein gemeinsames Frühstück mit der Familie und eine kurze Lagebesprechung, was noch so erledigt werden muss. Im Anschluss verschwinde ich in der Regel für einige Stunden an den Rechner. Später arbeiten wir dann draußen gemeinsam im Garten, denn dort gibt es auch immer etwas zu tun!

Wenn ich also nicht gerade am PC sitze, baue ich vielleicht einen Zaun, kümmere mich um die Olivenbäume oder den Gemüsegarten oder überlege, wie wir das Grundstück noch anders gestalten können. Wenn wir uns dann doch mal Freizeit gönnen, gehen wir gerne an den Strand oder treffen uns mit Freunden. Wobei – insbesondere im Winter – deutlich weniger los ist hier. Deshalb findet unsere Freizeit weitestgehend im Sommer statt – den Winter nutze ich vor allem für die Arbeit. Dabei bin ich mindestens genauso viel wach und aktiv, wie vorher auch. Aber tatsächlich weniger geschlaucht. Und meine Rückenschmerzen sind weg, weil man sich so natürlich viel mehr bewegt.

Du bist ausgebildete Sonderpädagogin und hast in Deutschland auch schon als Hundetrainerin gearbeitet, nun schreibst du u.a. einen Blog. Was hat dich dazu inspiriert, und in welchen Bereichen bist du aktuell sonst noch tätig?

Genau, mein Hauptberuf war und ist Sonderpädagogin – zusätzlich habe ich drei Jahre studiert, um selbst als Hundetrainerin arbeiten zu können und außerdem meine tiergestützte Arbeit in Schulen zu professionalisieren. Leider bringt mir beides nicht sonderlich viel, wenn ich gerade im Ausland bin. Ich würde gerne sagen, dass der Blog eine reine Herzensangelegenheit ist, aber das war anfangs erstmal nicht der Grund, ihn zu starten – mittlerweile liebe ich ihn und bin wirklich stolz darauf, dass ich ihn ohne Vorkenntnisse so weit gebracht habe, aber angefangen hat es mit der Suche nach Möglichkeiten, online Geld zu verdienen. Ich habe mir also einen Onlinekurs gebucht, in dem erklärt wird, wie man selbst eine Homepage erstellen und einen Blog monetarisieren kann. Der Rest war dann ein Selbstläufer, weil das Thema eines ist, das mir sehr am Herzen liegt und in dem ich mich gut auskenne: Alles rund um die Themen Schwangerschaft, Geburtsvorbereitung und Rückbildung. Mittlerweile habe ich noch einen zweiten Blog, bei dem es um Hundetraining geht – außerdem gebe ich online Förderstunden für Jugendliche in Deutschland, was ja meinem Hauptberuf am meisten entspricht – das ist mir auch sehr wichtig, um fachlich in meiner eigentlichen hauptberuflichen Tätigkeit zu bleiben.

Die Inzidenz auf Kreta war im Sommer recht hoch, trotzdem kamen Touristen auf die Insel. Wie hast du die letzten eineinhalb Jahre erlebt, mit welchen Einschränkungen musstest du leben?

Auf Kreta hatten wir tatsächlich einen ziemlich krassen Lockdown. Man durfte nur zum Einkaufen und für andere dringend notwendige Tätigkeiten vor die Tür gehen: Immer in Verbindung mit dem vorherigen Senden einer SMS, in der man dann seinen Namen, den Ort und den Grund des Ausgangs angeben musste. Das war sehr skurril. Außerdem gab es noch generelle Ausgangssperren bei Nacht – ausgenommen Menschen, die mit dem Hund rausgehen mussten. Es soll wohl mancher seinen Hund vermietet haben… Dann war zeitweise Schwimmen verboten, aber Spazierengehen zur körperlichen Betätigung war erlaubt – natürlich nicht in Gruppen, sondern nur mit dem eigenen Haushalt. Und mit Maske, auch draußen und ganz gleich, wo man war. Singen und Tanzen in der Öffentlichkeit durfte man auch nicht. Es gab da einige Regeln, die wir nicht immer ganz nachvollziehen konnten. Zum Glück sind wir in einer ländlichen Gegend und haben Hunde – somit waren wir davon kaum betroffen und konnten uns vergleichsweise frei bewegen, zumal das Grundstück auch genug Raum bietet. In einer kleinen Wohnung in Athen hätte ich unter diesen Umständen nicht sein wollen. Zur Touristensaison und mit Beginn der wirklich warmen Wetterverhältnisse im Sommer wurden dann die meisten Regeln gelockert. Schön ist, dass die Menschen hier sehr viel an der frischen Luft sind und sich auch noch ganz viel mit anderen Themen beschäftigen. Ich habe den Eindruck, dass es dadurch zwischenmenschlich überwiegend entspannt bleibt: Corona ist nicht immer Thema Nummer 1, ebenso wenig das Impfen, das ja momentan sehr die Gemüter erhitzt. Dennoch merkt man natürlich die Einschränkungen, die teilweise gelten – denn ohne Test oder Impfung kommt man fast nirgendwo mehr hinein. 

Doch damit nicht genug: Im Mittelmeerraum toben im Sommer oft verheerende Waldbrände. Ist auch Kreta davon bedroht?

Absolut! Wir haben jedes Jahr ein ungutes Gefühl, wenn es im Sommer sehr windig wird. Das ist im wahrsten Sinne des Wortes brandgefährlich, denn bei Trockenheit und Wind breiten sich die Feuer rasant aus und sind dann kaum zu stoppen, weil kaum ein Löschfahrzeug in das unwegsame Gelände gelangen kann. Was dann bleibt, sind die Helikopter und Flugzeuge, die Wasser aus dem Meer holen und in die Berge bringen. Das haben wir vor ein paar Jahren direkt bei uns am Strand gesehen: Hinter uns in den Bergen das Feuer, vor uns die Helikopter, die tonnenweise Wasser aus dem Meer holten. 

Bei einem anderen verheerenden Brand vor einigen Jahren kam das Feuer so nah ans Dorf, dass eine Bekannte von uns nur überlebt hat, weil die Löschhubschrauber direkte Anweisung bekamen, ihre Ladungen vor ihrem Haus abzuwerfen. Sie stand vor einer Feuerwand und konnte nicht fliehen, weil die einzige Straße versperrt war. Das ist also wirklich ein großes Thema, und es sind schon viele Wälder auf diese Weise verloren gegangen. Zum Glück sind aber nur selten Menschen in Gefahr, weil die Brände meistens früh genug bemerkt werden, und alle Anwohner nahegelegener Dörfer evakuiert werden können.

Unabhängig von all diesen Entwicklungen: Kannst du dir vorstellen, irgendwann ins Sauerland zurückzuziehen?

Aber ja! Im Moment sind wir in Elternzeit – folglich ist der eigentliche Plan, dass diese auch irgendwann einmal endet und wir nach Hause kommen. Ich habe meinen Arbeitgeber in Deutschland und liebe auch das Sauerland so sehr! Aber bei den aktuellen Entwicklungen lässt sich alles so schwer absehen. Im Moment sind wir ganz froh, uns etwas heraushalten zu können aus allem. Wir haben den Luxus, uns diese Zeit geben zu können, und dann in einem oder zwei Jahren zu schauen, wie es weitergehen soll. Am liebsten würde ich den Sommer in Deutschland verbringen und den Winter auf Kreta. So hat man immer angenehme Temperaturen.

Was vermisst du am meisten, wenn du an deine alte Heimat denkst? Und was würdest du als erstes machen, sobald du wieder hier bist?

In Oesbern im Wald spazieren gehen! Das fehlt mir so sehr! Und ganz viel Zeit mit meiner Familie und meinen Freunden verbringen. Corona hat es uns schwer gemacht, uns trotz der Distanz regelmäßig zu sehen. 

Nun haben wir bald Weihnachten – auf Kreta ist es aber viel wärmer, und es gibt auch weniger Schnee. Wie verbringt ihr euer Weihnachtsfest?

Dieses Jahr haben wir ja ein neugeborenes Baby. Deswegen ist Weihnachten noch einmal ganz besonders. Gleichzeitig ist es aber auch unweihnachtlicher denn je, weil mit dem kleinen Baby natürlich alles auf dem Kopf steht. Aber auch davon ab fehlt ganz viel, was für uns typisch ist – Weihnachtsbäume zum Beispiel. Nordmanntanne und Co gibt es auf Kreta ja naturgemäß eher nicht. Man bekommt Tannen in Heraklion, das habe ich gesehen. Aber das ist wirklich eine Ausnahme. Es fehlt der Zimtgeruch, der Glühwein, Weihnachtsmärkte, das Einmummeln auf der Couch, der heiße Tee, die Weihnachtslieder. Natürlich kann man sich das alles beschaffen, aber es wirkt etwas unwirklich, wenn man dabei Sonne und ganz viel Grün vorm Fenster sieht. Weihnachten im Sauerland hat definitiv eine ganz andere Qualität! Schneeballschlachten und Weihnachtsmänner sind oben in den Bergen übrigens durchaus möglich, aber unten – bei uns – ist es wahrscheinlicher, bei 20 Grad auf der Terrasse zu sitzen und den Bananen beim Reifen zuzusehen, als sich durch Schneegestöber kämpfen zu müssen.

Dir, liebe Sarah, wünsche ich weiterhin eine wunderschöne Zeit auf Kreta, und wer weiß, vielleicht treffen wir uns ja schon im nächsten Jahr zu einer zünftigen Schnellballschlacht rund um Menden!? Bis dahin alles Liebe!

Und auch du konntest deinen Stresslevel nun hoffentlich etwas zurückschrauben und hast neue Kraft, die letzten Aufgaben vor dem Fest noch ganz entspannt zu erledigen!? Ich wünsche dir und deinen Lieben zauberhafte Weihnachten – bleibt gesund!!!

Hier kommst du zu Sarahs Blog: https://www.geburtsvorbereitungskurse-online.de

Die Fotos wurden mit freundlicher Unterstützung von Sarah Löwenstein zur Verfügung gestellt.

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